Opel gehört wieder vollständig General Motors

+
Eine Fahne von General Motors (GM) weht vor dem Werksgelände von Opel in Bochum.

Berlin - Der Autobauer Opel gehört wieder vollständig General Motors. Wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin am Montag mitteilte, wurde die Opel-Treuhand mit notariellem Vertrag aufgelöst.

Zuvor sei der staatliche Brückenkredit samt Zinsen und Nebenkosten von GM zurückgezahlt worden. Unterdessen wird der Ton zwischen CDU und FDP in Sachen Opel-Rettung schärfer. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sich erneut skeptisch zu möglichen Staatshilfen für Opel äußerte, forderte die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) von Brüderle mehr Engagement. Brüderle sagte dem “Handelsblatt“, die Verantwortung für die Sanierung des deutschen Autobauers liege beim Mutterkonzern General Motors. “Ich habe den Eindruck, dass GM inzwischen finanziell besser dasteht“.

Verhandlungskrimi um Opel: Eine Chronik

14. November 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten ruft Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat zur Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen. Nach Unternehmensangaben geht es um “etwas mehr als eine Milliarde Euro“. © dpa
17. Februar 2009: Der ums Überleben kämpfende Mutterkonzern General Motors (GM) will 47 000 Stellen streichen, davon 26 000 außerhalb der USA. © dpa
27. Februar: Opel will sich weitgehend von GM abkoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. © dpa
2. März: Der Rettungsplan wird der Bundesregierung vorgelegt. © dpa
31. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellt Unterstützung für Opel in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg. © dpa
23. April: Fiat will Opel übernehmen. Die Arbeitnehmer sind dagegen. Ende Mai zieht sich Fiat zurück. © dpa
28. April: Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, hier Vize Chef Sigfried Wolf, legt ein erstes “Grobkonzept“ für Opel vor. © dpa
12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft. © dpa
27. Mai: GM, um Verhandlungsführer John Smith (r.), kündigt dem Vorsitzenden des Opel-Treuhand-Beirats, Fred Irwin (l.) an, sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abzuspalten. © dpa
30. Mai: Bund, Länder, GM, Magna und das US-Finanzministerium einigen sich auf ein Rettungskonzept. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie das umstrittene Treuhand-Modell. © dpa
1. Juni: GM reicht in New York einen Antrag auf Insolvenz mit Gläubigerschutz ein. © dpa
10. Juli: GM, hier Fritz Henderson, Präsident und CEO von General Motors, wird aus der Insolvenz entlassen. Mehrheitlich in Staatsbesitz soll GM wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd Euro) an Steuergeldern. © dpa
15. Juli: Der Finanzinvestor RHJI stellt ein nachgebessertes Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer weniger Stellen abbauen will. © dpa
19. August: Bund und Länder wollen die Kreditzusagen und Bürgschaften für Opel über 4,5 Milliarden Euro ohne Beteiligung der anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten vorstrecken, wenn GM sich für Magna entscheidet. © dpa
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Laut Medienberichten prüft der US-Autokonzern, seine bisherige Tochter doch zu behalten. © dpa
2. September: RHJI hat sein Angebot abermals nachgebessert und fordert jetzt 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus. © dpa
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna. Die Treuhand genehmigt das Geschäft. © dpa
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25 000 Stellen wegfallen werden. Die EU-Kommission kündigt eine “sehr sorgfältige“ Prüfung der Milliardenbeihilfen an. Belgien ist aufgebracht, weil der Standort Antwerpen geschlossen werden soll. Widerstand kommt auch aus Großbritannien und Spanien. © dpa
22. September: Bevor weitere drei Milliarden Euro fließen, müssen Wirtschaftsprüfer grünes Licht geben. PriceWaterhouseCoopers stuft die Pläne Magnas als “nicht besonders robust“ ein. © dpa
15. Oktober: Aus Sorge um ein späteres Veto der EU-Kommission legen der designierte Käufer Magna mit seinem russischen Partner Sberbank und GM die Unterzeichnung des Übernahmevertrags auf Eis. © dpa
16. Oktober: In einem Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußert EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes schwere Bedenken gegen die von der Bundesregierung versprochenen 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden sein. © dpa
3. November: Der GM-Verwaltungsrat beschließt in einer dramatischen Wendung, Opel doch zu behalten. Der Mutterkonzern will das Europa-Geschäft selber sanieren. © dpa

Der Wirtschaftsminister verwies darauf, dass GM problemlos den Brückenkredit von Bund und Ländern zurückzahlen konnte. Auch die Tatsache, dass GM sich mit der Vorlage des Restrukturierungsplans Zeit lasse, spreche für eine verbesserte finanzielle Situation des Unternehmens.

Der hessische FDP-Fraktionschef Florian Rentsch sagte ebenfalls, es gebe derzeit keine Grundlage für Staatshilfen. Es gebe keinen Anlass für eine “vorauseilende Diskussion“ über mögliche Hilfen von Bund und Ländern.

“In Deutschland geht es um tausende Arbeitsplätze“

Dagegen mahnte Lieberknecht ein stärkeres Engagement Brüderles für Opel an: “In Deutschland geht es um tausende Arbeitsplätze. Da wird es langsam Zeit, dass auch der Wirtschaftsminister sich in angemessener Weise seiner Rolle bewusst wird“, sagte sie dem “Handelsblatt“. Lieberknecht kritisierte, dass Brüderle nicht persönlich am Brüsseler Opel-Gipfel in der vergangenen Woche teilnahm. Dies sei “kein gutes Signal“ gewesen. Im Bundeswirtschaftsministerium wurde dies zurückgewiesen. Kein einziges EU-Mitgliedsland mit Opel-Standorten sei auf der Konferenz durch einen Minister vertreten gewesen, hieß es aus dem Ressort. Am Montag begannen an den großen Standorten von Opel und Vauxhall die Verhandlungen über den bevorstehenden Personalabbau. Nach Angaben von General Motors sollen unter anderem im britischen Werk Luton bei London rund 350 Jobs wegfallen. GM will europaweit rund 9.000 Stellen abbauen, davon bis zu 5.400 in Deutschland.

Schweden wollen Saab noch retten

Für die vom Untergang bedrohte Automarke Saab gibt es möglicherweise doch noch Kaufinteressenten. Eine Unternehmenssprecherin sagte am Montag, Saab-Chef Jan Ake Jonsson wolle sich in Detroit mit GM-Managern und potenziellen neuen Investoren treffen. Zur Identität möglicher Bieter machte sie keine Angaben. Der GM-Verwaltungsrat soll die Zukunft von Saab am Dienstag beraten, nachdem in der vergangenen Woche der Investor Koenigsegg aus den Verkaufsverhandlungen ausgestiegen war. Gemeinsam mit Koenigsegg wollte auch der chinesische Autohersteller BAIC bei Saab einsteigen. Die Chinesen wollen die Lage nach dem Ausstieg des Sportwagenbauers neu bewerten. Nach Medienberichten sind die US-Investmentgesellschaften Merbanco und Renco Group weiterhin an einem Einstieg bei Saab interessiert.

AP

Auch interessant

Meistgelesen

Job-Beben auch bei Daimler: Neue Hiobs-Botschaft - Fallen tausende Stellen in Deutschland weg?
Job-Beben auch bei Daimler: Neue Hiobs-Botschaft - Fallen tausende Stellen in Deutschland weg?
Zehntausende Diesel-Fahrzeuge von Audi und VW zurück gerufen- für viele kommt das zu spät
Zehntausende Diesel-Fahrzeuge von Audi und VW zurück gerufen- für viele kommt das zu spät
Börse mit gutem Gewissen - Trend zur nachhaltigen Geldanlage
Börse mit gutem Gewissen - Trend zur nachhaltigen Geldanlage
Urteil: Crowdworker sind Selbstständige
Urteil: Crowdworker sind Selbstständige

Kommentare