Erstmals Frau an der Spitze

Obama nominiert Yellen als neue Fed-Chefin

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Erstmals in der Geschichte der US-Notbenbank soll mit Janet Yellen eine Frau an der Spitze stehen.

Washington - Lange Zeit stritten Politiker um die Nachfolge von Fed-Chef Bernanke. Nun soll Janet Yellen als erste Frau auf den Chefposten der US-Notenbank. Auf sie warten riskante Aufgaben.

Erstmals soll eine Frau die mächtige US-Notenbank führen. Inmitten der schweren US-Finanzkrise hat Präsident Barack Obama die Ökonomin Janet Yellen als neue Chefin nominiert. Die 67-jährige bisherige Vize-Chefin der Fed soll Anfang 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke (59) antreten. Die Zustimmung des Senats gilt als sicher.

Die Besetzung der Fed-Spitze sei „eine der wichtigsten Entscheidungen, die ich als Präsident treffe“, sagte Obama am Mittwoch im Weißen Haus. Aufgabe der Zentralbank sei nicht nur Preis- und Geldstabilität, sondern auch die Beschäftigung. „Sie kennt die menschlichen Kosten, wenn Amerikaner keinen Job finden können“, sagte Obama mit Blick auf Yellen. Er rief den Senat auf, die Nominierung „ohne Verzögerung zu bestätigen“.

Yellen steht vor großen Herausforderungen

Ausdrücklich dankte er Bernanke für seine Umsicht, Amerika durch die schwere Finanzkrise zu steuern. Seine 2008 begonnene Politik des billigen Geldes sei hilfreich für Millionen Amerikaner gewesen, meinte Obama. Bernankes Amtszeit läuft zum 31. Januar 2014 aus. Er will keine dritte Amtszeit.

Yellen sagte: „Das Mandat der Fed besteht darin, dem gesamten amerikanischen Volk zu dienen.“ Zwar gebe es Erfolge in der Krisenbewältigung. „Wir haben Fortschritte gemacht, die Wirtschaft ist stärker und das Finanzsystem sicherer.“ Doch es gebe noch viel zu tun.

Auf Yellen kommen große Aufgaben zu. Sie muss sehr wahrscheinlich bald nach Amtsantritt die Fed-Politik des billigen Geldes zurückfahren. Es gilt als höchst schwierige und riskante Aufgabe, Märkte und Wirtschaft von der langjährigen Niedrigzins-Politik zu entwöhnen.

Für Obama war Yellen nur zweite Wahl

Die Notenbank schwemmt seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 die Märkte mit billigem Geld und war so mitverantwortlich für einen Boom der Aktienmärkte an der Wall Street und weltweit. Bereits im Frühjahr hatte Bernanke den schrittweisen Ausstieg aus dieser Anti-Krisen-Zinspolitik angekündigt. Die Umsetzung dürfte aber weitgehend auf Yellen zukommen. Die Aufgabe, den Ausstieg ohne einen Einbruch der Finanzmärkte zu bewerkstelligen, gilt als historisch einmalig und höchst komplex.

Yellen war allerdings nicht Obamas erste Wahl für den Job. Dies war vielmehr Ex-Finanzminister Lawrence Summers. Dessen Nominierung galt jedoch als umstritten, ein breites Bündnis von Kritikern hate versucht, die Personalie zu stoppen. Summers beugte sich schließlich dem Druck und zog seine Kandidatur im September zurück.

Die Entscheidung für Yellen fällt mitten im schweren Finanzstreit in Washington. Die US-Regierung muss seit über einer Woche ohne Haushalt auskommen, weil der Kongress sich nicht auf einen Übergangsetat einigen kann. Dies führt zu einem teilweisen Verwaltungsstillstand.

Auch über die Mitte Oktober anstehende Erhöhung des US-Schuldenlimits wird weiterhin heftig gestritten. Sollte es keine Einigung geben, droht der weltgrößten Volkswirtschaft Zahlungsunfähigkeit - als Folge drohen schwere Verwerfungen auf den Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft.

Früher als Beraterin von Clinton tätig

Yellen hat nicht nur bei den Demokraten einen exzellenten Ruf, sondern auch bei den Republikanern. Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington. Sie war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. „Dr. Yellen ist hervorragend qualifiziert“, hieß es in dem Schreiben an Obama, das unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und ehemalige Vize-Chefs der Fed unterzeichneten.

Als Nummer Zwei ist Yellen bislang eine enge Beraterin von Bernanke und gilt als ausgesprochene Verfechterin der aktuellen Politik des billigen Geldes. Seit mehr als vier Jahren hält die Fed den Leitzins praktisch bei null Prozent. Zudem kauft sie monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63 Mrd Euro), um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten.

Werden in naher Zukunft noch keine Änderungen beim Leitzins erwartet, so hat die Fed angedeutet, dass sie bald stufenweise aus den Anleihenkäufen aussteigen dürfte. Viele Experten hatten eine stufenweise Reduzierung der Käufe bereits für September erwartet, aber Bernanke entschied sich unter anderem wegen der nur zögerlichen Erholung am Arbeitsmarkt noch für Zurückhaltung. Möglich wäre, dass der scheidende Fed-Chef - je nachdem, wie sich der Haushaltsstreit und die US-Konjunktur entwickeln - den ersten Schritt noch 2013 nachholt. Die Herausforderung, das Programm im richtigen Tempo ganz abzuwickeln, fällt jedoch Yellen zu.

dpa

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