Nullzins verbrennt unser Geld

So viel Geld verliert jeder Deutsche im Schnitt

Berlin - Die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank kostet die Deutschen bis zum Ende des Jahres fast 200 Milliarden Euro! Die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, errechnete, dass jeder einzelne Deutsche so im Schnitt 2450 Euro durch entgangene Sparzinsen verliert - mehr als ein durchschnittliches Monatsgehalt! 

Und das, obwohl in dieser Rechnung die Zinsvorteile durch günstige Kredite schon gegengerechnet sind, von denen ja nur eine Minderheit profitiert: 144 Milliarden Euro sparen Häuslebauer oder Wohnungskäufer, die aktuell einen Kredit aufgenommen haben. Demgegenüber stehen aber laut Welt am Sonntag 343 Milliarden Euro, die die Deutschen seit 2010 mit Tagesgeldkonten, Wertpapieren und Versicherungen verloren haben. 

Für die Berechnungen verglich die DZ Bank die stetig gesunkenen Durchschnittszinsen seit 2010 mit den Durchschnittswerten der Zeit vor der Finanz- und Eurokrise. Der Chef des weltgrößten Versicherungs-Konzerns Munich Re, Nikolaus von Bomhad, warnt, dass diese „Umverteilung“ vor allem die Ärmeren treffe: Die Bundesregierung sehe tatenlos zu, wie das Vermögen der Menschen in Deutschland schwinde. 

Langsam wacht aber auch die Politik auf:  Bayerns Finanzminister Markus Söder  (CSU) etwa nannte das Vorgehen einen Angriff auf das Vermögen von Millionen Deutschen. Und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) meinte in der WamS, die EZB setze ein fatales Signal: „Nämlich, dass Vorsorge und Sparen keinen Sinn haben.“ Wie dramatisch sich die Nullzins-Politik nicht nur auf dem klassischen Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto auswirkt, zeigen einige Beispiele: 

Lebensversicherung: Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon rechnet vor: Wer heute eine Lebensversicherung mit 100 Euro Monatsbeitrag abschließt, bekommt in 30 Jahren rund 84 000 Euro raus - fast 20 000 Euro weniger als bei Abschluss derselben Versicherung vor zwölf Jahren. 

Staatsanleihen: Eine 40-jährige Frau, die im Alter 100 Euro pro Monat zusätzlich konsumieren will, muss jeden Monat 92 Euro in deutschen Staatsanleihen sparen. Noch vor 15 Jahren hätten 29 Euro gereicht, rechnet der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Olaf Stotz vor. Bei Männern ist es wegen der geringeren Lebenserwartung so, dass der Sparerfolg gegenüber 2001 von 69 auf 24 Euro gesunken ist. 

Bankgebühren: Auch die Banken machen durch die Nullzins-Politik der EZB gigantische Verluste, die sie zumindest teilweise durch Gebührenerhöhungen beim Kunden wieder reinzuholen versuchen. Der Chef des Dachverbandes der genossenschaftlichen Sparda-Banken, Joachim Wuermeling, rechnet „auf breiter Front“ mit Preissteigerungen. Die Postbank beispielsweise verlangt 99 Cent für Überweisungen, die nicht online ausgeführt werden. Vor allem Dienstleistungen am Schalter (etwa Münzen einzahlen) kosten bei vielen Banken und Sparkassen jetzt höhere Gebühren. Auch das kostenfreie Girokonto gehört wohl bald der Vergangenheit an. 

Private Krankenversicherung: Viele private Krankenversicherungen reagierten in den letzten Monaten mit deutlichen Beitragssteigerungen auf die Nullzins-Politik. „Sowohl die private Krankenversicherung als auch die private Altersvorsorge haben bei dauerhaftem Nullzins keine Zukunft“, erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV). Denn alle Formen der privaten Vorsorge basieren darauf, dass an den Kapitalmärkten Zinsen erwirtschaftet werden können. 

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