Preise für Haushalte steigen

Privatkunden zahlen die Zeche beim Strom

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München - Es ist wie verhext! Der Strompreis scheint nur eine Richtung zu kennen: steil bergauf! Die Überraschung: Im Börsenhandel sind die Preise im vergangenen Jahr um bis zu 20 Prozent gesunken!

Der Privatkunde merkt davon freilich nichts – auch für dieses Jahr haben etliche Anbieter eine Erhöhung angekündigt. Doch das Gesetz vom stetig steigenden Strompreis gilt offenbar nur für Privatkunden. Eine Studie der Grünen-Bundestagsfraktion belegt jetzt: Der durchschnittliche Strompreis für Unternehmen mit Sonderverträgen hat sich in den vergangenen fünf Jahren um gerade mal ein Prozent erhöht.

Ein Prozent, davon können die meisten Privathaushalte nur träumen. Sie zahlen die Zeche, in Form einer durchschnittlichen Strompreis-Erhöhung von immerhin rund 35 Prozent!

Der Grund: Die Versorger geben offenbar die gesunkenen Strompreise an der Leipziger Strombörse an ihre gewerblichen Großkunden weiter. Auch hier schauen die Privatverbraucher in die Röhre! Im Gegenteil, sie werden sogar zustäzlich durch Abgaben, wie etwa die umstrittene EEG-Umlage, belastet. Von der können sich Unternehmen unter gewissen Voraussetzungen befreien lassen. „Die Merkel-Regierung hat aus dem EEG eine Subventionsmaschine für bestimmte Unternehmen und Branchen, etwa Hähnchenschlachter oder Futtermittelhersteller, gemacht“, schimpft Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin.

Nach Berechnungen des Instituts für Zukunftsenergiesysteme kommen diese Unterstützungen den Privatkunden teuer zu stehen. Die Experten rechnen vor, dass Privatkunden sowie kleine und mittelständische Unternehmen mittlerweile rund sieben Milliarden Euro über ihre Stromrechnung allein zur Finanzierung dieser Ausnahmeregelungen zahlen. 1700 Unternehmen sind inzwischen von der EEG-Umlage befreit – dreimal so viele Betriebe wie noch 2009!

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Die Experten haben durchgerechnet, was die Einsparung dieser Subvention den Verbrauchern bringen könnte: Die Strompreise könnten um über ein Cent pro Kilowattstunde sinken – eine Ersparnis von gut 50 Euro im Jahr für eine vierköpfige Familie.

Die wichtigsten Tipps zum Wechsel

Preise vergleichen: Im Internet finden Stromkunden eine große Anzahl von Portalen, die die Preise vergleichen. Dort müssen Verbraucher lediglich ihre Postleitzahl und ihren Jahres-Stromverbrauch angeben, schon spuckt der Rechner die Tarife der Anbieter aus.

Sonderkonditionen beachten: Die meisten Portale rechnen einmalige Wechselboni in den Jahrespreis ein. Das verfälscht das Ergebnis, schließlich gibt es den Bonus im nächsten Jahr nicht wieder. Lassen Sie sich den Bonus also nicht mit anzeigen.

Keine Vorauskasse: Tarife mit Vorauskasse sind ebenfalls oft günstig. Lassen Sie lieber die Finger davon. Kunden geben dem Anbieter so einen kostenlosen Kredit. Bei einer Pleite ist das Geld weg – 750 000 von der Teldafax-Pleite betroffene Kunden können ein Lied davon singen.

Kündigung leicht gemacht: Um die Kündigung müssen Sie sich nicht selbst kümmern, das macht der neue Anbieter. Teilen Sie ihm aber unbedingt den nächstmöglichen Kündigungstermin mit. Angst, ohne Stromversorgung dazustehen, braucht aber niemand zu haben. Bei zu früher Kündigung droht aber der teure Grundversorgungstarif.

Öko und lokal: Nicht immer muss ausschließlich der Preis entscheiden: Viele Öko-Strom-Anbieter sind nur unwesentlich teurer, Kunden können aber ihren Beitrag zur sauberen Energie leisten. Und auch die Investition in die heimischen Stadtwerke kann für Kunden ein Argument sein, einen leicht höheren Preis hinzunehmen.

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