Eine Stufe über Ramsch-Niveau

Kreditwürdigkeit Spaniens gesenkt

London - Rückschlag für Spanien: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Schwergewichts gleich um zwei Stufen von „BBB+“ auf „BBB-“ gesenkt.

 Damit befindet sich die Bonitätsnote der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau. Auch der Ausblick bleibe negativ, teilte S&P am Mittwochabend mit. Es droht also eine weitere Herabstufung. Eine schlechtere Bonitätsnote kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. © dpa
In ihr Urteil fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. © dapd
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch etwa mit der Bestnote AAA (Englisch: “Triple A“). Moody's nutzt dieselben Bezeichnungen, schreibt sie aber anders (Aaa). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. © dpa
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch “Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick “positiv“, “stabil“ und “negativ“ an. © dpa
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. © dpa
Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Zuletzt haben Staaten aber trotz einer Herabstufung günstiger Geld bekommen. © dpa
Die Agenturen sind umstritten. Weil sie vor der Finanzkrise Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben. © dapd
In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik: Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. © dpa

Die verschärfte Rezession beschränke die Handlungsmöglichkeiten der Regierung, schreibt S&P. Die steigende Arbeitslosigkeit und Ausgabenkürzungen würden die soziale Unzufriedenheit schüren und die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Regionen verschärfen.

Aber auch die Entwicklung in der Eurozone sei für die Herabstufung mitverantwortlich. Zweifel an der Bereitschaft, die spanischen Bankschulden zu vergemeinschaften, belasten laut S&P den Kreditausblick.

Spanien hat bisher Hilfe für seine Banken von der Eurozone zugesagt bekommen. Zunächst hatte Madrid auch von der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen.

Voraussetzung für ein Eingreifen der EZB wäre aber ein neuer spanischer Hilfsantrag in Brüssel. Die Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy ziert sich jedoch bislang, einen entsprechendes Gesuch zu stellen. Zuletzt war das Misstrauen an den Finanzmärkten deshalb wieder gestiegen und über eine möglicherweise bevorstehende Herabstufung der Kreditwürdigkeit spekuliert worden.

Bei den beiden anderen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch liegt die spanische Bonitätsnote derzeit mit „Baa3“ beziehungsweise „BBB“ ebenfalls nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveua.

dpa

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