Pilot über Lufthansa-Streik

"Es geht um die Sicherheit der Fluggäste"

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Lufthansa-Pilot Markus Wahl.

München - Drei Tage Lufthansa-Streik. Ist das gerechtfertigt? Die tz hat mit dem Piloten Markus Wahl (34) von der Vereinigung Cockpit gesprochen.

Das hat’s noch nie ­gegeben: Von morgen bis Freitag gibt’s einen dreitätigen Vollstreik der Lufthansa-Piloten – den größten ihrer Geschichte. Im Gegensatz zum Verdi-Streik vergangene Woche werden auch Langstreckenflüge ausfallen. Insgesamt sind 425.000 Fluggäste betroffen!

„Der Flugplan wurde komplett außer Kraft gesetzt“, sagt Bettina Rittberger von Lufthansa Süd zur tz. Auch München sei stark betroffen. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Aber: „Das ist eine Dimension, die wir so noch nie hatten.“

Deutschlandweit fallen an den drei Tagen 3800 Flüge aus. In dieser Zeit sollen nur rund 500 Flüge auf Kurz- und Mittel-Strecken verkehren, die Cityline und AirDolomiti übernehmen werden. Neben der Lufthansa sind auch Lufthansa Cargo und Germanwings betroffen.

Die Pilotenvereingung Cockpit kämpft für die gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten (siehe unten). Der Schaden des Streiks liegt in zweistelliger Millionenhöhe.

Lufthansa rät allen Passagieren, sich im Internet (www.lufthansa.com/de/de/Meine-Buchungen bzw. www.germanwings.com) oder über das Service-Center (Telefon 0800/ 8 50 60 70) über den Flugstatus zu informieren. Bei innerdeutschen Flügen dürfen Passagiere die Deutsche Bahn nutzen. Dafür müssen sie ihr Ticket im Internet oder an einem Check-in-Automaten der Lufthansa in eine Fahrkarte umwandeln. Bei allen anderen Flügen gilt: Wer sein Ticket online unter lufthansa.com gekauft hat, kann den Flug kostenfrei stornieren.

tz-Interview mit Lufthansa-Pilot Markus Wahl

Herr Wahl, das ist der härtetes Lufthansa-Streik der Geschichte. Muss das sein?

Markus Wahl: Tatsächlich haben wir noch nie drei Tage lang gestreikt. Aber der Angriff auf die Beschäftigten ist so heftig, dass das angemessen ist. Wir streiken ausdrücklich nicht mehr für mehr Lohn, da hat die Lufthansa ein Angebot vorgelegt, das verhandelbar ist. Uns geht es um die Übergangsversorgung für Piloten, die früher in Ruhestand gehen wollen. Diese wurde uns gestrichen.

Was hat die Übergangsrente gebracht?

Wahl: Sie hat uns eine Versorgung bis zum Eintritt in die gesetzliche Rente gesichert. Sie ist nötig, da viele Piloten aufgrund der körperlichen Belastung – zum Beispiel wegen der Nachtarbeit, Zeitverschiebung oder der unterschiedlichen Klimaverhältnisse – früher aufhören müssen.

Beschreiben Sie bitte mal, wie ein typischer langstreckenflug bei Ihnen aussieht …

Wahl: Wenn ich Montagfrüh nach New York fliege, dauert der Flug 9 Stunden. Dann habe ich 20 Stunden frei, in denen ich 8 Stunden schlafe und dann 12 Stunden wach bin. Genau dann, wenn der Körper wieder müde wird, muss ich aber 9 Stunden zurückfliegen. Es gibt medizinische Studien, die zeigen, dass eine durchwachte Nacht so wirkt, als hätte ich 0,8 Promille. Autofahren wäre da nicht erlaubt…

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Und langfristig altern Piloten deshalb schneller …

Wahl: Ja, ich merke zum Beispiel, dass ich vor fünf Jahren nach einem Langstreckenflug nur einen Tag Regeneration gebraucht, heute sind es zwei Tage. Jeder altert unterschiedlich. Und genau diese Freiheit, individuell in Rente zu gehen, müssen wir weiterhin haben. Die schlimmste Vorstellung wäre, wenn einer nicht mehr hundertprozentig fit ist und aus finanziellen Gründen weiter im Cockpit sitzen muss. Das kann auch die Sicherheit der Fluggäste gefährden.

Aber muss der Streik ausgerechnet in die Osterferien von Niedersachsen und Bremen fallen?

Wahl: Leider ließ uns die Lufthansa keine andere Wahl. Aber wir versichern, dass bis nach Ostern keine weiteren Streiks folgen werden.

Nina Bautz

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