Opel-Verkauf steht kurz bevor - Annäherung in Spanien

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Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) betont: “Was am Donnerstag passieren soll, ist die Vertragsunterzeichnung durch GM.“

Frankfurt am Main - Vor der an diesem Donnerstag geplanten Unterzeichnung der Opel-Übernahme sieht die spanische Regierung Fortschritte in den Gesprächen mit dem Investor Magna.

Im Streit um den milliardenschweren Rettungsplan für Opel habe Magna für das Opel-Werk nahe Saragossa am Dienstag einen neuen und besseren Vorschlag vorgelegt, teilte Industrieminister Miguel Sebastián am Abend in Madrid mit. “Dieser Vorschlag garantiert langfristig die Zukunft des spanischen Opel-Standortes“, ergänzte er nach einem rund neunstündigen Treffen mit Magna-Chef Siegfried Wolf in Madrid. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Es gebe noch offene Fragen, hieß es weiter. Deshalb sei für diesen Mittwoch ein weiteres Treffen mit Magna und den Gewerkschaften geplant. Aus Protest gegen die Magna-Pläne hatten zuvor die Gewerkschaften die Verhandlungen in Madrid verlassen und mit Streik gedroht. Betriebsratschef José Juan Arcéiz räumte allerdings ein, dass General Motors (GM) den Opel-Verkauf an Magna auch ohne die Zustimmung der spanischen Gewerkschaften besiegeln könnte.

Mit Blick auf das neue Treffen erklärten sich die Gewerkschaften dialogbereit. “Die Lösung muss sich an wirtschaftlichen und industriellen Kriterien orientieren, nicht an politischen“, forderte Arcéiz. Magna will Teile der Produktion des Opel Corsa nach Eisenach zu verlagern. Außerdem sollen den bisherigen Plänen zufolge rund 1350 der insgesamt etwa 7200 Stellen in Figueruelas gestrichen werden.

Spaniens Regierung will Garantie für Saragossa-Werk

Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz hatte vorgeschlagen, dass Spanien die Fertigung des Corsa-Fünf-Türers behalten, den Dreitürer aber nach Eisenach abgeben solle. Im Gegenzug könne Saragossa Aufträge übernehmen, die bisher an Fremdfirmen vergeben wurden. Damit könne sowohl ein größerer Stellenabbau als auch der Abfluss von Bargeld verhindert werden. Die spanische Regierung verlangt eine Garantie für das Werk bei Saragossa. Andernfalls will Madrid kein Geld für den milliardenschweren staatlichen Rettungsplan geben.

In Großbritannien konnte Magna die Bedenken ausräumen. Nach Gewerkschaftsangaben vom Dienstag ist die mittelfristige Zukunft der zwei britischen Werke der Opel-Schwester Vauxhall gesichert. Bis 2013 habe der neue Opel-Besitzer Magna eine Garantie für die Werke in Ellesmere Port und Luton gegeben, wo die Belegschaft im Gegenzug für zwei Jahre auf Gehaltserhöhungen verzichtet, wie die Gewerkschaft Unite am Dienstag mitteilte.

Bis zu 600 Stellen könnten durch freiwilliges Ausscheiden der Mitarbeiter eingespart werden. Ursprünglich hatte die Gewerkschaft einen Abbau von 1200 Jobs befürchtet. An den Vauxhall-Standorten arbeiten 5500 Menschen. Unite-Generalsekretär Tony Woodley gab sich zuversichtlich, dass beide Werke auch eine Zukunft nach 2013 haben.

Laut GM-Chef soll Kauf diese Woche über die Bühne gehen

GM-Chef Fritz Henderson hatte am Dienstag in Schanghai bekräftigt, dass das Geschäft noch in dieser Woche besiegelt werde. Der Kaufvertrag kann zwar auch ohne die noch ausstehenden finanziellen Zusagen der Regierungen aus den anderen EU-Ländern mit Opel-Standorten erfolgen, wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) am Dienstag betonte: “Was am Donnerstag passieren soll, ist die Vertragsunterzeichnung durch GM.“ Deutschland sei aber zuversichtlich, die beantragten Staatshilfen von 4,5 Milliarden Euro nicht alleine schultern zu müssen. “Es gibt eine vernünftige Diskussion mit Großbritannien und Spanien. Das ist eine Sache im Interesse aller.“

Koch warnte davor, die Diskussion mit Drohgebärden zu führen: “Wenn die Vereinbarungen platzen, wird das Unternehmen nicht mehr zu retten sein, das weiß auch jeder in Großbritannien und Spanien.“ Er stellte aber klar, dass Deutschland seine Finanzierungsbeihilfen nicht von den Entscheidungen in den anderen Opel-Ländern abhängig mache. Koch hatte zuvor die Führungsrolle Deutschlands als Opel- Mutterland betont. Er verwahrte sich aber dagegen, dass die Bundesrepublik die anderen Länder übervorteile: “Wir haben uns keine Arbeitsplätze gekauft, wir tragen sogar den Löwenanteil des Arbeitsplatz-Abbaus.“

Nach den bisher bekannten Plänen von Magna sollen in Europa rund 10 500 der knapp 55 000 Stellen gestrichen werden, davon knapp 4500 in Deutschland. Alteigentümer GM will 55 Prozent der Anteile an Magna und die russische Sberbank verkaufen und 35 Prozent selbst behalten. Die restlichen 10 Prozent sollen an die Opel-Mitarbeiter gehen.

dpa

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