Prozess: Gribkowsky nicht verhandlungsfähig

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Gerhard Gribkowsky ist gesundheitlich angeschlagen.

München - Ex-Bankvorstand Gribkowsky braucht eine Pause vom Prozess um Millionenzahlungen in der Formel 1: Wegen gesundheitlicher Probleme wird das Verfahren unterbrochen.

Der Prozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wegen dubioser Millionenzahlungen in der Formel 1 ist nach Anhörung eines Psychiaters unterbrochen worden. Das Landgericht München setzte die Verhandlung bis Ende Februar aus. Gribkowsky sei derzeit nicht verhandlungsfähig, sagte sein Anwalt Daniel Amelung am Freitag.

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Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte der psychiatrische Gutachter Cornelis Stadtland dem Gericht über die Verfassung Gribkowskys berichtet. Der Bankmanager sitzt seit mehr als einem Jahr in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Weil er Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zu Unrecht 66 Millionen Dollar überwiesen und dafür heimlich 44 Millionen Dollar Schmiergeld kassiert haben soll, steht er seit Oktober wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor Gericht.

Alle vier geplanten Verhandlungstermine in den beiden kommenden Wochen wurden abgesagt. Am 27. Februar soll Psychiater Stadtland erneut berichten, ob Gribkowsky verhandlungsfähig ist. Danach entscheidet das Gericht, ob der Prozess fortgesetzt wird.

Letzte Worte aus der Todeszelle

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Da der promovierte Jurist zu den Hintergründen der Millionenzahlung schweigt, muss das Gericht Dutzende Zeugen verhören. Zweimal wurde der Prozess bereits verlängert. Freitag war bereits der 29. Verhandlungstag, weitere Termine bis April sind geplant.

Seine Anwälte hatten bereits vor Wochen die Aussetzung des Prozesses gefordert und sich bei den Richtern über das rasche Tempo des Verfahrens mit zwei bis drei Verhandlungstagen pro Woche beklagt. Das bringe den 53-jährigen Angeklagten an seine körperlichen und psychischen Grenzen, weil er an diesen Tagen ohne Frischluft von früh bis spät in den Kellergewölben des Gerichtsgebäudes ausharren und sich sein Trinkwasser aus dem Waschbecken im Klo abzapfen müsse. “Das ist eine Zumutung“, sagte Anwalt Rainer Brüssow.

Auch die Ernährung lasse an den Verhandlungstagen zu wünschen übrig, weil Gribkowsky frühmorgens mit dem Gefangenentransport in Stadelheim abgeholt werde. Die Anwälte haben Gribkowsky meist Brötchen oder Brezen ins Gericht mitgebracht, die er dann während des Prozesses aß. Nach Angaben der JVA wird das Frühstück an die Gefangenen aber bereits mit dem Abendessen am Vorabend ausgeteilt, morgens gebe es nur noch Kaffee. “Hungern braucht bei uns keiner“, sagte der Justizvollzugsbeamte Hermann Wals der Nachrichtenagentur dpa.

dpa

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