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Rente: Aktien-Pläne der Ampel - Erste Experten mit erheblichen Zweifeln

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Von: Patricia Huber

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Zwei Frauen gehen mit ihren Gehhilfen eine Straße entlang.
Die Ampel-Koalition möchte die Rente reformieren. © Stefan Sauer/picture alliance/dpa

Die Ampelkoalition will das Rentensystem reformieren – und mehr auf Kapitalanlagen setzen. Was SPD, FDP und Grüne planen, was sie sich davon versprechen.

Berlin - Die Ampel will die Rente* reformieren – aber gar nicht so viel verändern. Wie soll das funktionieren? Das Mindestrentenniveau von 48 Prozent soll gesichert werden. Aber der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen. Und auch Rentenkürzungen oder die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters* möchten SPD*, Grüne* und FDP* nicht.

Rente: Ampel-Koalition möchte in Kapitaldeckung einsteigen

Stattdessen wollen die Parteien „in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Vorerst soll die Deutsche Rentenversicherung (DRV) einen Kapitalstock von 10 Milliarden Euro in Fonds anlegen, die von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle verwaltet werden.

„Wir werden der Deutschen Rentenversicherung auch ermöglichen, ihre Reserven am Kapitalmarkt reguliert anzulegen“, heißt es weiter. Das klingt fast so, als hätte sich die neue Koalition hier vom schwedischen Rentenmodell inspirieren lassen. Doch es gibt gravierende Unterschiede. Denn in Schweden investieren die Bürger direkt einen Anteil ihres Rentenbeitrags in einen von ihnen gewählten Fonds. Bei dem Kapitalstock, den die DRV erhält, handelt es sich jedoch nicht um Geld aus den Rentenbeiträgen, sondern um Steuergelder.

Zudem dient die Investition der Rentenversicherung nicht dem einzelnen Beitragszahler, sondern dem „Kollektiv der Beitragszahler“. Der Staat kann aber nicht einfach so auf diese Gelder zurückgreifen, da sie „dauerhaft eigentumsgeschützt“ sein müssen, um die Rente „generationengerecht abzusichern“. Inwiefern dieser Plan aufgehen wird, wird auch von Experten bezweifelt*.

Rente: Vorsitzender der DRV sieht Ampel-Pläne kritisch

Auch Alexander Gunkel, Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, sieht die Pläne der neuen Regierung kritisch. Die 10 Milliarden Euro würden nach Gunkels Worten noch nicht einmal ausreichen, um den Beitragssatz über ein Jahrzehnt hinweg auch nur um ein Zehntel Prozentpunkt zu reduzieren. Nicht einmal die Hälfte der Rentenausgaben eines Monats ließen sich damit finanzieren*.

„Keinesfalls dürfen für den weiteren Aufbau des Kapitalstocks Beitragsmittel verwendet werden, denn dies wäre entweder mit einer zusätzlichen Belastung der Beitragszahler verbunden oder ginge zulasten der Rentnerinnen und Rentner“, so Gunkel. Beides solle ja aber gerade durch den Kapitalstock vermieden werden. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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