Verteuerung bei Stadtsparkasse

Neues Girokonto-System: Sollte ich jetzt die Bank wechseln?

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Beim Blick auf die Kontoführungsgebühren kann es böse Überraschungen geben.

München - Sollte man in Zeiten der höheren Gebühren die Bank wechseln? Gibt es überhaupt noch kostenlose Kontoführung? Die tz sprach mit einer Bankexpertin.

Da die Banken und Sparkassen in Zeiten der Nullzinspolitik mit ihrem klassischen Geldanlage- und Kreditgeschäft immer weniger verdienen, setzen sie auf höhere Gebühren. Jüngstes Beispiel: Das neue Girokonto-System der Münchner Stadt­spar­kasse, das für viele Kunden eine Verteuerung bedeutet. Aber sollte man deshalb gleich die Bank wechseln? Gibt es überhaupt noch kostenlose Kontoführung? Die tz sprach darüber mit einer Expertin des gemeinnützigen Online-Verbrauchermagazins Finanztip.

Es gibt zwar kostenlose Online-Girokonten – was sollen aber Rentner machen, die gar keinen Computer haben bzw. der Technik misstrauen?

Josefine Lietzau, Bank-Expertin von Finanztip: Die sollten schauen, ob es bei ihrer Filialbank andere, günstigere Konditionen gibt, ob sie beispielsweise von einer beleghaften Überweisung auf Telefonüberweisung umsteigen können. Zudem gibt es die Möglichkeit, auf ein anderes Konto-Modell umzustellen – die Sparkassen bieten beispielsweise Pauschalpakete an, bei denen alles drin ist, und andere, wo jede Buchung extra kostet. Da sollte man genau schauen, was für einen selber passt.

Aber pauschal gilt: Wer kein Online-Konto hat, fährt teurer?

Lietzau: Genau. Die Direktbanken sind generell die preiswerteren. Vor einem Jahr haben wir das mal durchgerechnet und kamen auf Unterschiede von bis zu 200 Euro im Jahr! Jetzt, wo die Banken alles umstellen, wird dieser Unterschied wohl noch größer werden.

Es ist zu erwarten, dass wegen der Nullzins-Politik die Gebühren bei allen Banken und Sparkassen steigen werden. Macht es da überhaupt Sinn, ständig zu wechseln?

Lietzau: Wir gehen davon aus, dass es weiter kostenlose bzw. preisgünstige Angebote gehen wird – vor allem von Direktbanken. Die haben niedrigere Personalkosten und sparen sich die teuren Filialen, weshalb sie günstiger sein können als Banken und Sparkassen mit einem dichten Filialnetz.

Gibt es versteckte Kosten bei vermeintlichen Kostenlos-Girokonten?

Lietzau: Es kann sein, dass die Kontoführung nur bei einem bestimmten Geldeingang kostenlos ist. Zudem sollte man darauf achten, dass die Kreditkarte kostenlos dabei ist, wenn man die nutzen will, um Geld abzuheben.

Wie steht es mit der Sicherheit beim Online-Girokonto?

Lietzau: Da müssen die Kunden selber ran! Die müssen ihren Computer mit Virenschutzprogrammen schützen, das Betriebssystem aktuell halten. Und sie dürfen nicht auf sogenannte Phishing-Mails hereinfallen, mit denen die TAN oder PIN ausgespäht wird.

Wie schwierig ist es, die Bank zu wechseln?

Lietzau: Es ist inzwischen einfacher, als die meisten denken: Viele Banken bieten einen automatischen Kontenwechsel an – da werden alle Lastschriften mit einem speziellen Softwareprogramm ausgelesen. Die Bank informiert dann alle Lastschrift­empfänger, den Arbeitgeber usw. selbst über das neue Konto. Das haben noch nicht alle, aber bis zum Sommer muss eine EU-Richtlinie umgesetzt werden zum leichteren Kontowechsel. Trotzdem empfiehlt es sich, das alte Konto noch zwei Monate parallel weiterlaufen zu lassen, damit am Ende nicht doch irgend­eine Zahlung nicht gedeckt ist.

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