"Deepwater Horizon"

BP muss Rekordsumme wegen Ölpest zahlen

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Bei der Explosion Die Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 starben elf Menschen, bis heute hat sich die Natur noch nicht von der darauf folgenden Umweltkatstrophe erholt.

Washington - Klagen über Klagen flatterten BP auf die Schreibtische, nachdem „Deepwater Horizon“ im Meer versunken war. Im juristischen Nachspiel um die Ölkatastrophe schließt sich nun ein wichtiges Kapitel.

Der britische Energiekonzern BP muss wegen der Ölpest im Golf von Mexiko nach der Explosion der Förderplattform "Deepwater Horizon" eine Rekordsumme von 20,8 Milliarden Dollar (18,6 Milliarden Euro) an die Vereinigten Staaten, fünf US-Bundesstaaten und hunderte Kommunen zahlen. Mit der am Montag verkündeten Einigung begleicht BP die zivilrechtlichen Ansprüche der US-Regierung und der Bundesstaaten. Die finale Summe liegt deutlich über den 18,7 Milliarden Dollar, auf die sich die US-Behörden und der Konzern Anfang Juli in einer Grundsatzeinigung verständigt hatten.

"Dieser historische Vergleich ist eine starke und angemessene Antwort auf das schlimmste Umweltdesaster in der amerikanischen Geschichte", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch. "BP erhält die verdiente Strafe und leistet entscheidende Wiedergutmachung für den Schaden, die sie der Umwelt und der Wirtschaft der Golfregion zugefügt haben."

Die Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April 2010 explodiert. Elf Arbeiter kamen ums Leben, hunderte Millionen Liter Erdöl strömten ins Meer. 87 Tage dauerte es, bis BP das Leck schließen konnte. Die Küsten von Louisiana, Texas, Mississippi, Alabama und Florida wurden verseucht, der Fischfang und der Tourismus in der Region schwer geschädigt.

Der britische Konzern muss nun 5,5 Milliarden Dollar an zivilrechtlichen Strafen unter einem Gesetz zum Gewässerschutz zahlen - laut US-Justizministerium die höchste jemals wegen einer Umweltkatastrophe verhängte Zivilstrafe. Die US-Regierung und die fünf Bundesstaaten erhalten 8,1 Milliarden Dollar Schadenersatz für Umweltschäden, zusätzlich werden 700 Millionen Dollar für noch unbekannte Langzeitschäden zurückgelegt.

Außerdem muss BP Verfahrenskosten und weitere staatliche Ausgaben in Höhe von 600 Millionen Dollar tragen. In der Gesamtsumme enthalten sind auch 4,9 Milliarden Dollar, die der Konzern den Bundesstaaten als Ausgleich für wirtschaftliche Schäden zahlt. Eine weitere Milliarde Dollar Schadenersatz ist für örtliche Behörden vorgesehen.

Das strafrechtliche Verfahren hatte BP bereits im Jahr 2013 mit einem Vergleich in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar beigelegt. Außerdem stellte der Energieriese Milliardenbeträge für die Aufräumarbeiten sowie die Entschädigung von Unternehmen und Privatpersonen bereit. Aus dem jüngsten Quartalsbericht von BP geht hervor, dass die Ölpest im Golf von Mexiko den Konzern bislang mehr als 54 Milliarden Dollar kostete.

Ölpest im Golf von Mexiko: Chronologie des Versagens

20. April: Auf der Ölbohrinsel “Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst. © dpa
22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei. © dpa
25. April: Experten versuchen mit einem Unterwasser-Roboter, den Austritt von Rohöl in 1500 Metern Tiefe zu stoppen - ohne Erfolg. © dpa
29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe “von nationaler Bedeutung“ ein. © dpa
1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus. © dpa
6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel. © dpa
8. Mai: BP-Experten brechen den Versuch ab, das ausströmende Öl mit Hilfe einer großen Stahlkuppel abzusaugen. © dpa
11. Mai: Im Energieausschuss des Senats machen sich die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - gegenseitig verantwortlich. © dpa
17. Mai: Der für die Kontrolle der Tiefsee-Bohrungen zuständige Abteilungsleiter der US-Behörde für Mineralienförderung tritt zurück. © dpa
20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte. © dpa
26. Mai: BP startet die Operation “Top Kill“. Durch Beschuss mit riesigen Schlamm-Mengen soll das sprudelnde Öl gestoppt werden. © dpa
27. Mai: Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien- Management (MMS), Elizabeth Birnbaum. © ap
28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden. © dpa
29. Mai: Die Operation “Top Kill“ scheitert. Nun soll ein Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt und auf die Öffnung eine Kuppel gestülpt werden. Dort soll ein Großteil des Öls aufgefangen und durch eine Leitung zu einem Schiff geleitet werden. © dpa
4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann kontrolliert zu einem Schiff abgeleitet werden. © dpa
10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot. © dpa
11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten. © dpa
16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten. © dpa
17. Juni: BP-Chef Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen. © dpa
22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig. © dpa
23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben. © dpa
28. Juni: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben mittlerweile 2,65 Milliarden Dollar (2,17 Milliarden Euro) gekostet. © dpa

AFP/dpa

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