Nach Euro-Gipfel: Krise geht weiter

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EU-Ratspräsident Herman van Rompuy.

Brüssel - Zwei Wochen nach dem Krisengipfel zur Lage Griechenlands gibt es zwei neue Wackelkandidaten. Die EU-Funktionäre sind alarmiert, der italienische Finanzminister reiste nach Luxemburg.

Knapp zwei Wochen nach dem Euro-Gipfel zu Griechenland kriselt es weiter. Am Markt gelten insbesondere Italien und Spanien als nächste Wackelkandidaten: Täglich werden neue Rekordhochs bei den Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aufgestellt. Am Mittwoch trafen sich Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der italienische Finanzminister Giulio Tremonti in Luxemburg; EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso telefonierte mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Eine Stellungnahme der EU-Kommission wurde innerhalb weniger Stunden erwartet.

Juncker und Tremonti hielten sich nach ihrem Treffen in Luxemburg bedeckt. “Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging, und wir werden weiterhin gemeinsam darüber nachdenken“, sagte Juncker. Das Gespräch sei sehr “fruchtbar“ gewesen, erklärte Tremonti.

Beide hatten sich kurzfristig am Mittwochmorgen in Luxemburg getroffen, nachdem am Vortag die Rendite bei italienischen zehnjährigen Staatsanleihen auf ein neues Rekordhoch gestiegen war. Der italienische Finanzminister hatte zuvor mit EU-Währungskommissar Olli Rehn telefoniert und über die Reformpläne der Regierung und Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise diskutiert.

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Euro-Schuldenkrise - Eine Chronologie

Am Mittwoch kletterte der Zinsaufschlag für die Papiere zeitweise auf 6,21 Prozent - ein neuer Höchststand seit Einführung des Euros. Nach Börsenschluss in Italien wollte sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi in der Abgeordnetenkammer und im Senat in Rom zur Schuldenkrise äußern. Die Opposition wirft ihm vor, Teil des Problems zu sein, und fordert seinen Rücktritt. Am Donnerstag will sich Berlusconi mit Vertretern von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden treffen.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Marktturbulenzen telefonierte Barroso mit Zapatero. Eine Kommissionssprecherin sagte am Mittwoch in Brüssel, die beiden hätten sich über die aktuelle wirtschaftliche Lage in Europa unterhalten und darauf verständigt, die beim Euro-Gipfel am 21. Juli gefassten Beschlüsse so rasch wie möglich umzusetzen. Weitere Details zu dem Gespräch nannte sie nicht.

Die Kommission werde noch am Mittwoch eine Erklärung zu den Marktturbulenzen und der Schuldenkrise abgeben, sagte die Sprecherin. Die EU halte an den Gipfel-Beschlüssen fest und sei weiterhin zuversichtlich, was die wirtschaftliche Lage in Europa angehe. Während der Sommerpause gingen die Beratungen der Experten weiter. Sie arbeiteten mit Hochdruck an der Umsetzung der Beschlüsse, hieß es.

Zapatero hatte seinen geplanten Urlaubsbeginn angesichts der Nervosität an den Märkten einen Tag nach hinten verschoben. Der Zinsaufschlag für spanische Staatsanleihen war am Dienstag auf ein Rekordhoch seit Einführung des Euros von 6,45 Prozent gestiegen.

EU-Ratspräsident Herman van Rompuy zeigte sich “überrascht“ über die Rekord-Renditen bei italienischen und spanischen Staatsanleihen. Die jüngsten Marktturbulenzen seien nicht nachvollziehbar und die Bewertung am Markt für Kreditderivate (CDS, Credit Default Swaps) “lächerlich“, schrieb er in einem Kommentar auf seiner Website.

Ein Sprecher Van Rompuys erklärte, man werde sich, wenn überhaupt, erst nach der Rede Berlusconis weiter zu den Marktturbulenzen äußern.

dapd

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