Transaktionsgeschäft

Deutsche Unternehmen gefragt

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Beim ersten Wirtschaftsforum „Wirtchaftskanzleien“ von Münchner Merkur tz  diskutierten Vertreter führender Münchner Kanzleien miteinander.

Immobilien, Firmen – derzeit ist bei Anlegern alles gefragt, was halbwegs Renditen verspricht. Unternehmen strukturieren sich um und beleben ebenfalls das Geschäft der Transaktionen – zur Freude der Wirtschaftsanwälte.

Unternehmenskäufe und -verkäufe bewegen die Wirtschaft. Firmen strukturieren sich um, begrenzen oder erweitern ihre Geschäftsfelder. Bei solchen Käufen – unter Fachleuten auch Transaktionen oder Deals genannt – geht es um viel: die Zukunft der Geschäftsbereiche und Mitarbeiter, häufig um immense Investitionssummen. Damit die Deals gut funktionieren, müssen sie von Experten begleitet werden, zum Beispiel von Wirtschaftsanwälten. Für sie ist das Geschäft der Käufe und Verkäufe (Mergers and Acquisitions, M&A) ein zentrales Aufgabengebiet. Daher spielte es auch beim Wirtschaftsforum „Wirtschaftskanzleien“ von Münchner Merkur tz eine wichtige Rolle.

„Das Geschäft läuft sehr gut“, stellt Christoph Hamm (Heussen) fest und nennt einen Bereich, der derzeit nicht nur bei institutionellen Investoren, sondern bekanntermaßen auch vielen privaten Käufern im Fokus steht: „Bei Immobilien stellen wir gerade sehr viele Aktivitäten fest.“ Vor einiger Zeit hätten sich bei Unternehmenskäufen viele Investoren aus dem angelsächsischen Raum in Deutschland hervorgetan, die aktuell wieder verkaufen, zum Beispiel Fonds.

„Dieses Jahr läuft mit Blick auf die Transaktionen enorm gut“, bestätigt Friederike Göbbels (Jones Day). Die Juristin verzeichnet in allen Bereichen viel Bewegung. „Das Transaktionsvolumen ist stark gestiegen“, sagt auch Marco Ferme (Beiten Burkhardt). Das Interesse ausländischer Investoren, zum Beispiel aus Russland oder China, sei groß – starke deutsche Unternehmen sind in aller Welt gefragt. „Die Käufer kommen in der Regel aus dem Ausland“, registriert Dr. Klaus Bader (Norton Rose Fulbright) ebenfalls – aus seiner Sicht eine offensichtliche Konsequenz aus der Niedrigzinsphase: Versicherer und andere Investoren wollen Geld anlegen zu Renditen, die über den Magerzinsen liegen. Gefragt seien daher neben Unternehmen und Immobilien auch alternative Investments, etwa Infrastrukturprojekte oder der Bereich Erneuerbare Energien.

Das billige Geld birgt aber auch Gefahren, merkt der Sanierungsexperte Dr. Maximilian Pluta (Pluta GmbH) an: „Viele Probleme werden mit billigem Geld zugedeckt“ – sprich: Unternehmen kommen derzeit an günstige Kredite, meiden aber notwendige Sanierungen und Umstrukturierungen. „Wenn die Zinsen steigen, werden die strukturellen Probleme wieder zutage treten“, warnt Pluta.

Weitere Gefahr, die der Anwalt sieht: Für die Assets (Unternehmen, Immobilien) wird zu viel bezahlt – selbst magere Renditen erscheinen im Vergleich zu Zinsen noch akzeptabel. „Die Renditen sind an die Niedrigzinsen angepasst“, räumt Hamm ein, die Bewertung hänge aber auch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel der Eigenkapitalquote. Die liege meist bei 20 bis 25 Prozent, was nicht für zu hohe Asset-Preise spreche.

Speziell bei Immobilien in München behaupte man seit 20 Jahren, die Preise seien zu hoch, wirft Dr. Joseph Fesenmair (Bird & Bird) ein. Tatsächlich jedoch seien die Preise weiter gestiegen, lägen immer noch deutlich unter dem Niveau von anderen Metropolen wie etwa London und eine Trendumkehr in naher Zukunft sei nicht zu erwarten.

Wenn deutsche Kanzleien sich derzeit über ein gutes M&A-Geschäft freuen, bleibt die Frage: Warum beauftragen auch die ausländischen Interessenten gerade sie? „Ihre Zielunternehmen liegen eben in Deutschland. Die hiesigen Kanzleien kennen die Standards und Gegebenheiten des Ziellandes“, begründet Dr. Carsten Böhm (McDermott Will & Emery) das Interesse.

Welche Geschäftsfelder stehen in Zukunft auf der Tagesordnung? Wo machen die Wirtschaftsanwälte interessante Märkte aus? Zum Beispiel im Pharmasektor, sagt Dr. Gottfried E. Breuninger (Allen & Overy). Bereits jetzt gebe es hier weltweit viele Aktivitäten und Deals teils mit Milliarden-Volumen. Zukunftsmärkte werden langfristig auch die Sektoren Energie und Datenschutz sein, sagt Friederike Göbbels. Jones Day habe in solchen Segmenten spezielle Praxisgruppen etabliert.

Neben diesen Wirtschaftszweigen sieht Dr. Maximilian Elspas auch die Digitalisierung als Trend, der das M&A-Geschäft zunehmend beflügeln wird, ebenso die Startup-Szene in Kombination mit den genannten Trends. „Wir begleiten die Gründer vom Mietvertrag über Themen wie Datenschutz bis hin zu einem später möglichen Unternehmensverkauf.“ Vieles spricht also dafür, dass das Transaktionsgeschäft den Anwälten auch weiterhin viel Freude machen wird.

Von Jürgen Grosche

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