Renten & Pensionen: Der große Vergleich

München - Einen Vergleich zwischen Renten und Pensionen hat jetzt das baden-württembergische Finanzministerium vorgelegt: die neuen Zahlen.

Müssen Beamte beziehungsweise Pensionäre auch Altersarmut fürchten?

Nein. Probleme wie Mini-Jobs oder häufige Stellenwechsel verbunden mit Arbeitslosigkeit kennen sie in der Regel nicht. Außerdem gibt es für Beamte, die nach nur wenigen Jahren der Beschäftigung wegen Krankheit vorzeitig dienstunfähig werden, eine Mindestversorgung von 1433 Euro im Monat (Bundesbeamte).

Was erschwert den Vergleich von Durchschnitts-Renten und -Pensionen?

Bei Vergleichen der durchschnittlichen Altersbezüge wird meist nicht ausgewiesen, dass die Bezieher einer gesetzlichen Rente häufig auch noch eine Betriebsrente oder Geld aus der Zusatzversorgung für Angestellte des öffentlichen Dienstes bekommen. Nach den Privatisierungen von staatlichen Dienstleistungen wie Post und Bahn haben die Beamten heute außerdem in der Regel im Schnitt ein höheres Qualifikationsniveau als Beschäftigte in der Wirtschaft – etwa zwei Drittel der Beamten haben mindestens den Fachhochschulabschluss. Dagegen drücken bei der gesetzlichen Rente Mini-Jobber und Langzeitarbeitslose das Durchschnittsniveau. Außerdem werden Pensionen in der Regel voll besteuert, Renten bisher nur zum Teil.

Wie stark werden Renten schon jetzt besteuert?

Wer im Jahr 2010 in Rente ging, muss 60 Prozent seiner Altersbezüge versteuern. Allerdings gelten Freibeträge, sodass der Großteil der Rentner noch keine Steuern zahlen muss. Erst bei Renten­beginn ab 2040 wird die Rente voll besteuert. Betriebsrenten hingegen werden schon heute voll besteuert und es werden die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen.

Was ergibt sich beim Vergleich gleichwertig qualifizierter Arbeitnehmer?

Nach Berechnung des baden-württembergischen Finanzministeriums gibt es dann kaum Unterschiede im Durchschnitts­niveau von Rentnern und Pensionären (siehe Tabellen).

Wo hakt der baden-württembergische Renten-Pensionsvergleich?

Daran, dass bei den Vergleichszahlen von einer Betriebsrente ausgegangen wird. In der Realität geht die Versorgung mit Betriebsrenten in den letzten Jahren wegen des Sparkurses vieler Firmen deutlich zurück. Und Arbeitnehmer, die in kleinen Firmen angestellt waren, haben oft gar keine oder nur Mini-Betriebsrenten zu erwarten. Gerade Menschen, die ohnehin schon geringe Renten bekommen, schauen bei dieser von der Politik gern gerühmten „zweiten Säule der Alterssicherung“ in die Röhre: Ein Drittel der Arbeitnehmer, die mehr als 23 Euro Stundenlohn haben, erhalten Betriebsrente. Bei Stundenlöhnen unter 10 Euro sind es nur 6 Prozent.

Wie wird eine Pension berechnet?

Der Höchst-Pensionssatz liegt je nach Bund, Land oder Kommune aktuell zwischen 72,2 und 72,6 Prozent der Bruttobezüge des letzten Beschäftigungsjahres eines Beamten – sofern er 40 Dienstjahre erreicht hat. Akademiker erreichen wegen der langen Ausbildung selten diese Werte. Teilzeitbeschäftigung wird entsprechend verrechnet. Ein Lehrer, der seine Unterrichts-Pflichtstundenzahl halbiert, bekommt für zwei Jahre Beschäftigung ein Dienstjahr gutgeschrieben. Die Rente berechnet sich dagegen nach dem gesamten Lebenseinkommen.

Der Vergleich

Meister in der freien Wirtschaft
(geb. 1. 1. 1945, Berufseintritt 1. 1. 1962 – 31. 12. 2009, Altersrente und Betriebsrente ab 1. 1. 2010, durchgängig ledig, keine Kirchensteuer
Gesetzliche Rente brutto 1955,26 Euro
Gesetzliche Rente nach Abzug Kranken- und Pflegeversicherung 1757,77 Euro
Betriebsrente brutto 403,93 Euro
Betriebsrente nach Abzug Kranken- und Pflegeversicherung 334,86 Euro
Bruttoalterssicherung 2359,19 Euro
Alterssicherung nach Abzug Kranken- und Pflegeversicherung 2092,63
Monatliche Steuerbelastung 81,33 Euro
Nettoalterssicherung 2011,30 Euro
Quelle: Baden-Württembergisches Finanzministerium
Beamter als Eichbeamter (Meister)
geb. 1. 1. 1945, Berufseintritt 1. 1. 1962 – 32. 12. 2009, Ruhegehalt aus A9 + Z ab 1.1. 2010, durchgängig ledig, keine Kirchensteuer
Ruhegehalt brutto 2300,04 Euro
Monatliche Steuerbelastung 289,42 Euro
Beihilfekonforme private Kranken- und Pflegeversicherung 180, 00 Euro
Nettoalterssicherung (Pensionär) 1830,62 Euro
Differenz zugunsten der freien
Wirtschaft brutto 59,15 Euro
Differenz zugunsten der freien
Wirtschaft netto 180,68 Euro
Grundgehalt 2873,33 Euro, allgemeine Stellenzulage 71,61 Euro, Amtszulage 254,54 Euro, Meisterzulage 39,95 Euro

Rubriklistenbild: © dpa

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