Ist das Geld nun weg?

Prokon-Insolvenz: Das Leid der Anleger

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Windkraft-Finanzierer Prokon ist zahlungs­unfähig.

München - Unter der Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon leiden auch die Anleger. Gegenüber der tz fragt ein Opfer: "Ist jetzt das ganze Geld all der kleinen Anleger wirklich weg?"

Nach der Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon will die Bundesregierung den „grauen Kapitalmarkt“ schärfer regulieren und die Finanzaufsicht Bafin mit mehr Befugnissen ausstatten. Ziel ist es, Kleinanleger vor riskanten Finanzprodukten besser zu schützen. Für die Kleinanleger die jetzt schon auf Prokon reingefallen sind, kommt diese Initiative zu spät.

Ein Opfer ist tz-Leser Günter B. (58) aus München. Er klagt: „Wir haben vor circa fünf Jahren Prokon insgesamt 60 000 Euro geliehen. Das Geld war zur Altersvorsorge gedacht.“ Seine Frage: „Ist jetzt das ganze Geld all der kleinen Anleger wirklich weg?“

Sascha Straub, Experte für Geldanlagen und Bankenrecht der Verbraucherzentrale Bayern, kann unserem Leser nur wenig Hoffnung machen. Er kritisiert in diesem Zusammenhang die mangelnde Regulierung dieses grauen Kapitalmarkts: „Die staatliche Aufsicht schaut hier einfach nicht hin!“

Ohnhin gelte: „Eine solche unternehmerische Beteiligung eignet sich in keinster Weise als Altersvorsorge!“, so Straub. „Genussrechte sind eine Mischung zwischen Aktie und Anleihe, ein sehr riskantes Produkte, etwas für Menschen, die Nervenkitzel wollen“, warnt Straub. „Wenn im Prospekt etwas von einem Risiko des Totalverlusts steht, müssen die Alarmglocken schrillen!“

Seine Tipps für die Altersvorsorge: „Schauen Sie, wie die Fachwelt eine Anlage beurteilt.“ Finanztest hatte schon länger vor Prokon gewarnt. Und niemals alles auf ein Pferd setzen: „60 000 Euro in eine solche Anlageform zu investieren ist völlig daneben.“ Geldanlagen zur Altersvorsorge sollten immer breit gestreut sein. Und immer: Finger weg von Lockangeboten! Wer meint 7 Prozent Rendite zu erzielen, müsse sich klar machen, dass er ein hohes Risiko eingeht. „Man muss sich immer die Differenz zu den Minizinsen bei einem Sparvertrag vor Augen halten.“

S. Sasse

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