Reisebranche nach Krisenjahr wieder im Aufwärtstrend

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Urlaub am Strand von Rio de Janeiro: Für die Reisebranche scheint die Wirtschaftskrise vorbei.

Berlin - Für die Reisebranche scheint die Wirtschaftskrise vorbei. In den vergangenen drei Monaten hatten die Buchungen für die Sommermonate spürbar angezogen.

Das sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, am Dienstag in Berlin. Die Branche sei für 2010 “vorsichtig optimistisch“, allerdings nicht euphorisch. Am (morgigen) Mittwoch öffnet die ITB als weltweit führende Reisemesse für fünf Tage ihre Pforten unter dem Funkturm. Laut Laepple zeichnet sich in diesem Jahr ein Aufwärtstrend ab. 2009 war der Umsatz um drei Prozent auf 20,8 Milliarden Euro gesunken. Damit habe die Reisebranche aber noch besser abgeschnitten als andere Wirtschaftszweige.

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“Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Laepple. Von der geringeren Auslastung der Hotels und den niedrigeren Ölpreisen profitierten die Urlauber über gesunkene Preise. Und so ging 2009 in Deutschland die Nachfrage nach Urlaub nur geringfügig um zwei Prozent auf 38,2 Millionen Gäste zurück. Der Geschäftsreisemarkt brach dagegen um rund ein Viertel ein, legt aber inzwischen wieder leicht zu. Nach einer Umfrage des Nürnberger Marktforschers GfK sind die Buchungen in Deutschland in den vergangenen zwei Monaten kontinuierlich gestiegen und haben Ende Januar mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent das Vorjahresniveau erreicht. Weiterhin zurückhaltend bei ihrer Urlaubsplanung sind die Familien: Ihre Vorausbuchungen für den Sommer liegen mit minus 2,0 Prozent noch deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Dagegen legte die Zahl der Buchungen von bis zu zwei Personen um 2,3 Prozent zu.

Griechenland als Urlaubsland weiter attraktiv

Auch im vergangenen Jahr zog es die Bundesbürger wieder in die klassischen Urlaubsländer rund ums Mittelmeer, vor allem nach Spanien. Doch das beliebteste Reiseziel der Deutschen blieb Deutschland. 40 Prozent der rund 76 Millionen Reisenden blieben im Lande. Laepple appellierte an die Hoteliers, mehr zu investieren, nachdem der Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden sei. Auch dürfe es in Deutschland keine weiteren Nachtflugverbote geben, denn die Konkurrenz im Ausland schlafe nicht. “Wir leben in Deutschland nicht auf einer Insel“, sagte er. Die aktuelle Finanzkrise in Griechenland wird nach Einschätzung des Verbandspräsidenten die Urlauber kaum betreffen: “Ich gehe davon aus, es wird praktisch keine Auswirkungen haben.“ Allenfalls Einzelreisende müssten mit Preiserhöhungen rechnen. Ein ständig wachsendes Segment sind die Kreuzfahrten. Zwölf neue Schiffe seien jüngst in Dienst gestellt, keines aus der Flotte rausgenommen worden. “Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen“, sagte Laepple. Es gebe aber in Deutschland noch deutlichen Nachholbedarf.

Sexy Samba - Karneval in Rio

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Partnerland der 44. Ausgabe der ITB ist die Türkei. Der türkische Tourismusminister Ertugrul Günay sagte, auch sein Land sei 2009 von der Wirtschaftskrise geprägt gewesen. Es seien mit 27 Millionen Urlaubern vier Prozent weniger Gäste als im Vorjahr gekommen. An der Tourismusbörse nehmen in diesem Jahr 11.127 Aussteller aus 187 Ländern teil (Vorjahr: 11.098). Als ein neues Segment präsentiert die ITB “Mobile Travel Services“ mit dem Schwerpunkt Internet. Ein wachsendes Segment sind günstige Übernachtungsangebote. Nach den Senioren (“Best Ager“) hat die Messe jetzt Reisen für Homosexuelle (“Gay und Lesbian Travel“) als Wachstumsmarkt entdeckt. Die ITB ist bis zum Wochenende nur für Fachbesucher geöffnet, Samstag und Sonntag dann auch für Privatbesucher. Erwartet werden insgesamt 170.000 Besucher. Im vergangenen Jahr wurden in den fünf Messetagen Verträge mit einem Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro abgeschlossen.

apn

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