Privatbanken

Eine Branche unter Druck

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Einladung in die Welt der Geldanlage auf hohem Niveau: Privatbanken sprechen vermögende Anleger an und bieten ihnen Orientierung. Darauf sind sie in Zeiten niedriger Zinsen und schwankender Aktienkurse angewiesen.

Bayerns Privatbanken geht es gut: Solides Eigenkapital, eine prosperierende Wirtschaft und so günstige Kredite wie noch nie beflügeln die Geschäfte. Doch die Zukunft sieht nicht so rosig aus.

Ausufernde regolatorische Vorschriften, anhaltend niedrige Zinsen und hohe Investitionen in Regulierung und neue Technologien setzen die Branche unter Druck.

Auf den ersten Blick herrscht Sonnenschein über dem Bankenplatz Bayern: „Die Stimmung ist gut“, bestätigt Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes. Längst hat sich München auf den zweiten Platz unter den Finanzplätzen in Deutschland geschoben und glänzt mit eindrucksvollen Zahlen. „Rund ein Fünftel der Wertschöpfung des deutschen Finanzsektors wird heuer in Bayern erarbeitet“, unterstreicht sie die starke Stellung der Kreditinstitute.

Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbands.

Die Schatten der Finanzkrise scheinen überwunden zu sein. Viele Institute sind gut aufgestellt mit einer Eigenkapitalquote von zwölf bis 15 Prozent, gleichzeitig sind Kredite günstig wie nie. „Allerdings könnte die Nachfrage von Unternehmerseite nach Krediten durchaus höher sein“, konstatiert Silke Wolf. Bayern ist auch als Sitz ausländischer Banken gefragter denn je, inzwischen haben auch mehrere chinesische Banken an der Isar eine Niederlassung eröffnet. Dennoch warnt die oberste Bankenvertreterin des Landes vor Sorglosigkeit: „Die Bankbranche steht vor riesigen Herausforderungen: Regulierung, hohe Anforderungen der Aufsichtsbehörden, die weiter anhaltende Niedrigzinsphase und der Trend zu Digitalisierung setzen viele Finanzinstitute unter Druck!“ Mit dieser Meinung ist Silke Wolf nicht alleine. Auf dem 2. Finanzforum „Privatbanken“ von Münchner Merkur tz sprachen die Spitzenrepräsentanten führender Privatbankhäuser Tacheles: Zu viel Bürokratie und zu viele Regeln schaden Banken und Anlegern, kritisierten sie (siehe dazu auch Berichte auf den nächsten Seiten). „Es gibt eine Gefahr der Überregulierung“, betont die Bankenverband-Geschäftsführerin. Die Fülle an Vorschriften und Prüfmechanismen droht damit zur Bremse für die Finanzwirtschaft zu werden. Silke Wolf macht das am Beispiel HypoVereinsbank/UniCredit deutlich: Dort seien rund 1000 Mitarbeiter allein mit der Analyse und Umsetzung von Regulierungsvorschriften beschäftigt. Herausfordernd sei die Situation auch für die vielen mittelständischen Privatbanken in Bayern – und das ist die Mehrheit der rund 80 Institute im Freistaat. „Die Institute müssen massiv in ihre IT und Personal investieren, um alle Forderungen erfüllen zu können. Dabei haben Privatbanken einen Nachteil: Es gibt keine einheitlichen IT-Plattformen in Deutschland“, erläutert sie.

Hinzu kommt, dass es auch im Vergleich zu vielen europäischen Ländern Benachteiligungen gibt. Ein Beispiel dafür sei die Bankenabgabe, so Wolf: „Bankenabgaben können derzeit in den EU-Mitgliedstaaten Belgien, Irland, Polen, Portugal, Schweden, Spanien und Frankreich steuerlich geltend gemacht werden. In Deutschland ist dies nicht möglich. Die Bankenabgabe belastet damit das Ergebnis der Banken. Stabile deutsche Banken mit besten Ratings sind aber wichtig für die Kunden.“

Die Forderung des Bankenverbandes liegt auf der Hand: „Die Regulierung muss durchforstet werden. Es fehlt vor allem eine Analyse, welche Wechselwirkungen die vielen Vorschriften haben und wie sich diese auf die Finanzwirtschaft auswirken.“

Privatbanken in Bayern

80 Privatbanken
28 000 Beschäftigte
Ausbildungsquote 6,2 Prozent
53 Prozent aller Unternehmens- kredite werden über Privatbanken finanziert, bei den Privatkunden sind es 46 Prozent


Auch viele Kunden fühlen sich von der zunehmende Bürokratisierung genervt. Die Eröffnung eines Wertpapierdepots erfordert locker mal einen Aufwand von zwei Stunden, und die Beratungsprotokolle für Bankgeschäfte sind bei vielen vermögenden Anlegern so unbeliebt, dass viele gleich in die Vermögensverwaltung wechseln und damit dem Berater ihres Vertrauens die Details der Wertpapier-Auswahl überlassen. „Die provisionsgestützte Beratung wird immer schwieriger“, ergänzt Silke Wolf. Es könnte aber noch schlimmer kommen, wie Beispiele aus den Niederlanden und Großbritannien zeigen. Dort wurde die Provisionsberatung verboten, Anleger werden nur noch auf Honorarbasis beraten. „Die Folge ist, dass vor allem Kleinanleger keine Beratung mehr erhalten. Und auch hierzulande ist es nur schwer vermittelbar, dass ein Kunde für eine Beratung ein Honorar bezahlten soll, selbst wenn er kein Anlagegeschäft tätigt“, zeigt die Bankenverband-Repräsentantin auf.

Persönlicher Kontakt hat eine Zukunft

Gleichzeitig drängen neue Unternehmen mit digitalen Finanzdienstleistungen auf den Markt. Die so genannten Fintechs müssen zwar noch beweisen, dass ihr Angebot dauerhaft funktioniert. Aber: „Viele dieser Geschäftsmodelle sind so konstruiert, das sie bislang außerhalb der Bankenregulierung laufen.“ Nach Ansicht der Bankenvereinigung führt auch dies dazu, dass die Banken immer stärker in Digitalisierung investieren müssen. Doch wo Apps, Online-Banking und Datentransfers dominieren, da ist der persönliche Kontakt oft nicht mehr notwendig. „Die Schließung von Filialen ist die logische Folge dieser Entwicklung“, erklärt Silke Wolf. Das persönliche, vertrauensvolle Gespräch zwischen Kunde und Bankberater wird dennoch nicht verschwinden. „Bei wichtigen Entscheidungen wie zum Beispiel einer Immobilienfinanzierung, bei komplexen Produkten wie Altersvorsorge und Lebensversicherung und bei größerem Anlagebedarf ist der persönliche Kontakt nach wie vor essentiell – 40 Prozent der Deutschen halten diesen individuellen Kontakt zu ihrer Bank für sehr wichtig.“

von José Macias

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