Nach Holocaust-Ärger: Ex-Managerin verklagt Siemens

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Nachdem sie wegen angeblicher  Holocaust-Vernachlässigung Ärger bekam: Eine Ex-Managerin verklagt Siemens wegen Mobbings.

Nürnberg - Eine Ex-Siemens-Managerin (45) hat den Konzern wegen Mobbings auf rund zwei Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Die Betriebswirtin hatte damit auf ihre Kündigung wegen angeblicher Verharmlosung des Holocausts reagiert.

Eine entsprechende Kündigungsschutzklage hat das Landesarbeitsgericht Nürnberg am Mittwoch auf den 17. März vertagt. An diesem Tag sollen auch die zunächst ausgeklammerten Mobbing- Vorwürfe verhandelt werden, betonte die Kammer. Die Anwälte der afghanischstämmigen Managerin sprechen von einer der größten Summen, die jemals in einem Mobbing-Prozess in Deutschland eingeklagt wurden.

Die Einkäuferin hatte sich nach ihren Angaben als Frau und Ausländerin von ihren Vorgesetzten diskriminiert gefühlt. Als sie sich darüber bei Siemens-Chef Peter Löscher in mehreren E-Mails beklagte und ihr Leid mit dem der Juden während der Nazi-Diktatur verglich, kündigte ihr der Konzern. In einer der E-Mails stand nach Angaben ihrer Anwälte unter anderem der Satz: “Ich darf Ihnen heute schriftlich bestätigen, dass kein Jude in diesem Land solche seelischen Qualen erleiden musste wie ich.“ Die Siemens-Führung wertete diese Äußerung als Verharmlosung des Holocausts.

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Brot
Der erste Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht über eine Kündigung wegen eines Bagatelldiebstahl entschieden hat, führte zum „Bienenstich-Urteil“ von 1984. Eine Verkäuferin hatte einen Bienenstich verzehrt aber nicht bezahlt. Sie erhielt eine fristlose Kündigung. Das „Bienenstich-Urteil" gehört heute zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers. © dpa
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Oktober 2009: Weil sie für Gäste und den Chef bestimmte Brötchen selbst gegessen haben, müssen zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen um ihren Job kämpfen. Ein erster Gütetermin der einen Frau vor dem Arbeitsgericht Dortmund bleibt ohne Ergebnis. © Fotos und Texte: dpa
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Der Verband will für die 59-Jährige eine außergerichtliche Lösung finden. Der Fall ihrer Kollegin wird voraussichtlich Ende November verhandelt. Die Frauen waren nach 34 beziehungsweise fast 20 Dienstjahren im Betrieb fristlos entlassen worden. © dpa
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September 2009: Ein Bäcker bestreicht am Arbeitsplatz ein gekauftes Brötchen mit firmeneigener Paste im Wert von vermutlich unter zehn Cent - nach seiner Darstellung, um sie abzuschmecken. © dpa
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Der Arbeitgeber wertet das als Diebstahl und wirft ihn raus. Das Landesarbeitsgericht Hamm hebt die fristlose Kündigung durch die Bäckereikette aber als unverhältnismäßig auf. © dpa
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Juli 2009: Der Streit um die gekündigte Supermarkt-Kassiererin “Emmely“ geht in die höchste Instanz. Wegen grundlegender Bedeutung des Falls lässt das Bundesarbeitsarbeitsgericht in Erfurt ein Revisionsverfahren zu. © dpa
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Der unter ihrem Spitznamen bundesweit bekanntgewordenen Berlinerin war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt worden. Sie soll zwei Pfandmarken im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben. © dpa
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Juli 2009: Ein Prozess um drei angeblich gestohlene Brötchen endet mit einem Vergleich. Das Arbeitsgericht Heilbronn hebt die Kündigung einer 59 Jahre alten Küchenhilfe eines Krankenhauses zwar nicht auf. Die Klinik wirft der Frau aber nicht länger Diebstahl vor und zahlt ihr Gehalt noch bis Ende September. © dpa
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Juli 2009: Eine Abfallentsorgungsfirma in Mannheim kündigt einem Mitarbeiter fristlos, weil der Vater zweier Töchter ein Reisekinderbett aus dem Müll mit nach Hause genommen hatte. Eine Kündigung sei unverhältnismäßig, urteilt das Arbeitsgericht Mannheim. © dpa
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Februar 2009: Wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee fristlos entlassen. Nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg erhält sie eine ordentliche Kündigung. © dpa
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Januar 2006: Ein Arbeiter hatte Aluminiumreste aus seinem Betrieb mitgehen lassen und an ein Recyclingunternehmen verkauft. Das Argument, es habe sich um Abfall gehandelt, überzeugt das Landesarbeitsgericht Mainz nicht. Es weist die Kündigungsschutzklage © dpa
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Mai 2005: Das Zerreißen von drei Briefen wird einem Postboten zum Verhängnis. Das hessische Landesarbeitsgericht bestätigt seine fristlose Entlassung. Der Briefträger hatte sein Verhalten mit einem “Blackout“ angesichts privater Probleme begründet. © dpa
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Oktober 2009: Wegen sechs Maultaschen im Wert von drei bis vier Euro verliert eine 58-jährige Altenpflegerin in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell gibt zunächst dem Arbeitgeber Recht. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg einigten sich die Parteien. Die Gekündigte erhält 42.500 Euro Abfindung und Gehaltsnachzahlung. Im Gegenzug akzeptiert sie die Kündigung. © dpa

Die Einkaufsmanagerin räumte am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa ein, dass die Äußerung sicher “starker Tobak“ gewesen sei; allerdings müsse man auch ihre siebenjährige Leidenszeit berücksichtigen. Sie habe sich schon bald nach ihrer Einstellung als Ausländerin diskriminiert gefühlt. So sei sie täglich beim Betreten und Verlassen des Nürnberger Firmengeländes kontrolliert worden, andere Mitarbeiter nur ganz selten. Kollegen hätten in ihrem Beisein Männerwitze erzählt und sie als “Dreck“ und “Araberin“ beschimpft.

Nach der Geburt ihres viertes Kindes sei ihr nahegelegt worden, das Unternehmen zu verlassen. Als sie sich geweigert habe, habe man sie in ein Einzelbüro fast ohne Kollegenkontakt gesteckt und später mit fachfremden Schulungsaufgaben beschäftigt. “Das war eine Verfolgsjagd gegen mich, deren Systematik ich erst später erkannt habe“, sagte die frühere afghanische TV-Journalistin, die wegen politischer Verfolgung aus dem Land geflohen war. Ihr Anwalt Frank Jansen wertete die Kündigung der 45-Jährigen als “großen Schlussakt gegen meine Mandantin“.

Siemens-Anwalt Thomas Fries betonte dagegen, nach der Holocaust- Verharmlosung sei die Mitarbeiterin für den Konzern nicht mehr tragbar gewesen. Die Mobbing-Vorwürfe bezweifelte der Unternehmensvertreter. Daher hatte er zunächst einen Vergleich zwischen den Parteien abgelehnt, zu dem das Gericht geraten hatte. Siemens sei nicht bereit, über ein früheres Abfindungsangebot von 60 000 Euro hinauszugehen. Die Ex-Managerin lehnte dies ab und beharrt weiter auf ihrer Schmerzensgeld-Forderung von rund 1,2 Millionen Euro. Zusammen mit entgangenem Gehalt oder materiellen Schäden summiere sich der Schaden auf rund zwei Millionen Euro.

dpa

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