Es geht um tausende Arbeitsplätze

Neuer Streit um VW-Sparkurs: Betriebsrat droht Markenvorstand

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Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen-Kernmarke, Herbert Diess (l) und der VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende, Bernd Osterloh, sitzen am 12.11.2015 während eines Interviews im Volkswagenwerk in Wolfsburg (Niedersachsen) zusammen. Das erst vor kurzem beschlossene Sparpakt der Volkswagen-Kernmarke VW Pkw sorgt innerhalb des Unternehmens für neuen Streit.

Berlin/Wolfsburg - Wieder einmal gibt es Streit in Wolfsburg, wieder einmal zwischen dem Betriebsrat und dem VW-Markenchef. Es scheint, als ob das Unternehmen einfach nicht zur Ruhe kommt.

Das erst vor kurzem beschlossene Sparpaket der Volkswagen-Kernmarke sorgt innerhalb des Unternehmens für neuen Streit. Der Betriebsrat des Autobauers droht dem Management in einem Brief, den mühsam ausgehandelten Plan platzen zu lassen.

Ein Sprecher des Betriebsrates bestätigte am Mittwoch die Existenz eines solchen Briefes. Das „Manager-Magazin“ hatte zuvor darüber berichtet. Die Arbeitnehmerseite wirft VW-Markenchef Herbert Diess den Bruch von Vereinbarungen vor. Unter anderem habe Diess einen Stopp des in bestimmten Bereichen vereinbarten Personalaufbaus angeordnet. Das verstoße gegen Abmachungen, hieß es nach dpa-Informationen in dem Brief.

„Einen verbindlich geschlossenen Pakt zu hintergehen, ist nicht akzeptabel“

Der Vorstand unterlaufe mit seinem Handeln die Beschlüsse des „Zukunftspaktes“, so der Vorwurf. Er setze damit gegenüber dem Betriebsrat auf Konfrontation anstatt auf Konsens. So lasse der Vorstand keine Gelegenheit aus, die im „Zukunftspakt“ vereinbarte Zahl von 980 Zeitarbeitskräften, die bis Ende 2017 abgebaut werden soll, infrage zu stellen.

„Es ist richtig: Kaum ist die Tinte unter den Verträgen trocken, wird hier seitens des Markenvorstands eklatant gegen Vereinbarungen und Geist des Zukunftspaktes verstoßen“, sagte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats auf Anfrage. „Damit ist die Vertrauensbasis, die es zur Umsetzung des Zukunftspaktes braucht, schwer vom Vorstand beschädigt worden.“

Auch von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann - Mitglied des VW-Aufsichsrats - kam Kritik: „Einen verbindlich geschlossenen Pakt einfach so zu hintergehen, ist nicht akzeptabel.“ Er fordere Diess auf, sich an den vereinbarten Rahmen zu halten.

Das Unternehmen zeigte sich zunächst unbeeindruckt. „Der Zukunftspakt wird erfolgreich umgesetzt“, teilte ein Sprecher mit. „Davon sind wir unverändert fest überzeugt.“ Auf dem Weg werde es auch Diskussionen mit unterschiedlichen Positionen geben, die aber gemeinsam geklärt würden.

Es sollen 9000 Stellen für Software-Entwickler geschaffen werden

Mit dem „Zukunftspakt“ getauften Sparprogramm soll die renditeschwache Kernmarke des Wolfsburger Konzerns auf mehr Profit getrimmt werden. Dazu sah der Pakt bis 2025 unter anderem die Streichung von bis zu 30.000 Jobs weltweit vor. Der Autobauer will dies ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen - etwa über eine stärkere Nutzung von Altersteilzeit.

Zudem sollen 9000 Stellen etwa für Software-Entwickler geschaffen werden - per Saldo verringert sich der Abbau in Deutschland so auf 14.000 Arbeitsplätze. In dem Pakt spiegelt sich auch der nötige Umbau von Volkswagen in Richtung Elektromobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen wider.

Betriebsrat und Management hatten über Monate um die Details gerungen - mit anfangs erheblichen Misstönen zwischen Diess und Betriebsratchef Bernd Osterloh. Dabei ging es um inhaltliche Fragen, aber auch um die Art der Kommunikation und die Form der Zusammenarbeit.

dpa

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