Private Rentenversicherungen unter der Lupe

Die richtige Vorsorgefür Ihr Alter

München - Im kommenden Jahr wird so einiges anders bei der privaten Altersvorsorge. Markanteste Änderung: Der Garantiezins sinkt von 1,75 auf nur noch 1,25 Prozent. Es kann sich also lohnen, noch in diesem Jahr einen Vertrag abzuschließen. Wir haben Tipps für Sie!

Im kommenden Jahr wird so einiges anders bei der privaten Altersvorsorge. Markanteste Änderung: Der Garantiezins sinkt von 1,75 auf nur noch 1,25 Prozent. Es kann sich also lohnen, noch in diesem Jahr einen Vertrag abzuschließen, um noch den höheren Garantiezins festschreiben zu lassen.

 Doch die Vielfalt der Angebote ist riesig – nicht jeder Vertrag passt. Ob Angestellter, Beamter oder Selbstständiger, sie alle brauchen individuell auf sie zugeschnittene Produkte. Die Stiftung Warentest hat im neuen Finanztest-Heft unterschiedliche Angebote unter die Lupe genommen. Die tz erklärt, worauf Sie achten müssen:

Die Zahl der Angebote ist unüberschaubar. Womit soll ich meine Suche beginnen? Zunächst einmal müssen Sie Ihre persönlichen Finanzen genau unter die Lupe nehmen. Dabei kann es hilfreich sein, ein Haushaltsbuch zu führen. Wer seine Ausgaben und Einnahmen kennt, kann dabei nicht nur Sparpotential erkennen, er erfährt auch etwas darüber, wie groß seine Rentenlücke im Alter wohl sein wird. Durch die gesetzliche Renteninformation erfahren Sie, wie hoch Ihre Altersrente in etwa sein wird. Die Stiftung Warentest bietet im Internet unter www.test.de/rentenluecke einen Rechner an, der Ihnen dabei hilft die eigene Rentenlücke zu errechnen.

Rentenversicherungen laufen lange. Was, wenn ich irgendwann nicht mehr zahlen kann? Bei Rentenversicherungen sind Laufzeiten von über 30 Jahren keine Seltenheit. Einen solch langen Zeitraum kann niemand vorher überblicken – und in die Altersvorsorge sollten Versicherte nur das Geld stecken, dass sie aktuell entbehren können. Einen Fehler sollten Kunden allerdings nicht machen: Voreilig kündigen – besonders bei staatliche geförderten Verträgen. Wer etwa aus finanziellen Gründen seinen Riester-Vertrag nicht mehr bedienen kann, sollte ihn beitragsfrei stellen. Wird der Vertrag vorzeitig gekündigt, muss der Versicherte die gesamte bisher erhaltene Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen zurückzahlen. Werden hingegen die Sparraten ausgesetzt, bleibt das bisher angesparte Vermögen erhalten.

Sind die Zinsen derzeit nicht viel zu niedrig, um für das Alter zu sparen? Die Niedrigzins­politik der Zentralbanken schlägt den Sparern auf’s Gemüt. Trotzdem: Das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt immer weiter. Das ist politisch gewollt, die Menschen sollen verstärkt privat vorsorgen. Wer also im Alter noch das nötige Kleingeld im Portemonnaie haben will, muss zusätzlich etwas zur Seite legen. Außerdem sollten sich Kunden nicht vom negativen Garantie­zins abschrecken lassen. Auf dem Papier bekommen sie zwar eine niedrigere garantierte Rente – wie hoch das Altersgeld aber tatsächlich ausfällt, hängt von viel mehr Faktoren ab, etwa davon, wie gut die Versicherung wirtschaftet und wie viel sie vom Ertrag an ihre Kunden weitergibt.

Riester-Renten stehen immer wieder in der Kritik. Lohnen sie sich trotzdem? Ja. Der Grund sind die staatlichen Zulagen und Steuervorteile beim eingezahlten Betrag. Die Riester-Versicherung gibt es in den verschiedensten Varianten, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Der Riester-Banksparplan etwa bietet zwar nicht so hohe Zinsen, dafür ist er kostengünstig und flexibel. Bei der klassischen Rentenversicherung locken dagegen eine lebenslange Rente mit garantierter Mindesthöhe. Dafür sind alledings die Abschlusskosten höher. Beim Riester-Fondssparplan können Sie für die Altersvorsorge die Chance einer Investition an der Börse nutzen. Das Risiko, dass die Aktien auch mal sinken können, müssen die Versicherten dann aber auch tragen.

Was ist mit der Rürup-Rente? Sie ist vor allem für Freiberufler und Selbstständige interessant. Sie sichern sich Steuervorteile auf den eingezahlten Betrag – allerdings sollten die Sparer schon sehr gut verdienen. Eine Alternative für Selbstständige und Freiberufler sind freiwillige Beiträge in die geseztliche Rentenversicherung. Der Mindestbeitrag liegt bei monatliche 85,05 Euro, das Maximum bei 1124,55 Euro im Monat. Besonders mittlere Verdiener sollten diese Variante durchrechnen.

Was ist bei einer privaten Rentenversicherung zu beachten? Stiftung Warentest hat sie getestet (siehe Tabelle). Ein Vorteil ist die garantierte Mindestrente – die höchste und die niedrigste im Test unterscheiden sich um 25 Euro pro Monat. Das hört sich nicht nach viel an – doch bei einer 20-jährigen Auszahlung kommt ein Unterschied von immerhin 6000 Euro zusammen. Wichtig: Kunden brauchen einen langen Atem. Halten sie den Vertrag nicht durch, fällt die Rente niedriger aus als erwartet. Transparente Anbieter erklären ihren Kunden, wie viel ihnen bleibt, wenn sie die Beitragszahlung unterbrechen müssen. Eine weitere Falle beim Vertragsabschluss sind die hohen Kosten. Die Versicherer verschleiern gerne, wie hoch ihre Abschlussprovisionen sind. Das dürfen sie auch weiterhin, nachdem die Pflicht zur Offenlegung der Vermittler-Provision kurz vor Verabschiedung wieder aus dem Lebensversicherungsreformgesetz gestrichen wurde.

 Private Rentenversicherungen

Modellkunde: Geboren am 20. September 1977, Laufzeit 30 Jahre bis er 67 Jahre alt ist, Beitrag: 1200 Euro pro Jahr

Versicherer Tarif Finanztest-Urteil Garantierte  Rente
Europa E-R1 Gut (1,7) 166 Euro
Interrisk (D) SLR1 Gut (1,8) 164 Euro
Huk24 RAGT24 Gut (2,0) 162 Euro
Bayerische 13767/0 Gut (2,3) 149 Euro
Huk-Coburg RAGT Gut (2,4) 156 Euro
HanseMerkur R 5146S Gut (2,5) 157 Euro
Debeka A6 (01/13) Befriedigend (2,6) 152 Euro
Continentale R1 Befriedigend (2,7) 155 Euro
Hannoversche R$ Befriedigend (2,7) 155 Euro
Stuttgarter Tarif 30 Befriedigend (2,7) 152 Euro
WGV L1 Befriedigend (2,7) 156 Euro
Allianz R2 Befriedigend (2,8) 148 Euro
Alte Leipziger RV10 Befriedigend (2,8) 146 Euro
HanseMerkur R 2013M Befriedigend (2,9) 150 Euro
VHV VR4 Befriedigend (2,9) 146 Euro
Condor C28 Compact Befriedigend (3,1) 149 Euro
Interrisk (d) ALR1 Befriedigend (3,1) 147 Euro
Volkswohl Bund SR Befriedigend (3,3) 147 Euro
Concordia RA3) Befriedigend (3,4) 150 Euro
CosmosDirekt R1 Befriedigend (3,4) 160 Euro
DEVK Eisenbahn LR1 Befriedigend (3,4) 148 Euro
Neue Leben R1 Befriedigend (3,4) 148 Euro
R + V L Befriedigend (3,4) 147 Euro
Oeco Capital rent 233) Befriedigend (3,5) 149 Euro
Axa AG1 Ausreichend (3,6) 143 Euro
Axa DBV AG1 Ausreichend (3,6) 143 Euro
Gothaer RQ112AM1 Ausreichend (3,6) 152 Euro
SDK T 10 Ausreichend (3,6) 145 Euro
Ergo DANV REN313001Z Ausreichend (3,7) 147 Euro
LVM R1BG3) Ausreichend (3,8) 147 Euro
Provinzial NordWest ZR Ausreichend (3,9) 144 Euro
DEVK NR1 Ausreichend (4,0) 144 Euro
Ergo REN3130001Z Ausreichend (4,2) 141 Euro
Rheinland RA13 Ausreichend (4,3) 143 Euro
Generali FR 13 Ausreichend (4,4) 142 Euro

3: Daten wurden verdeckt erhoben und vom Anbieter nicht vollständig bestätigt.

Quelle: Finanztest 10/2014

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa

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