Nacktscanner-Hersteller wittern Millionengeschäft

München - Der Einsatz von Körperscannern an den Flughäfen Europas rückt näher und die Hersteller der Geräte hoffen auf Millionenumsätze. Die technischen Probleme sind aber noch nicht komplett gelöst:

Mit den Sommerferien beginnt für das Sicherheitspersonal an den deutschen Flughäfen die heißeste Zeit des Jahres. Hunderttausende Passagiere müssen durchsucht, kontrolliert und abgetastet werden, bevor sie ins Flugzeug nach Mallorca, Florida oder Florenz steigen dürfen. Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll diese Prozedur künftig durch den Einsatz von Ganzkörperscannern an den Flughäfen deutlich sicherer und effizienter werden. Ungeachtet der Diskussionen um die Wahrung der Intimsphäre beim Blick auf den nackten Körper hat die EU die Einführung der Geräte an den europäischen Flughäfen vor wenigen Wochen befürwortet und den Herstellern damit Hoffnungen auf Millionenumsätze gemacht.

“Die Tür ist offen“, sagt Andreas Kotowski, der technische Leiter des US-Unternehmens Rapiscan, einem der führenden Hersteller von Ganzkörperscannern der Nachrichtenagentur dpa in München. Das Potenzial ist groß: Allein an den europäischen Flughäfen müssten nach seinen Schätzungen rund 2000 Ganzkörperscanner angeschafft werden. Auch Konkurrent Smiths steht schon in den Startlöchern für Großaufträge seines Ganzkörperscanners. “Sobald die entsprechenden Zulassungen erteilt sind, rechnen wir mit einem breiten Einsatz des Systems“, sagt Bernhard Semling, Marketing- und Strategiechef der Tochterfirma Smiths Heimann in Wiesbaden.

Lesen Sie auch:

Widerstand gegen Weitergabe von Fluggastdaten

Erste Flughäfen haben die Körperscanner bereits im Einsatz. “Wir schätzen die Gesamtzahl der installierten Systeme weltweit auf einige Hundert“, sagt Semling. Zu den Vorreitern gehörte der Flughafen Amsterdam, von dem aus im vergangenen Jahr ein Nigerianer mit Sprengstoff am Körper nach Detroit gestartet war. Er hatte beim Landeanflug erfolglos versucht, den Sprengsatz zu zünden. Vorfälle wie dieser hätten gezeigt, dass “traditionelle Sicherheitstechnologien auf Flughäfen nicht die angemessene Antwort auf neue Arten der Bedrohung geben könnten“, schrieb die EU- Kommission. Die auch “Nacktscanner“ genannten Geräte arbeiten mit Millimeterwellen und durchleuchten einen Fluggast bis auf die Haut. So entsteht ein Bild von der Figur des Passagiers. Anders als Metalldetektoren finden die duschkabinengroßen Apparate nicht nur Metall-Waffen, sondern auch Sprengstoff oder Keramik- Messer. In der Kleidung oder am Körper versteckte Päckchen oder Flüssigkeiten werden sichtbar.

Sexy Skelette: Pin-Ups für Radiologen

Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Dieses Model lässt tief blicken, sehr tief. Sie posiert für den Pin-Up-Kalender von EIZO Medical. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Die Firma EIZO stellt hochauflösende Monitore her und darum sieht man auf den Fotos wirklich jedes Detail - des Skeletts. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Das knochige Model zeigt, dass Schönheit mehr ist als nur Oberfläche. In einer Serie von scharfen Bildern posiert sie nackt, nur mit Stilettos angetan. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Doch statt viel Haut, zeigt die freizügige Dame ihre blanken Knochen. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Rippen, Wirbel und Gelenke sind gestochen scharf, denn EIZO produziert hochauflösende Monitore. Das neueste Produkt ist ein technisch hochgerüsteter Apparat, der mit seiner Detailschärfe Radiologen die Diagnose erleichtern soll. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Um die Geräte dem kleinen, exklusiven Kundenkreis anzupreisen, verfiel der japanische Hi-Tech-Hersteller auf eine Aufsehen erregende Werbe-Idee. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Die Agentur BUTTER aus Düsseldorf gestaltete den Pin-Up-Kalender für Radiologen, der frappierend an den Pirelli-Kalender erinnert. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Nur ist weniger nacktes Fleisch zu sehen. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
"Der Kalender von EIZO Medical zeigt – genauso wie die beworbenen Monitore von EIZO – wirklich jedes Detail", heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmes. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
"In der Zielgruppe bis dato durchaus ungesehen und geradezu Tabu brechend, hat dieser Kalender mehr erreicht, als wir uns von dieser Werbemaßnahme versprochen haben", gesteht ein EIZO-Sprecher. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Darum soll der Werbe-Gag im kommenden Jahr erneut aufgelegt werden. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Den EIZO Medical Pin-Up-Kalender 2011 soll dann auch Otto Normalverbraucher über den Web-Shop des Bildschirm-Herstellers kaufen können. © BUTTER. Agentur für Werbung
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender
Knochige Models in lasziven Posen: der EIZO-Pin-Up-Kalender 2010 wurde nur an zahlungskräftige Kunden exklusiv verteilt. Eigentlich verkauft der japanische Hersteller Monitore.  © BUTTER. Agentur für Werbung

Bis die Geräte an allen Flughäfen stehen, könnte aber noch viel Zeit vergehen. Über den Einsatz der Scanner entscheiden die Mitgliedsstaaten selbst. Strittig ist aber derzeit noch, wer die Kosten für die Anschaffung der mindestens 100 000 Euro teuren Geräte übernimmt. Die Passagiere sollen nach dem Willen des Europaparlaments nicht für den Einsatz der Körperscanner an Flughäfen zur Kasse gebeten werden. Auch die Flughäfen sehen sich nicht in der Pflicht und verweisen auf die Sicherheitsbehörden.

Den meisten Passagieren sind die Geräte nicht ganz geheuer, weil ihnen der ungeschönte Blick auf ihren Körper unangenehm ist. Zwar betonen die Hersteller, dass die Abbilder des nackten Körpers eher medizinischen Charakter hätten. “Es ist kein optisches, sondern eher ein Röntgenbild“, sagt Kotowski. Um für ein Höchstmaß an Sicherheit zu sorgen, gebe es aber keine neutrale Alternative. “Entweder Abtasten oder Körperscanner. Abtasten ist schlimmer“, meint er. Außerdem sitze das Sicherheitspersonal in einem separaten Raum und sehe die Passagiere nur auf dem Monitor.

Trotzdem bekommen die Sicherheitsmitarbeiter Dinge zu sehen, die sonst verborgen bleiben würden. In London wurde ein Flughafen- Mitarbeiter vor kurzem verwarnt, weil er eine Kollegin dort im neuen Körperscanner begafft und anzügliche Bemerkungen gemacht haben soll.

Weiter technische Probleme

Zumindest die Dauer der Sicherheitskontrollen wird sich durch die Geräte nicht erhöhen, versprechen die Hersteller. Pro Stunde könnten rund 240 Passagiere kontrolliert werden und damit ähnlich viele wie bisher. Ein Problem haben die Firmen aber noch immer nicht gelöst: Die Schuhe müssen die Passagiere noch immer ausziehen, weil auch der Ganzkörperscanner diese noch nicht erfassen kann.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Nachfolge soll feststehen
Aldi Süd hat Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Aldi Süd hat Swimming-Pool im Angebot - doch er hat einen großen Nachteil
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten
Rückruf wegen Gesundheits-Gefahr: Tiefkühl-Riese Iglo warnt vor mehreren Produkten
Rewes WM-Tweet geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder
Rewes WM-Tweet geht voll nach hinten los - Supermarkt-Kette löscht ihn zerknirscht wieder

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.