Nach Stopp von EU-Förderung

Kaum noch Tabakanbau in Bayern

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Die Tabakbauer in Bayern werden nach dem EU-Stopp rarer.

Kottensdorf - Manchen mutet es exotisch an - doch Tabakanbau hat in Bayern eine lange Tradition. Im trockenen Mittelfranken wird das Wärme liebende Nachtschattengewächs seit Generationen angebaut. Jetzt droht das Aus.

Nach dem Ende der EU-Tabakförderung verliert der traditionsreiche Tabakanbau in Bayern weiter an Bedeutung. Seit dem Jahr 2005 habe sich die Anbaufläche mehr als halbiert, berichtete die Erzeugergemeinschaft Tabak im mittelfränkischen Kottensdorf in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa zum Beginn der Pflanzsaison Anfang Mai.

Derzeit bauten nur noch 23 Pflanzer auf einer Fläche von rund 300 Hektar Tabak an. Im Spitzenjahr 2002 seien es noch rund 80 Bauern gewesen; sie hätten seinerzeit eine Fläche von rund 815 Hektar bewirtschaftet, berichtet der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Konrad Ammon. 2010 war die EU-Tabakförderung ausgelaufen.

Inzwischen zeichne sich aber eine Stabilisierung ab. „Seit rund zwei Jahren ist die Tabakanbaufläche in Bayern konstant“, erläuterte Ammon. Die verbliebenen 23 Pflanzer hätten sich auf den Anbau von höherpreisigem Wasserpfeifen-Tabak spezialisiert, der den Landwirten auch ohne EU-Prämien ein Auskommen ermögliche.

Die Erzeugung von unrentablem Zigarettentabak der Sorte Burley sei dagegen komplett eingestellt worden. 2005 war die Sorte Burley noch auf einer Fläche von 134 Hektar ausgepflanzt worden.

Nach Einschätzung von Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf vom Amt für Landwirtschaft in Roth wird die weitere Entwicklung des Tabakanbaus in Bayern von der weiteren Preisentwicklung abhängen. „Die Tabakbauern brauchen kostendeckende Abnahmepreise, die auch noch Investitionen zulassen“, betonte der Fachmann, der die Tabakpflanzer berät.

Verbandschef Ammon wies darauf hin, die Tabakbauern hätten in den vergangenen zwei Jahren Nullrunden hinnehmen müssen. Preiserhöhungen seien angesichts der stark gestiegenen Ölpreise aber dringend notwendig. Die Erzeugergemeinschaft Bayern-Tabak hat inzwischen nur noch Mitglieder in Mittelfranken; die Region war schon immer Zentrum des bayerischen Tabakanbaus.

Den stärksten Einbruch hatte der Tabakanbau in Bayern nach der Verabschiedung der neuen EU-Marktordnung im Jahr 2005 erlebt. Die EU hatte damals ein Umstellung ihres Prämiensystems beschlossen und dadurch zu erheblichen Einbußen der Tabakpflanzer geführt. „Innerhalb eines Jahres verringerte sich die Anbaufläche von 784 Hektar auf 454 Hektar. Auch die Zahl der Tabakbauern ging stark zurück“, erinnert sich Ammon.

Mit der Streichung der EU-Zahlungen, die 60 bis 80 Prozent der Produktionskosten deckten, seien die deutschen Tabakerzeuger auf einmal nicht mehr international konkurrenzfähig gewesen. Viele Landwirte hätten damals den Tabakanbau aufgegeben und nach Alternativen gesucht. Einige bauten Spargel an, hätten sich auf Obst verlegt oder testeten den Anbau von Haselnüssen für die Süßwarenindustrie.

dpa

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