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Aus für beliebtes Münchner Traditionsgeschäft: Puppen-Papa packt ein

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Von: Klaus Vick

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Gunnar Schweizer schließt seinen Laden in der Maxburgstraße
Gunnar Schweizer schließt seinen Laden in der Maxburgstraße in München. © Achim Schmidt/tz

München verliert seinen Wunderwelt-Laden mit Miniatur-Nachbildungen. Bürokratische Vorgaben und die Corona-Pandemie haben den Besitzer Gunnar Schweizer zum Aufhören bewegt.

München - Ob er selbst eine Lieblingsfigur in seinem Sortiment hat? Gunnar Schweizer überlegt einen Augenblick. Dann sagt er: „Ich verkaufe nichts, was ich nicht auch selbst mag.“ Schweizers Laden in der Maxburgstraße ist eine kleine Wunderwelt an Miniatur-Nachbildungen: Puppenstuben, Blechspielzeug, Zinnfiguren, Spieluhren oder Weihnachtsschmuck– jedes einzelne Stück detailgetreu angefertigt.

Hier in diesem pittoresken Kuriositätenkabinett ist Gunnar Schweizer in seinem Element. Mit seinem weißen Rauschebart gleicht er ein wenig dem Nikolaus. Bald aber packt der 59-Jährige seine Sachen. Spätestens Ende Februar wird Gunnar Schweizer den Laden zusperren. Und ein weiteres inhabergeführtes Traditionsgeschäft* in der Innenstadt verschwindet.

Miniaturen-Laden: Die Firmengeschichte reicht bis 1796 zurück

Die Firmengeschichte reicht weit zurück. 1796 gründete Adam Schweizer in Dießen am Ammersee eine Zinngießerei. Er produzierte neben Zinngeschirr vor allem Devotionalien, die in ganz Europa an den Wallfahrtsorten vertrieben wurden. In Dießen sind die Schweizers eine Institution. Dort sind nach wie vor die Produktionsstätten, zwei Läden und ein Spielzeugmuseum angesiedelt.

Das Münchner Puppenstuben- und Zinnfigurenkabinett muss schließen.
Das Münchner Puppenstuben- und Zinnfigurenkabinett muss schließen. © Achim Schmidt/tz

Weil es viele Kunden aus München gab, eröffnete Gunnar Schweizers Mutter Ilse Schweizer 1981 hier ein Geschäft. Der Sohn führte es seit 2004 mit seiner Ehefrau Ursula fort. Schweizer hat das Zinngießer-Handwerk noch selbst gelernt. „Es ist ein Haufen Arbeit, macht aber viel Spaß.“ Schweizer hätte sein Geschäft gerne an einen Nachfolger übergeben. Aber so einfach ist das nicht.

Bürokratie und Corona-Pandemie waren zu viel

Die Immobilie gehört dem Freistaat. Der müsse das Objekt bei einer Neuvermietung ausschreiben. „Eine unbürokratische Übergabe ist kompliziert“, sagt er. Was potentielle Interessenten abgeschreckt habe. Zumal unter den Vorzeichen der Corona-Krise. Auch für ihn selbst waren die Auswirkungen der Pandemie das „i-Tüpfelchen“, die ihn zum Aufhören bewogen haben. Dazu die tägliche Fahrerei von seinem Heimatort Dießen nach München.

Bald werden Gunnar und Ursula Schweizer das letzte Mal ihren Laden* aufsperren. „Es wird eine Zeit dauern, bis wir uns daran gewöhnt haben“, sagt der 59-Jährige. Ein wenig Wehmut klingt da schon durch. Am Montag bildeten sich Warteschlangen vor dem Laden in der Maxburgstraße.

*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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