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Putins Töchter: Der Ukraine-Krieg, ihr geheimes Luxus-Leben und die wundersamen Karrieren ihrer Männer

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Von: Lisa Mayerhofer

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Putins Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa. Gegen sie wurden im April Sanktionen verhängt (Archivbilder)
Putins Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa. Gegen sie wurden im April Sanktionen verhängt (Archivbilder) © Ekaterina Chesnokova/Imago

Der russische Präsident Wladimir Putin schirmt seine Töchter sorgsam vor der Öffentlichkeit ab. Doch mit dem Ukraine-Krieg werden jetzt immer neue Details bekannt.

Moskau – Zwei Akademikerinnen, die mehrere europäische Sprachen sprechen und als Kinder ein paar Jahre lang in Dresden gelebt haben. Viel mehr ist über die beiden Töchter von Russlands Staatschef Wladimir Putin offiziell nicht bekannt, denn der Kreml-Chef schirmt sein Privatleben fast vollständig vor der Öffentlichkeit ab. Doch im April sind Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa weltweit in den Blickpunkt gerückt, weil die EU sie wegen Putins Ukraine-Krieg auf ihre Sanktionsliste gesetzt hat.

Sanktionen gegen Putins Töchter: Was ist über ihr Leben bekannt?

Kurz vorher hatte schon das Weiße Haus Strafmaßnahmen gegen die beiden Schwestern verkündet. Schließlich verstecke Putin sein Vermögen „bei seinen Familienmitgliedern“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Washington. Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Tichonowa eine Tech-Managerin, die die russische Rüstungsindustrie unterstütze. Die ältere Schwester Woronzowa leite ein Gen-Forschungsprogramm, das vom russischen Staat finanziert und „von Putin persönlich beaufsichtigt“ werde.

Doch was für ein Leben führen Putins Töchter? Aus der offiziellen Putin-Biografie auf der Kreml-Website ist zu erfahren, dass seine Tochter Maria 1985 zur Welt kam, kurz bevor die Familie nach Dresden zog, wo Putin als KGB-Agent arbeitete. Kurz nach dem Umzug in die DDR kam laut dem offiziellen Putin-Lebenslauf 1986 seine zweite Tochter Katerina in Dresden zur Welt. Die Mutter der beiden Schwestern ist Ludmila Putina, von der sich der Staatschef 2013 scheiden ließ.

Das einzige Foto, das der Kreml von den Putin-Töchtern veröffentlicht hat, zeigt sie als kleine Mädchen mit zu Zöpfen gebundenen blonden Haaren. Den wenigen öffentlichen Äußerungen, die Putin im Laufe der Jahrzehnte über seine Töchter machte, ist zu entnehmen, dass sie eine höhere Bildung in Russland genossen haben, mehrere europäische Sprachen sprechen und weiterhin in Russland leben.

Vor ein paar Jahren erzählte Putin bei einer Pressekonferenz über seine Töchter, er sei „stolz auf sie“. „Sie studieren und arbeiten weiterhin“, sagte er und fügte hinzu, dass seine Töchter „in keinerlei geschäftliche Angelegenheiten verwickelt“ und auch „in der Politik“ nicht aktiv seien. Dabei haben beide sehr wohl enge Verbindungen zum russischen Staat und den Machenschaften ihres Vaters.

Maria Woronzowa und ihr Mann profitieren von ihrem Vater Putin

Maria Woronzowa, erstgeborene Tochter von Wladimir Putin, 2021 auf einer Medizin-Konferenz in Sotschi. (Archivfoto)
Maria Woronzowa, erstgeborene Tochter von Wladimir Putin, 2021 auf einer Medizin-Konferenz in Sotschi. (Archivfoto) © Dmitry Feoktistov/Imago Images

Die älteste Tochter Woronzowa ist eine Endokrinologin - also Spezialistin für Störungen in der Hormonproduktion und ihrer Wirkungsweise. Berichten unabhängiger russischer Journalisten zufolge soll sie über ihren Vater die Firma Nomeko – ein über 600 Millionen Dollar teures staatliches Medizinzentrum – zugeschanzt bekommen haben. Auch ihr Partner, der niederländische Geschäftsmann Jorrit Faassen machte auf dem Putin-Ticket eine rasante Karriere, wie das Handelsblatt berichtet: Danach erhielt Faassen erst einen Job bei der Gazprom-Bank, wurde dann Vizepräsident der Bautochter Strojtransgas und landete schließlich bei RG-Development, einer Firma der engen Putin-Freunde Boris und Arkadi Rotenberg, die auch „Könige der Staatsaufträge“ genannt werden.

Öffentliches Aufsehen in Russland erregte Faassen laut Handelsblatt durch einen Verkehrs-Zusammenstoß mit einem russischen Bankier. Dabei schlugen die Leibwächter des Bankiers wohl auf Faassen ein, was ein Nachspiel hatte: Der Banker wurde zu achteinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. Seit Kriegsausbruch berichteten mehrere Medien wie die britische Boulevardzeitung Daily Mail, dass sich Woronzowa und Faassen getrennt hätten. Das Paar hat wohl Kinder und bis 2014 auch einige Jahre in den Niederlanden gelebt.

Putins Tochter Katerina Tichonowa - von der Tänzerin zur großen Unternehmerin

Noch umtriebiger scheint Woronzowas jüngere Schwester Katerina Tichonowa zu sein. Sie hat laut Handelsblatt bereits 2012 eine Medizinfirma namens Innopraktika gegründet, in deren Aufsichtsrat bekannte Putin-Freunde sitzen. Sie soll dabei Zugriff auf Staatsprojekte in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar haben. Innopraktika ist wohl unter anderem in die Milliarden-Exporte des umstrittenen Corona-Impfstoffs „Sputnik V“ involviert, so die Zeitung, die sich auf unabhängige russische Journalisten beruft.

Darüber hinaus leitet Tichonowa eine wissenschaftlich-technologische Stiftung, die Verbindungen zur größten staatlichen Universität des Landes unterhält. Es soll sich um ein Institut für Künstliche Intelligenz an der staatlichen Moskauer Universität handeln, das laut den USA die russische Verteidigungsindustrie unterstützt.

Aufsehen erregte Tichonowa in früheren Jahren, weil sie als professionelle akrobatische Rock‘n‘Roll-Tänzerin an einigen internationalen Wettbewerben teilnahm. Auf Videos von den Turnieren ist Tichonowa in glitzernden Kostümen zu sehen. Von ihrem Partner lässt sie sich in die Luft katapultieren und nach spektakulären Drehungen wieder auffangen.

Putins Tochter Katerina Tichonowa als Rock‘n‘Roll-Tänzerin 2014 bei einem Wettbewerb in Krakau. (Archivbild)
Putins Tochter Katerina Tichonowa als Rock‘n‘Roll-Tänzerin 2014 bei einem Wettbewerb in Krakau. (Archivbild) © Eastnews/Imago

Von 2013 bis 2018 war sie außerdem mit dem Oligarchen Kirill Schamalow verheiratet, Sohn eines engen Freundes ihres Vaters. Schamalow wurde nach seiner Heirat mit Tichonowa in weniger als 18 Monaten zum zweitgrößten Großaktionär des größten russischen Petrochemie-Konzers Sibur und damit zum jüngsten Milliardär in Russland. Auch nach der Scheidung fiel Schamalow offenbar bei Putin nicht in Ungnade – er wurde schon kurz nach dem Kriegsausbruch vom Westen auf die Sanktionsliste gesetzt. Mit Material der AFP

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