Rentenlücke ermitteln

Richtig vorsorgen: So geht es Ihnen auch im Alter gut

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Wer später gut leben will, sollte sich schon jetzt um eine Altersvorsorge kümmern.

München - Die Rentner der Zukunft kommen nicht um eine private Altersvorsorge herum. Doch Sparwillige stehen vor einem Wust unterschiedlichster Produkte. Unsere Fallbeispiele helfen.

Die niedrigen Zinsen sind nicht nur für renditehungrige Geldanleger ein Ärgernis – sie erschweren auch die Bemühungen zur privaten Altersvorsorge. Dabei kommen künftige Rentnergenerationen gar nicht mehr um die eigene Vorsorge herum. Das Problem: Heute stehen Sparwillige vor einem Wust unterschiedlichster Produkte, mal staatlich gefördert, mal riskant, mal unflexibel.

Die tz erklärt Ihnen in dieser Folge der Geldspar- Serie, wie Sie den Weg zur richtigen Altersvorsorge finden können. Dabei müssen Sie sich zunächst über die eigene finanzielle Situation im Klaren sein. Wenn dann klar ist, wie viel Geld Ihnen eigentlich noch für die Altersvorsorge bleibt – und wie viel Geld sie im Alter überhaupt brauchen werden können Sie sich um die verschiedenen Sparformen kümmern.

Richtig vorsorgen fürs Alter: Fallbeispiel "Die Familie mit Kindern"

Wie hoch Ihre Rente ausfallen könnte: Das sehen Sie auf der Renteninformation. (Zum Vergrößern hier klicken)

Das Angebot ist beinahe unüberschaubar, und jeder Fall schreit nach individuellen Lösungen. Wer seine Altersvorsorge vom Kopf auf die Füße stellen will, sollte sich daher dringend persönlich beraten lassen: Die Verbraucherzentralen bieten eine Beratung zur Altersvorsorge an, in der der Berater haarklein bestehende Verträge prüft und Alternativen aufzeigt. Die Beratung kostet 90 Euro – gut angelegtes Geld, da Sie sich in der Altersvorsorge auf Jahrzehnte binden!

Wo stehe ich finanziell überhaupt? 

Bevor Sie in die Planung Ihrer Altersvorsorge einsteigen können, müssen Sie sich erst mal darüber im Klaren sein, wo sie derzeit finanziell stehen. Denn wer sich über eine Altersvorsorge Gedanken machen will, muss finanziell mit der Gegenwart im Reinen sein. Keine Schulden und Geld für dringende Anschaffungen auf der hohen Kante – das ist die Bedingung. Darüber hinaus sollten Sie das Leben bis zur Rente abgesichert haben.

Eine Privathaftpflichtversicherung ist Pflicht, Berufstätige sollten zunächst eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Eine Risikolebensversicherung sollte bei einer Familie mit kleinen Kindern denjenigen, der den Großteil des Einkommens zum Familieneinkommen beiträgt, absichern.

Die Renteninformation

Wer über 27 Jahre alt ist und mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hat, bekommt jährlich eine Renteninformation von der Rentenversicherung. Die Renteninformation ist die Grundlage dafür, die spätere Rentenlücke zu berechnen. Die Rentenversicherung informiert Sie darüber, wann Sie ohne Abschläge in Rente gehen können (in unserem Beispiel 1. Juli 2026).

Außerdem können Sie erkennen, welche Rentenanwartschaft Sie mit den bisher eingezahlten Beiträgen erworben haben (in unserem Beispiel 565,23 Euro). Besonders interessant: Die Rentenversicherung rechnet auch hoch, wie viel Rente Sie bekommen würden, wenn Sie in den kommenden Jahren bis zum Renteneintritt weiter so viel einzahlen würden wie im Schnitt der letzten fünf Jahre (in unserem Beispiel 992,67 Euro).

Richtig vorsorgen fürs Alter: Fallbeispiel "Der Single"

Da jedes Jahr neu entschieden wird, ob und wie stark die Rente ansteigt, erstellt die Rentenversicherung auch noch zwei Prognosen: Für eine jährliche Erhöhung um ein Prozent (in unserem Beispiel 1150 Euro) und für eine jährliche Anpassung von zwei Prozent (in unserem Beispiel 1330 Euro). Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, schließlich mussten die Rentner in der Vergangenheit immer wieder Minierhöhungen und sogar Nullrunden hinnehmen.

Die Rentenlücke

Um Ihre künftige Rentenlücke zu berechnen, müssen Sie Ihren monatlichen Finanzbedarf im Alter schätzen. Experten empfehlen als groben Maßstab, dass sie im Alter etwa 85 Prozent des aktuellen Monatsnetto in der Tasche haben sollten. Sie können den Wert dann mit der hochgerechneten Rente und anderen Einkünften, etwa aus Vermietungen, vergleichen und Ihre persönliche Rentenlücke erkennen.

Privat vorsorgen

Wenn Sie Ihren Finanzbedarf im Alter kennen, können Sie sich für eine private Vorsorge entscheiden. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern rät: „Der Sparbetrag sollte in verschiedene Vorsorgeprodukte investiert, also möglichst breit gestreut werden.“

Richtig vorsorgen fürs Alter: Fallbeispiel "Das Rentnerpaar"

Kapitallebensversicherung

Sie ist der Klassiker der Altersvorsorge. Früher galt: Wer eine Lebensversicherung zusätzlich zur Altersrente abgeschlossen hatte, brauchte sich keine Sorgen zu machen. Doch für Neukunden ist ein Abschluss eines solchen Vertrages nicht mehr zu empfehlen: Die Garantiezins liegt für neue Verträge nur noch bei 1,75 Prozent – wenn es nach den Versicherern ginge, geht es weiter bergab.

Für die Altersvorsorge taugen solche Verträge nicht mehr. Anders ist das bei älteren Verträgen. Wer seinen Vertrag vor 2005 abgeschlossen hat, kann sich über steuerliche Vorteile freuen. Und wer zum Beispiel im Jahr 1999 einen Vertrag abgeschlossen hat, profitiert von dem hohen Garantiezins von vier Prozent. Die gibt’s heute nicht mehr! Ende 2013 gab es für ablaufende Lebensversicherungen noch bis zu sechs Prozent Zinsen. Bei älteren Verträgen heißt es also: Durchhalten!

Riester-Rente

Die Riester-Rente ist in den letzten Jahren ins Gerede gekommen – die Kritik an intransparenten Produkten und horrenden Abschlussgebühren haben viele Menschen verunsichert. Trotzdem bietet Riester entscheidende Vorteile: Der Staat unterstützt Riester-Sparer mit Zulagen und Steuervorteilen. Die Zulagen lohnen sich besonders für Familien mit Kindern.

Durch die Förderung können Sie mit diesen Verträgen eine höhere Rendite erzielen als mit nicht geförderten Vorsorgeprodukten. Um einen Riester- Vertrag abschließen zu können, muss der Sparer oder dessen Ehepartner in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein. Es gibt unterschiedliche Kategorien: Banksparpläne, Fondssparpläne, Rentenversicherungen und den Wohn-Riester.

Richtig vorsorgen fürs Alter: Fallbeispiel "Die Doppelverdiener"

Welche Riester-Variante die richtige ist, hängt vom Einzelfall ab. Verbraucherschützer sehen allerdings die fondsgebundenen Policen besonders kritisch. Der Grund: Die Abschlusskosten sind meist hoch, das Gleiche gilt für die Verwaltungskosten. Die Bedingungen solcher Verträge sind zudem häufig intransparent – und flexibel ist solch ein Vertrag schon gar nicht.

„Wir raten definitiv zum Riester-Banksparplan – in Abgrenzung zu den Versicherungsvarianten“, sagt Versicherungsexperte Straub. Der Banksparplan bietet zwar nicht so hohe Zinsen. Dafür ist er kostengünstig und flexibel. Denn: Die Kosten zu Beginn sind recht gering. Der Nachteil: In der aktuellen Niedrigzinsphase ist die Verzinsung wenig attraktiv. Wer jetzt einen Vertrag abschließt, sollte darauf achten, dass die Zinsen variabel sind und rasch der Marktentwicklung folgen.

Betriebsrente

Erste Wahl, wenn ein Arbeitnehmer langfristig im Betrieb bleiben kann – in Zeiten unsicherer Arbeitsverhältnisse nicht immer selbstverständlich. Deshalb sollten Sparer darauf achten, dass das Produkt „portabel“ ist, sie es also auch zu einem neuen Arbeitgeber mitnehmen können. Dabei sind Direktversicherungen im Vorteil, auch hier sollten Interessenten die Kosten vergleichen.

Investmentfonds

Die Niedrigzinsphase hält an, wer eine ordentliche Rendite erwirtschaften will, muss also auch in Zukunft ein gewisses Risiko eingehen. Wenn also nach der staatlich geförderten Rente noch Geld übrig ist, können Anleger in einen Investmentfonds investieren. Verbraucherschützer raten immer wieder zu Indexfonds. Die Vorteile: Sie sind kostengünstig und bilden 1:1 den Leitindex, zum Beispiel den Dax ab.

Selbst sparen

Mit nicht geförderten Sparplänen ist die Rendite zwar niedriger, dafür können Sie später freier entscheiden, was Sie mit dem Geld anstellen – auch schon vor Rentenbeginn.

Marc Kniekamp

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