Der Preis der Regulierung: Werden Kredite teurer?

Frankfurt/Main - Bankenabgabe, “Basel III“, Bonitätsdruck - die Regulierungswelle kommt Banken teuer zu stehen. Für Unternehmen und Verbraucher könnte dies höhere Kreditzinsen bedeuten.

Geld in Europa ist günstig wie nie - Zeit für Kredite XXL? Aus Verbrauchersicht mag die Gleichung aufgehen. Zur Finanzierung von Haus oder Auto locken aktuell rekordverdächtige Angebote. Allerdings könnten Firmen- wie Privatkunden schon bald mehr für geliehenes Geld zahlen müssen - eine Folge der Regulierungswelle und der Preis für ein stabileres Finanzsystem.

“Kredite werden teurer - sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher“, sagt der Münchner Ökonom Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der TU München. Allein die Tatsache, dass Banken ab 2013 deutlich dickere Eigenkapitalpuffer vorhalten müssen (“Basel III“), dürfte nach seinen Hochrechnungen Kredite um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte verteuern.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Rechne man dazu, dass Banken in Deutschland auch noch in einen Krisenfonds einzahlen müssen, könnten sich insgesamt zusätzliche Kreditkosten für Unternehmen von bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr ergeben - gemessen an einem Volumen inländischer Unternehmenskredite von rund einer halben Billion Euro.

Eine Commerzbank-Umfrage unter 4000 Mittelständlern in Deutschland bestärkt diese Sicht: 80 Prozent der Unternehmer glauben demnach, dass durch “Basel III“ der Zugang zu Krediten erschwert wird, 77 Prozent sind überzeugt, dass Kreditkonditionen schlechter werden.

Viele Familienunternehmen spüren bereits: “Die Anforderungen an die Bonität von Kreditnehmern und an die Transparenz von unternehmerischen Geschäftsprozessen sowie an bereitgestellte Sicherheiten sind in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen.“ So zu lesen in einer im Mai veröffentlichten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (Bonn) im Auftrag von BDI und Deutscher Bank.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer sind seit langem diskutierte Instrumente im Kampf gegen die Euro-Finanzkrise. © ap
Eurobonds sind gemeinsam ausgegebene Anleihen aller Eurostaaten. Bisher zahlen die einzelnen Länder für ihre Staatsanleihen unterschiedliche Risikoaufschläge, also Zinsen für ihre Kredite - je nach dem, für wie zahlungsfähig die Investoren den jeweiligen Staat beurteilen. Mit gemeinsam ausgegebenen Papieren entstünde in der Eurozone ein einheitlicher Zinssatz für alle Euroländer. © dpa
Befürworter von Eurobonds argumentieren, mit Gemeinschaftsanleihen steige die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes. Derzeit können sich Länder wie Spanien und Italien nur noch gegen kritisch hohe Zinsaufschläge Geld zur Finanzierung ihres Haushalts beschaffen. Deutschland hingegen nimmt momentan extrem günstig neue Kredite auf, weil es als sehr zahlungsfähig gilt. © dpa
Mit Eurobonds müsste jedoch auch die Bundesrepublik den Investoren eine deutlich höhere Rendite zahlen. Das würde den Bundeshaushalt stärker belasten. Zudem argumentieren Kritiker der Bonds, dass mit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Druck zu Sparmaßnahmen und Reformen in den Krisenländern Südeuropas sinken würde. © dpa
Die Finanztransaktionssteuer soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission für sämtliche Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Derivate in allen 27 EU-Staaten gelten. Befürworter wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zudem könnte die Abgabe den sensiblen Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen weniger attraktiv machen. © dpa
Kritiker wie Großbritannien und Schweden fürchten, dass die Steuer Banken und Investoren vertreibt und damit der Wirtschaft in Europa schadet. Eine solche Besteuerung sei wettbewerbsschädigend, solange internationale Finanzplätze nicht mitmachen. © dpa

Oft können Mittelständler aus einer mit eigenen Mitteln gut gefüllten Kasse zehren. Nach Daten der KfW erhöhten sich die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten im deutschen Mittelstand von 22,5 Prozent im Jahr 2005 auf 26,6 Prozent im Jahr 2010. Für das vergangenen Jahr meldeten immerhin fast 43 Prozent der Unternehmen in aktuellen Umfragen eine weitere Steigerung ihrer Eigenkapitalquote.

Zweitwichtigste Säule der Finanzierung bleibt jedoch trotz höherer Hürden der Bankkredit. Für fast die Hälfte (45,3 Prozent) der in der Bonner Studie befragten 408 Unternehmen sind Bankkredite von hoher bis sehr hoher Bedeutung. Im ersten Quartal 2012 blieb der Bestand der Bankkredite an Unternehmen und Selbstständige nach Bundesbankzahlen mit rund 870 Milliarden Euro sowohl zum Vorquartal als auch zum ersten Vierteljahr 2011 weitgehend unverändert.

“Dafür, dass das Bankensystem stabiler wird, müssen wir einen Preis zahlen. Und das heißt unter anderem: Höhere Kreditkosten. Das ist aber verkraftbar“, meint Kaserer. “Was natürlich niemand vorhersehen kann ist: Wie stark werden Banken die höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben?“

Was ist die Finanztransaktionssteuer?

Seit Jahren wird auf EU-Ebene über eine Steuer auf Finanztransaktionen diskutiert. Im September 2011 hat die EU-Kommission einen Vorschlag gemacht, der in der EU aber umstritten ist. Großbritannien will nicht, um seinen Finanzplatz London zu schützen, und auch Schweden sagt Nein. Die Eckpunkte des Kommissionsvorschlags: © dpa
Geltungsbereich: Die Steuer soll einheitlich in der gesamten EU gelten, um die Gefahr der Verlagerung von Transaktionen zu reduzieren. Die EU will Mindeststeuersätze festlegen, die von den nationalen Regierungen jedoch überschritten werden dürfen. © dpa
Steuersätze: Der Mindeststeuersatz soll 0,1 Prozent für den Handel mit Anleihen und Anteilen betragen. Für den Handel mit spekulativen Derivateprodukten sind 0,01 Prozent vorgesehen. © dpa
Produkte: Grundsätzlich sollen alle Finanztransaktionen erfasst werden - also der Handel mit Wertpapieren, Anleihen, Derivaten und strukturierten Finanzprodukten. Die Emissionsmärkte (Primärmärkte) von Anleihen und Währungen sollen jedoch nicht besteuert werden, um die Kapitalbeschaffung von Regierungen und Unternehmen nicht zu erschweren. © dpa
Verbraucher: Finanztransaktionen von Privatleuten sind nur dann betroffen, wenn es um Börsengeschäfte geht. Ihre Versicherungen, Hypotheken und Kredite fallen nicht unter die neue Steuer. © dpa
Ansässigkeit: Innerhalb der EU soll die Steuer dort erhoben werden, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Wird das Geschäft in Nicht-EU-Ländern ohne Transaktionssteuer abgewickelt, fällt die Steuer in dem EU-Land an, in dem das handelnde Unternehmen seinen Sitz hat. Dies würde die Gefahr von Standortverlagerungen verringern. © dpa
Zahlung: Für die Zahlung der Steuer sollen grundsätzlich die Banken und Finanzunternehmen verantwortlich sein. © dpa
Einnahmen: Die Steuer, wie sie die EU-Kommission vorschlägt, würde jährlich etwa 57 Milliarden Euro bringen. Brüssel plädiert dafür, dass ein Teil in den EU-Haushalt fließt. Entsprechend könnten die Beiträge der Länder an die EU sinken. Viele Staaten lehnen dies aber ab. © dpa

Die Antwort des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) darauf fällt vage aus: “Regulierung ist definitiv ein Kostenfaktor. Es lässt sich aber schwer sagen, wie sich das auf die Kreditkosten auswirken wird, das ist eine Frage des Wettbewerbs.“ In einem Papier zur Lage der Unternehmensfinanzierung (Stand 30. Mai 2012) wird der BdB etwas deutlicher: “Insbesondere in der Kreditfinanzierung von Unternehmen und Kommunen führt die neue Situation zu Einschränkungen und auf Dauer zu deutlich steigenden Anforderungen für die Kunden.“

Das extrem billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) - mit Leitzinsen von aktuell 0,75 Prozent - entschärft die Situation zumindest vorübergehend. “Kurzfristig stoppt die EZB die Kreditverteuerung“, erklärt der Ökonom Kaserer. “Aber irgendwann werden die Zinsen wieder steigen.“ Spätestens dann dürften Unternehmen und Verbraucher wieder mehr für Kredite zahlen müssen.

Dann bleibt Firmenchefs und Privatkunden noch die - durchaus berechtigte - Hoffnung, dass der scharfe Wettbewerb auf dem engen deutschen Bankenmarkt weiterhin für attraktive Angebote sorgen wird. “Die Banken in Deutschland werden alles tun, damit die Unternehmensfinanzierung aufrechterhalten wird“, versicherte kürzlich der neue Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Er verwies dabei auch auf das Gerangel um Kunden: Es sehe so aus, als würden “alle jetzt den deutschen Mittelstand als ihr Kerngeschäft entdecken“.

dpa

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