Einkommen reicht nicht

Rekord: Immer mehr Deutsche haben zwei Jobs

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Einen Minijob als Reinigungskraft oder andere Zweitjobs haben immer mehr Deutsche.

Berlin - Weil vielen das Einkommen aus ihrer regulären Arbeit nicht ausreicht, gehen so viele Beschäftigte wie noch nie in Deutschland inzwischen auch noch einem zweiten Job nach.

Die Zahl der Beschäftigten mit einem Zweitjob ist im vergangenen Jahr in Deutschland auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Nach den jüngsten Daten vom Dezember verdienten sich rund 2,66 Millionen Menschen neben ihrer Hauptbeschäftigung etwas hinzu, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag bestätigte.

Damit verdoppelte sich der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Zweitjob innerhalb von nicht einmal zehn Jahren auf zuletzt 9,1 Prozent. Über die Entwicklung hatte zuerst die Chemnitzer „Freie Presse“ berichtet.

Eine sprunghafte Zunahme habe es in den vergangenen Jahren aber nicht gegeben, schilderte eine BA-Sprecherin. „Das ist zwar immer mal wieder mit saisonalen Schwankungen, aber im Grunde doch langsam und kontinuierlich angestiegen.“ Der höchste Stand wurde bisher zum Ende des dritten Quartals 2012 erreicht; nach vorläufigen Schätzungen ging die Zahl der Zweitjobber im Frühjahr 2013 wieder leicht zurück.

"Doch es sind nicht nur Menschen im Niedriglohnbereich"

„Man sieht auf alle Fälle einen eindeutigen Trend, dass dieses Phänomen sich ausweitet“, resümierte Frank Wießner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ins Auge fällt auch der hohe Anteil der Frauen: Während zum Jahresende 1,13 Millionen Männer eine Zweitbeschäftigung ausübten, waren es 1,53 Millionen Frauen.

Harte Fakten über die Zweitjobber und ihre Motive gibt es nur wenige; eine entsprechende Studie am IAB soll im Spätherbst fertig werden. „Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass da eine soziale Frage dahintersteckt und eine prekäre Situation zugrunde liegt“, sagte Wießner. „Doch es sind nicht nur Menschen im Niedriglohnbereich.“

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Daten bei der BA angefordert hatte, sieht laut „Freier Presse“ in der deutlichen Zunahme einen Beleg dafür, dass „für immer mehr Beschäftigte das Einkommen aus einem Job nicht mehr ausreicht“. Der überwiegende Teil der Zweitjobber mache dies „aus purer finanzieller Not und nicht freiwillig“.

"Hohe Zahl der Zweitjobber ist dramatische Folge des riesigen Niedriglohnsektors"

Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums hingegen betonte, neben finanziellen Engpässen und der größeren Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sei auch „gestiegene Konsumlust“ ein denkbares Motiv für die Annahme eines Nebenjobs.

Annelie Buntenbach vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes warf der Regierung daraufhin mangelnden Bezug zur Wirklichkeit vor. „Die hohe Zahl der Zweitjobber ist eine dramatische Folge und gleichzeitig Treibsatz des riesigen Niedriglohnsektors in Deutschland.“

"Wir brauchen mehr versicherungspflichtige Arbeit"

Nach Angaben der IG Metall, die vor kurzem eine repräsentative Umfrage zu dem Thema in Auftrag gegeben hatte, kommen 39 Prozent der betroffenen Beschäftigten nur mit ihrem Nebenjob finanziell über die Runden. Dieser Wert sei innerhalb eines Jahres um 16 Punkte angestiegen, hieß es am Montag. 34 Prozent der über 35-Jährigen gaben an, sich mit der Nebentätigkeit etwas zusätzlich leisten zu wollen, 11 Prozent müssten Schulden zurückzahlen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wies darauf hin, dass in der Gastronomie Minijobs die Vollzeitbeschäftigung bereits verdrängten. Jeder zweite Arbeitsplatz sei ein 450-Euro-Job. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion forderte: „Wir brauchen nicht immer mehr Kleinstjobs, sondern mehr versicherungspflichtige Arbeit, von der die Beschäftigten leben können.“

dpa

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