Hier geht es um Ihr Essen

Aus für Milchquote und Kükenmord: Was bedeutet das?

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Nur weibliche Küken dürfen leben – männliche werden nach dem Schlüpfen umgebracht.

München - Es ändert sich was in Sachen Milchquote, Mastschweinhaltung und Kükenmord - diese Meldungen sind dieser Tage zu lesen. Aber was bedeutet das für unser Essen? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer im Supermarkt an der Fleischtheke, bei den Eiern oder bei der Milch steht, würde oft schon gern wissen, woher die Produkte die er da kauft, genau kommen. Leider ist das nicht immer ganz einfach: Während die Eier deutlich gekennzeichnet sind und auf die Haltungsbedingungen hinweisen, ist das bei Schweinefleisch noch anders. Und wer weiß schon, dass in den großen Eierlege-Fabriken millionenfach männliche Küken getötet werden? Die tz berichtet heute über drei Themen – Milchquote, Mastschweinehaltung und Kükenmord – bei denen es auch um Ihr Essen geht.

Schluss mit dem Küken-Schreddern!

Wieso werden millionenfach Küken getötet? 

Es gibt nicht nur Eintagsfliegen, sondern auch Eintagsküken. Bei diesen handelt es sich um männliche Küken – die naturgemäß keine Eier legen. Sie werden direkt nach dem Ausschlüpfen getötet. So landen in Deutschland jedes Jahr Millionen Küken lebendig in einem Häcksler oder werden vergast.

Wodurch soll sich diese Praxis ändern?

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) setzt auf ein neues Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei. Forscher der Uni Leipzig haben es entwickelt, noch im Mai soll der praktische Einsatz vorbereitet werden. Ein eigenes Gesetz soll es dafür nicht geben, nach Schmidts Meinung reiche das Tierschutzgesetz.

Wie funktioniert das Verfahren?

72 Stunden nach dem Legen kann künftig das Geschlecht des Embryos im Ei bestimmt werden. Nur die weiblichen Tiere würden dann ausgebrütet werden. Bisher wird das Geschlecht erst nach dem Schlüpfen von Experten bestimmt.

Wann kommt diese Methode? 

Schmidt will bis 2017 so weit sein. Mehreren Bundesländern geht das nicht schnell genug. So kündigte Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) an, über den Bundesrat schnellstmöglich das Kükentöten zu verbieten. Er warf Bundesagrarminister Schmidt vor, sich hinter Absichtsbekundungen und Forschungsvorhaben zu verstecken. Lob für das Leipziger Projekt kommt von Geflügelproduzenten. Es sei wichtig, dass die angewendete Methode für die Tiere schonend sei, erklärte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Die Geschlechterbestimmung im Ei scheine am besten geeignet.

Schweine: Haltung schlecht, Haxn hin!

Bestimmte Böden in Ställen machen Schweine krank und lahm. Bei mehr als 90 Prozent der Mastschweine auf sogenannten Spaltenböden habe eine Studie entzündliche Veränderungen an den Gliedmaßen festgestellt, teilte der Bund Naturschutz in Bayern (BN) mit. Für eine Dissertation am Lehrstuhl für Lebensmittelhygiene der Tierärztlichen Fakultät der Uni München waren entsprechende Daten an vier süddeutschen Schlachthöfen erhoben worden. Die sogenannten Spaltenböden haben zwischen den Balken Spalten für das Abfließen von Kot und Urin – für die Schweinehalter ist das leichter, als Stroh im Stall zu wechseln.

Ein Umdenken bei den Haltungsbedingungen sei dringend nötig, sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Eine Rückkehr zur Stroheinstreu könne auch helfen, die Güllemengen zu reduzieren und zur umweltfreundlichen Stallmistwirtschaft zurückzukehren. „Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die geltenden gesetzlichen Standards in der Nutztierhaltung nicht ausreichen, um Masttiere in Deutschland gesund zur Schlachtreife zu bringen“ sagte Weiger. Er rief Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) auf, einen „Tierschutzplan Bayern“ zu entwickeln.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eine Kennzeichnungspflicht für die Produktionsbedingungen von Fleisch. Industrielle Mastverfahren müssten von artgerechten Verfahren – wie Stroh im Stall oder Auslauf ins Freie – unterscheidbar sein. Damit ändere sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher. Das belege die Eierkennzeichnung eindrucksvoll.

Nach 31 Jahren: Milch-Quote weg

Warum fällt die Milchquote jetzt weg? Die Milchquote sollte mit Hilfe von Obergrenzen für die Produktion eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. Als sie 1984 eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Durch die Begrenzung des Angebots sollten die Preise – und damit das Einkommen der Landwirte – gesichert werden. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen. Doch nun rechnen Politik und Experten mit einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten weltweit – vor allem in Ländern, die wirtschaftlich aufholen. Von diesen Exportchancen sollen Europas Bauern profitieren. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Käse soll Prognosen zufolge stetig steigen.

Was bedeutet das für die Verbraucher? Kurzfristig müssen sie in den nächsten Monaten mit höheren Preisen rechnen, da viele Betriebe ihre Milchproduktion gedrosselt haben, um nicht jetzt noch Strafen zu riskieren. Langfristig könnten die Preise aber heftiger schwanken. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter warnt bereits vor einer höheren Abhängigkeit vom Weltmarkt. Da nur relativ kleine Mengen global gehandelt werden, dürften die Preisschwankungen künftig heftiger werden - „mit langen Tälern und kurzen Spitzen“.

Was hat die Quote gebracht? Nicht viel. Zwar sind die Milchseen und Butterberge geschmolzen, der Preis für den Liter Rohmilch ist aber um bis zu 20 Cent je Kilo geschwankt. Viele Höfe verschwanden. So sank die Zahl der Milcherzeuger in Deutschland seit 1984 von 369 000 auf 77 000.

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