Warnstreik: Chaos am Hamburger Flughafen

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Die Warnstreiks privater Sicherheitskontrolleure an fünf deutschen Flughäfen haben im Norden für Verspätungen gesorgt.

Berlin - Private Sicherheitskontrolleure haben an fünf deutschen Flughäfen die Arbeit niedergelegt. Der Warnstreik traf vor allem Hamburg unvorbereitet. Dort mussten Tausende warten.

Streikende Sicherheitsleute haben am Dienstagmorgen für riesige Warteschlangen und Verspätungen am Hamburger Flughafen gesorgt. An vier weiteren bestreikten Flughäfen in Deutschland hielten sich die Auswirkungen nach Berichten der Betreibergesellschaften hingegen in Grenzen. In dem Tarifkonflikt geht es vor allem um die Arbeitsbedingungen der rund 12 000 privaten Luftsicherheitsassistenten.

In Hamburg waren zwischen 6 Uhr und 8 Uhr nur 3 von 21 Kontrollstellen geöffnet, wie Flughafensprecherin Stefanie Harder berichtete. Von den Aktionen seien rund 10.000 Passagiere betroffen gewesen, die ihre Flüge umbuchen oder ganz absagen mussten.

Die Gewerkschaft Verdi hatte nach eigenen Angaben rund 500 Luftsicherheitsassistenten an den Zugangskontrollen zu Warnstreiks aufgerufen. Der Ausstand an den Flughäfen in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Bremen und Hannover sei auf zwei Stunden begrenzt worden, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Andreas Sander. Damit sollten die Auswirkungen auf die Passagiere möglichst gering gehalten werden, so die Gewerkschaft.

„Das war eine vollkommen unangemessene Aktion von Verdi, weil wir zu dieser Zeit die meisten Passagiere haben“, kritisierte hingegen die Hamburger Flughafensprecherin Harder den Warnstreik. Es habe überhaupt keine Zeit mehr gegeben, Alternativen für die Reisenden zu schaffen. „Da ging nix mehr“. Auch in Düsseldorf, Bremen und Hannover kam es an den Gates zu Behinderungen, während am größten deutschen Flughafen in Frankfurt der Betrieb nahezu unverändert lief. Dort wurde nur ein kleiner Teil der Gates bestreikt.

Scharfe Kritik an Warnstreiks

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) reagierte empört auf den Warnstreik. Die drastischen Maßnahmen seien nicht nachvollziehbar, erklärte BDSW-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok. Er hielt Verdi ein Organisationsversagen vor, weil die Gewerkschaft fast zwei Jahre benötigt habe, um eine gemeinsame Tarifkommission auf die Beine zu stellen. Die Gewerkschaft solle in der nächsten Verhandlungsrunde am 27. Juli konstruktive Vorschläge machen, statt „unschuldige Passagiere“ zu schädigen. Der BDSW sei zu einem schnellen Abschluss bereit.

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber kritisierte die Aktion in Hamburg: „Das war sehr krass, was da heute passiert ist“, sagte er. „Das Terminal war schwarz vor Menschen.“ Allein 4000 Lufthansa-Passagiere seien am Morgen von dem Warnstreik betroffen gewesen, darunter auch viele Familien mit kleinen Kindern, die in den Urlaub fliegen wollten. Es habe allein bei der Lufthansa viele hundert Umbuchungen gegeben von Reisenden, die ihre Maschinen nicht mehr erreicht hätten. Etliche Maschinen starteten nach Webers Angaben mit nur wenigen Passagieren an Bord, um die Flugpläne und Umläufe nicht zu gefährden. Zudem seien rund 500 Koffer stehengeblieben.

Anlass für den Ausstand war die aktuelle Tarifrunde, bei der über einen neuen Manteltarifvertrag für die bundesweit 12 000 Luftsicherheitsassistenten verhandelt wird. „Der Ausdehnung befristeter Arbeitsverhältnisse und erzwungener Teilzeitarbeit muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden“, forderte Verdi- Verhandlungsführer Andreas Sander. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde unmöglich gemacht, obendrein könnten die Beschäftigten von ihren Vergütungen kaum leben. Mit der Beteiligung am Warnstreik sei man zufrieden. „Wir sehen den Zweck der Aktion erfüllt.“

dpa

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