Politische Unruhen und Japan-Krise trüben Konsumlaune

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Eine Frau geht mit ihrem Einkaufswagen durch den CAP-Markt im brandenburgischen Cottbus. Hohe Energiepreise, die Atomkatastrophe in Japan und die politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten haben die Stimmung der Verbraucher im April weiter getrübt.

Nürnberg - Hohe Energiepreise, die Atomkatastrophe in Japan und die politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten haben die Stimmung der Verbraucher im April weiter getrübt.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rechnet daher für Mai mit einem erneuten Rückgang des Konsumklimaindex von 5,9 auf 5,7 Punkte, wie die GfK am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Bereits im April war das Stimmungsbarometer um 0,1 Zähler gesunken.

“Die Ereignisse in Fukushima, aber auch in Libyen haben zuletzt offenbar für leichte Verunsicherung gesorgt“, schreibt GfK-Autor Rolf Bürkl. So ließen zwar der robuste Arbeitsmarkt und die vollen Auftragsbücher der Unternehmen nach wie vor auf gute Rahmenbedingungen im Inland schließen. Diese würden aber von den Unruhen in Libyen und Bahrain überschattet. “Die Unruhen werden zur Bedrohung für die deutsche Wirtschaft, wenn sie sich auch auf andere ölfördernde arabische Staaten ausweiten und es zu einer weiteren Erhöhung der Energiepreise kommt“, erklärt der Marktforscher.

Verbraucher erneut skeptischer als im Vormonat

Entsprechend schätzten die Verbraucher die weitere Konjunkturentwicklung in Deutschland und auch ihr persönliches Einkommen im April erneut skeptischer als im Vormonat ein. Lediglich die Kauflaune konnte ihr hohes Vormonatsniveau nahezu unverändert halten: Der Index der Anschaffungsneigung verlor angesichts des nach wie vor robusten Arbeitsmarktes nur 0,1 auf 34,2 Zähler.

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Stärkere Verluste weist laut GfK der Index der Konjunkturerwartung auf: Er büßte 2,2 auf 47,3 Zähler ein, liegt damit aber noch deutlich über dem Vorjahreswert von 22,5 Punkten. GfK-Experte Bürkl führt diese Entwicklung in erster Linie auf die politischen Unruhen in Nordafrika und den Nahen Osten zurück, aber auch auf die Atomkastastrophe in Japan. Gerade Deutschland als Exportnation sei in besonderer Weise auf ein ruhiges und sicheres weltwirtschaftliches Umfeld angewiesen, erklärt er.

Die pessimistischere Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung macht sich auch bei der Einkommenserwartung bemerkbar: Der entsprechende Index verlor im Vergleich zum März 5,5 auf 35,0 Punkte. Hier spiegelten sich vor allem die hohen Preise für Benzin und Heizöl wider, die einen Teil der Zuwächse bei den Löhnen und Gehältern aufzehrten, erklärt Bürkl.

“Die Risiken kommen aus dem Ausland“

Haupteinflussfaktor für die weitere Entwicklung der Verbraucherstimmung in Deutschland sind seiner Einschätzung zufolge die politischen Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika. Hiervon hänge ab, ob sich der Konsumklimaindex im Jahresverlauf weiter verschlechtere. “Die Risiken kommen derzeit vor allem aus dem Ausland“, betont der GfK-Experte. Im Inland seien die Voraussetzungen für eine gute Konsumkonjunktur unterdessen gegeben, so dass der private Verbrauch auch in den kommenden Monaten eine bedeutende Rolle spielen dürfte.

Das sieht auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle so. In einer Reaktion auf den GfK-Bericht erklärte der FDP-Politiker, der Aufschwung in Deutschland stehe auf einer soliden Grundlage. Der private Konsum werde in diesem Jahr eine entscheidende Stütze bleiben.

dapd

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