Chaos um Aktienkäufe

Rekord-Strafe für Pannen bei Facebooks Börsengang

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Der Börsengang von Facebook lief alles andere als rund.

Washington - Der pannenreiche Facebook-Börsengang hat ein Nachspiel: Die US-Börsenaufsicht SEC brummte dem verantwortlichen Börsenbetreiber Nasdaq eine Rekordstrafe auf.

10 Millionen Dollar Strafe muss der Börsenbetreiber Nasdaq berappen. Es ist nach Angaben der Behörde die höchste Summe, die jemals ein Börsenbetreiber zahlen musste.

Die Nasdaq-Systeme seien der Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen nicht gewachsen gewesen, erklärte die SEC am Mittwoch in Washington. Dabei sei bereits im Vorfeld klar gewesen, dass Facebook einen der größten Börsengänge der Geschichte durchführen würde. Die Aufsichtsbehörde warf den Nasdaq-Managern zudem vor, nach dem Ausfall der Systeme falsch gehandelt zu haben.

Die Pannen hatten wie ein Fluch auf der Facebook-Aktie gelastet, die zwischenzeitlich mehr als die Hälfte ihres Wertes einbüßte. Aktuell kostet das Papier knapp 24 Dollar und ist damit immer noch weit vom einstigen Verkaufspreis von 38 Dollar entfernt.

Facebook war am 18. Mai vergangenen Jahres an die Börse gegangen. Für viele Anleger blieb an dem Morgen jedoch unklar, ob sie die Aktie nun besaßen oder nicht. Mehr als 30 000 Aufträge hätten für zwei Stunden im Nasdaq-System festgehangen, schrieb die SEC. Ohne die genaue Ursache des Problems zu kennen, habe sich die Nasdaq entschieden, den Handel voranzutreiben, monierte die Aufsicht.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Nasdaq-Chef Robert Greifeld musste wegen der Pannen auf einen Teil von seinem Jahresbonus verzichten. Betroffene Anleger sollten von dem Börsenbetreiber mit 62 Millionen Dollar entschädigt werden. Nach Ansicht von Marktbeobachtern deckt das aber nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Verluste aus dem Chaos am ersten Handelstag.

dpa

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