Schwarzgeld: Razzia bei früherer MAN-Tochter Ferrostaal

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Im Fokus der Ermittler: Der Nutzfahrzeughersteller MAN.

München - Im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre bei MAN hat die Polizei Niederlassungen der ehemaligen Tochter-Firma Ferrostaal durchsucht. Drei Haftbefehle wurden vollzogen.

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Nach der Schmiergeld-Affäre im Nutzfahrzeuggeschäft von MAN ist auch die ehemalige Tochter Ferrostaal ins Visier der Ermittler geraten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München bestätigte am Mittwoch Razzien, darunter in zwei Niederlassungen von Ferrostaal. Betroffen gewesen seien aber verschiedene Firmen unter anderem in Essen, Geisenheim, Hamburg und Cuxhaven sowie die Privatwohnungen von Beschuldigten. “In diesem Zusammenhang sind drei Haftbefehle vollzogen worden.“

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass in Zusammenhang mit Verträgen über den Bau von Hochseeschleppern illegale Zahlungen geflossen sind. Nähere Angaben machte der Sprecher auf Anfrage nicht, da die Aktionen am Abend noch andauerten. An den Razzien beteiligt waren auch neun Staatsanwälte sowie Polizeibeamte aus München.

Ein Sprecher von Ferrostaal sagte auf Anfrage, weder Ferrostaal noch Mitarbeiter von Ferrostaal gälten als Beschuldigte. “Wir wurden um Akteneinsicht gebeten und kooperieren natürlich.“ Ob ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens betroffen sind, könne er nicht sagen. Von den Durchsuchungen betroffen gewesen seien das Hauptquartier in Essen und eine Tochterfirma in Geisenheim.

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks geht es um den Verdacht auf Schmiergeldzahlungen in Höhe von mehr als 15 Millionen Euro, die seit dem Jahr 2005 geflossen sein sollen. Das Geld soll unter anderem an zwei Manager der Hamburger Bergungsreederei Harms gegangen sein, die im Gegenzug dafür acht Hochseeschlepper bei der Mützelfeldwerft bestellt haben sollen, berichtete der BR. An der Cuxhavener Mützelfeldwerft ist die frühere MAN-Tochter Ferrostaal mit 40 Prozent beteiligt. MAN selbst hält an dem Projektentwickler Ferrostaal wiederum noch 30 Prozent der Anteile.

Bisher keine Hinweise auf schwarze Kassen

Erst am Nachmittag hatte MAN über Zwischenergebnisse bei der Aufklärung der Affäre um dubiose Provisionszahlungen in der Nutzfahrzeugsparte berichtet. Demnach haben sich bisher keine Hinweise auf schwarze Kassen ergeben. Die Anwaltskanzlei WilmerHale hatte die Provisionszahlungen der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe genommen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Anteil rechtswidriger Zahlungen dabei “überschaubar“ gewesen und betreffe im Wesentlichen die Jahre bis 2006, erklärte das Unternehmen. Die Staatsanwaltschaft München geht davon aus, dass Verkäufer in den MAN- Niederlassungen mit dubiosen Provisionszahlungen vor allem den Lkw- Verkauf ankurbelten und hat weit über 100 Beschuldigte im Visier.

Bei den aktuellen Durchsuchungen sei bereits umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, hieß es in dem BR-Bericht unter Berufung auf Münchner Kriminalpolizei-Kreise. Unklar sei noch, ob pro geliefertem Schlepper auch noch knapp 500 000 Euro an ein im arabischen Raum angesiedeltes Unternehmen gezahlt worden seien, das weder beim Verkauf noch beim Bau der Schiffe Dienste geleistet haben solle. Ein MAN-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Ferrostaal-Sprecher sagte dem BR, man sei im Unternehmen derzeit dabei, die Hintergründe der Durchsuchungsaktion zu klären und werde zu einem späteren Zeitpunkt gegenüber der Presse Stellung nehmen.

dpa

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