Munich Re warnt vor Kosten-Explosion durch Klimawandel

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Eine Frau geht durch die überfluteten Straßen von Buenos Aires (Argentinien). Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re warnt vor massiv steigenden Belastungen durch den Klimawandel.

München - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re warnt vor massiv steigenden Belastungen durch den Klimawandel.

Beim bevorstehenden Klimagipfel in Kopenhagen müssten sich die Staaten zumindest auf Eckpfeiler für ein striktes Klimaschutzabkommen festlegen, appellierte das Unternehmen am Donnerstag in München. Dazu gehöre zwingend, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Falls nichts getan werde, müsse auch mit kräftig steigenden Preisen für Versicherungsschutz gerechnet werden, der so für immer weniger Menschen finanzierbar werde, sagte Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek.

1,6 Billionen Dollar Schaden wegen Naturkatastrophen

Bereits zwischen 1980 und 2008 summierten sich die volkswirtschaftlichen Schäden aus wetterbedingten Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen, Hagel, Überschwemmungen oder Waldbränden auf rund 1,6 Billionen US-Dollar. Davon seien 465 Milliarden Dollar versichert gewesen. Am stärksten betroffen davon sind die Entwicklungsländer: Sie liegen häufig in besonders durch Naturkatastrophen gefährdeten Regionen der Erde, und nur sehr wenige Menschen können sich dort gegen Schäden absichern oder an Risiken anpassen. Die Munich Re entwickelt deshalb über die von ihr ins Leben gerufene “Munich Climate Insurance Initiative“ (MCII) ein Konzept mit speziellen Versicherungslösungen für Entwicklungsländer. Teile dieses Konzepts sollen auch in das Abschlussdokument für Kopenhagen einfließen.

Herzstück dabei ist ein weltweiter Klimaversicherungspool mit einem jährlichen Prämienvolumen von rund fünf Milliarden Dollar. Die Finanzierung könnte beispielsweise über spezielle Steuern für den Ausstoß von Treibhausgasen oder über einen Aufschlag für CO2- Zertifikate im Rahmen eines globalen Emissionshandels geregelt werden. Diese Versicherungslösung sei auch ein wichtiges Element, um die Zustimmung der Entwicklungsländer zu einem neuen, verbindlichen Klimaschutzabkommen zu erhalten, sagte MCII-Geschäftsführerin Koko Warner, die selbst am Kopenhagen-Gipfel teilnimmt.

Co2-Ausstoß muss bis 2050 massiv sinken

Um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müssten die Kohlendioxid-Emissionen weltweit bis 2050 um die Hälfte im Vergleich zu 1990 sinken, sagte der Leiter der GeoRisikoForschung der Munich Re, Peter Höppe. “Das bedeutet: Die Industrieländer müssen 80 Prozent schaffen, und weltweit müssen die Emissionen bereits in einigen Jahren wirklich sinken.“ Schon jetzt könne der Klimawandel nicht mehr gestoppt, sondern nur noch gedämpft werden. “Aber auch dafür ist es höchste Zeit.“

Erst kürzlich hatte auch Europas größter Versicherungskonzern Allianz und die Umweltorganisation WWF vor schwerwiegenden unumkehrbaren Folgen des Klimawandels schon vor 2050 gewarnt. Die Munich Re (früher: Münchener Rück) weist auf das Problem bereits seit den 70er Jahren hin, anfangs sei man dafür noch belächelt worden, sagte Vorstandsmitglied Jeworrek. Er sieht im Klimaschutz auch enorme wirtschaftliche Potenziale. “Neue Technologien entwickeln sich, und die Energieeffizienz steigt. Alle werden davon profitieren.“ Beispiel dafür sei das milliardenschwere Desertec-Projekt, bei dem riesige solarthermische Anlagen in den Wüsten Nordafrikas Strom für die Menschen in der Region und für Europa liefern sollen.

Auch der Elektrokonzern Siemens und andere Unternehmen versprechen sich durch umweltfreundliche Technologien erhebliche Geschäfts- und Wachstumschancen.

dpa

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