Schock bei Siemens: Milliardenverlust

München - Der Elektrokonzern Siemens macht sich nach einem Milliardenverlust im vierten Geschäftsquartal auf weitere Einbußen durch die Wirtschaftskrise gefasst.

Im Zuge der Krise bekommt Siemens deutlich weniger Aufträge und erwartet für das kommende Jahr ein weit niedrigeres Ergebnis als 2009. Ein Milliardenverlust beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) riss dem Konzern zudem ein Loch in die Bilanz und bescherte ihm im vierten Quartal sogar rote Zahlen. In seinem Kerngeschäft kam Siemens aber besser als erwartet durch die Wirtschaftskrise. Der operative Gewinn in den drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit stieg 2009 um 13 Prozent auf 7,47 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte.

Im neuen Geschäftsjahr erwartet der Konzern hier aber nur noch ein Ergebnis zwischen 6 und 6,5 Milliarden Euro. “Insgesamt bleibt das Marktumfeld 2010 herausfordernd“, erklärte Vorstandschef Peter Löscher. Unterm Strich verdiente das Unternehmen 2009 rund 2,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 5,9 Milliarden Euro. Dieser hohe Gewinn beinhaltete aber Sondereinnahmen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Autozulieferers VDO an Continental. Umgekehrt erwies sich für Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr der Netztechnik-Hersteller NSN als Milliardengrab. Siemens musste seinen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen um 1,6 Milliarden Euro abwerten. Im vierten Quartal machte der Konzern deshalb sogar ein Minus von 1,06 Milliarden Euro.

Löscher widerspricht Spekulationen über Stellenabbau

Weil sich Siemens im operativen Geschäft aber auch dank eines umfangreichen Sparprogramms gut behaupten konnte, zeigte sich Vorstandschef Löscher dennoch zufrieden. “In schwierigstem Umfeld hat Siemens im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern 2009 sehr gut abgeschnitten“, erklärte er. Den Umsatz konnte das Unternehmen mit 76,7 Milliarden Euro nahezu stabil halten, der Auftragseingang brach jedoch um 16 Prozent auf rund 79 Milliarden Euro ein.

Besonders der Industriesektor litt unter Rückgängen im Maschinenbau und der Automobilindustrie. Allein im vierten Quartal ging im Industriesektor der Umsatz um 13 Prozent zurück. Der Auftragseingang schrumpfte im selben Zeitraum um 20 Prozent. Dagegen trieben Energie und Gesundheit das Ergebnis der Sektoren im vierten Quartal nach oben. Ein Auftragsbestand von gut 81 Milliarden Euro werde im kommenden Jahr als Puffer wirken, sagte Löscher. Daraus würden 2010 Aufträge im Umfang von 37 Milliarden Euro umsatzwirksam.

Siemens rechnet 2010 mit einem organischen Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. “Wir stehen am Fuße eines hohen Berges, und der Aufstieg steht uns noch bevor“, sagte Löscher. Derzeit seien bei Siemens 11.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Zugleich trat Löscher Befürchtungen von Gewerkschaftern entgegen, Siemens könne 2010 rund 10.000 Stellen abbauen. “Diese 10.000 gibt es nicht und es gibt auch keine Programme in diese Richtung“, sagte er. Man werde aber die einzelnen Geschäftsbereiche genau im Auge behalten und “im Einzelfall Anpassungsmaßnahmen vornehmen“.

IT-Geschäft soll ausgegliedert werden

Löscher erklärte weiter: “Um die Geschäfte nachhaltig zu sichern, die von der Krise besonders betroffen sind, führen wir notwendige Maßnahmen konsequent fort.“ So soll das IT-Geschäft Siemens IT Solutions and Services (SIS) mit weltweit rund 35.000 Mitarbeitern zum 1. Juli 2010 als selbständiges Unternehmen ausgegliedert werden. Der Preis- und Wettbewerbsdruck dort sei sehr hoch, sagte Löscher. Durch einen langfristigen Service-Vertrag bleibe aber eine Verbindung zum Konzern. Finanzchef Joe Kaeser erklärte, es sei auch ein Börsengang für SIS vorstellbar.

AP

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