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Neue Studie zeigt: Jeder elfte Arbeiter zahlt Spitzensteuer

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Das Finanzamt hat ein einnehmendes Wesen: Ca. zehn Prozent der Deutschen zahlen den Spitzensteuersatz.

München - Jeder elfte Erwerbstätige in Deutschland muss den Spitzensteuersatz berappen. Heißt das, dass es in der Bundesrepublik besonders viele Großverdiener gibt? Wir beantworten diese und andere Fragen zum Thema.

Jeder elfte Erwerbstätige in Deutschland muss den Spitzensteuersatz berappen. Der Satz von 42 Prozent greift bei insgesamt 4,2 Millionen Beschäftigten. Das steht in einer bislang unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), aus der das Handelsblatt zitiert. Heißt das, dass es in der Bundesrepublik besonders viele Großverdiener gibt? Wir beantworten diese und andere Fragen zum Thema.

Wie sind die Münchner Beschäftigten vom Spitzensteuersatz betroffen?Der Spitzensteuersatz wird schon ab einem Einkommen von 54.000 Euro angelegt. Das IW moniert, dass folglich „relativ viele Steuerpflichtige“ so eingestuft werden. In der bayerischen Landeshauptstadt wird das angesichts des überdurchschnittlichen Gehaltsniveaus besonders oft der Fall sein: Schon Fachkräfte ohne Personalverantwortung etwa haben hier laut Internetportal gehalt.de einen Monatslohn von durchschnittlich 59.707 Euro. Anderswo in Bayern kommen sie nur auf 42.403 Euro.

Wie sieht das Netto-Monatsgehalt eines Alleinstehenden aus? Rutscht er durch ein Jahreseinkommen von 54 000 Euro gerade in den höchsten Steuersatz, bleiben ihm von seinen 4600 Euro brutto nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben gerade mal ca. 2500 Euro. In München sind davon die vermutlich teure Miete zu zahlen, eventuell ein Auto, Lebensmittel, ÖPNV ...

Welchen Anteil am Einkommenssteueraufkommen erbringen die obersten zehn Prozent? Der IW-Studie zufolge kommen sie für 48,2 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens auf. Die 30 Prozent, die in Deutschland am meisten verdienen, sind für rund zwei Drittel der Summe aus Einkommensteuer und Mehrwertsteuer verantwortlich – das sind die beiden vom IW berücksichtigten wichtigsten Steuerquellen. Die Einkommensteuer steigt mit dem Verdienst, die Mehrwertsteuer wird unabhängig vom Gehalt erhoben.

Wie sieht es am unteren Ende der Einkommen aus? 2,7 Millionen Erwerbstätige (7,8 Prozent) zahlen aufgrund zu geringen Verdiensts gar keine Einkommensteuer, wohl aber Sozialbeiträge. Für diese Haushalte ist die Mehrwertsteuer die größte Belastung. Überhaupt sind auch Gering- und Durchschnittsverdiener stark durch Steuern und Abgaben belastet.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da? Das hat erst vor kurzem eine Studie der Industrieländer organisation OECD ans Licht gebracht: Die Bundesrepublik steht bei einem Vergleich der Belastung Alleinstehender auf Platz 2 (nach Belgien).

Welche Forderungen leiten die Studienautoren des IW aus ihren Ergebnissen ab? Die Wirtschaftswissenschaftler fordern etwa ein Absenken des progressiven Einkommensteuertarifs „im unteren Verlauf“. Das entlaste die Bürger und erhöhe die Anreize zur Erwerbstätigkeit und zum Ausbau von Teilzeit.

Wofür plädiert der Bund der Steuerzahler? Er ist logischerweise für eine Steuerreform, die die Bürger entlastet. Der Vorschlag von Verbandschef Reiner Holznagel liegt dem Handelsblatt vor. Der Spitzensteuersatz würde erst bei 80.000 Euro Jahresgehalt greifen, darunter würden die Tarife abgesenkt. Insgesamt läge das Entlastungsvolumen bei rund 40 Milliarden Euro, um einiges mehr also als die 15 Milliarden, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel den Beschäftigen zugestehen will. 

BW

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