Die sieben Sünden beim Sparen

Die Deutschen werden immer älter und beziehen immer länger gesetzliche Rente. Die sinkenden Renten lassen sich nur durch verstärktes Sparen ausgleichen. Wie man dabei Fehler vermeidet.

Nach Angabe der Bundesregierung hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 9,9 Jahren im Jahr 1960 auf 18,2 Jahre in 2009 fast verdoppelt. Dabei ist die Bezugszeit von Frauen mit einer Zunahme von zehn Jahren im gleichen Zeitraum stärker gestiegen als bei Männern mit einem Plus von 8,3 Jahren.

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„Zwar können sich immer mehr Menschen in unserem Land auf eine lange Lebensspanne jenseits der 50 freuen, doch es kommen immer weniger Rentenzahler nach“, sagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. Das Rentensystem ächzt schon heute unter den hohen Leistungsansprüchen der Versicherten. Arbeiteten 1950 sechs Erwerbstätige für einen Rentner, sind es heute nur noch drei. In 20 Jahren werden nach Berechnungen der Bundesregierung zwei Arbeitnehmer einen Rentner versorgen müssen. Der Rentenbericht 2010 der Regierung empfiehlt daher: Wollen die Menschen ihren Lebensstandard auch im Alter halten, kommen sie um betriebliche Altersvorsorge oder privaten Vermögensaufbau kaum herum.

Große Auswahl an Vorsorgemöglichkeiten

Die Palette der Vorsorgemöglichkeiten ist groß und teils unübersichtlich. Viele Verbraucher fragen sich, welchen Versorgungsweg sie einschlagen sollen und welche Sparanstrengung für einen finanziell sorgenfreien Lebensabend von Nöten ist. Einen Anhaltspunkt dazu liefert der Versorgungslücken-Rechner auf biallo.de, mit dem unkompliziert seine Rentenlücke berechnen kann. Einen Königsweg bei der Altersvorsorge gibt es aber nicht. Jeder Einzelfall hat andere Voraussetzungen und erfordert ein individuelles Konzept. Dennoch gibt es allgemein gültige Grundregeln, die helfen, Verluste zu vermeiden und die Rendite zu optimieren. „Geldanlage muss nicht so kompliziert sein, wie es auf den ersten Blick scheint. Wer die größten Fehler vermeidet, der legt den Grundstein für eine sichere, finanzielle Zukunft“, erklärt Rolf Duben, Vorsorgeexperte beim Finanzdienstleister Delta Lloyd.

Sieben Regeln sollten Vorsorgesparer beachten

Sünde 1:Sparstart hinauszögern

Wer den Vermögensaufbau immer wieder verschiebt, der verschenkt Geld, denn der Zinseszinseffekt kann nur eingeschränkt wirken. Die Hebelwirkung ist umso größer, je länger ein Sparvorgang läuft. Bei langer Spardauer ermöglicht der Zinseszinseffekt bereits mit relativ kleinen Sparbeiträgen signifikanten Vermögensaufbau. Wer hingegen spät mit dem Sparen beginnt, muss deutliche Zinsabschläge in Kauf nehmen entsprechend mehr Geld einsetzen, um auf das gleiche Endergebnis zu kommen. Beispiel: Ein Sparer legt vom 25. bis zum 65. Lebensjahr monatlich 75 Euro zurück. Bei einer durchschnittlichen Rendite von 5,0 Prozent kann er nach 40 Sparjahren 111.664 Euro sein eigen nennen. Der Eigenaufwand hält sich dabei mit 36.000 Euro in Grenzen, dagegen ist der Zinsgewinn mit 75.664 Euro mehr als doppelt so groß. Startet der Sparplan zehn Jahre später und läuft nur über 30 Jahre, muss der Anleger bereits 136 Euro monatlich aufwänden, um auf ein annähernd gleiches Sparergebnis zu kommen. Beginnt der Sparer erst mit 45 Jahren, sind bei 20 Jahren Sparzeit monatlich 275 Euro für das gleiche Endergebnis von Nöten. Der Eigenaufwand summiert sich in diesem Fall auf 66.000 Euro, der Zinsgewinn sinkt auf 46.072 Euro.

Sünde 2: Riester-Zulagen verschenken

Die geförderte private Rentenvorsorge ist dank staatlicher Zuschüsse und Steuervorteile finanziell äußerst attraktiv. „Das gilt sowohl für Familien wie für Singles“, betont Duben. Oftmals übernehme der Staat mehr als die Hälfte der Prämienzahlungen. Jeder Erwachsene erhält pro Jahr einen Zuschuss von 154 Euro, für jedes Kind kommen 300 Euro bzw. 185 Euro (vor 2008 geborene Kinder) hinzu. Ein Ehepaar mit zwei Kleinkindern kann dadurch bis zu 908 Euro an Fördermitteln kassieren. Im Lauf von 20 Jahren summiert sich die staatliche Unterstützung auf 18.160 Euro. „Berufsanfänger unter 25 profitieren bei Vertragsabschluss von einem einmaligen Zusatzbonus von 200 Euro“, so der Vorsorgeexperte. Zugleich sind die Einzahlungen als Sonderausgabe steuerlich absetzbar. Ist der Steuervorteil höher als die erhaltenen Zulagen, schreibt das Finanzamt die Differenz gut – damit erhöht sich die staatliche Förderung weiter.

Sünde 3: Betriebliche Altersvorsorge nicht nutzen

Arbeitnehmer können mit einer Entgeltumwandlung ihr Einkommen im Alter erhöhen und zugleich während des Erwerbslebens viele Steuern sparen. Denn die Versicherungsbeiträge werden direkt vom Brutto abgezogen – weder Einkommensteuer noch Sozialabgaben fallen an. Monatlich 100 Euro zu sparen bedeutet daher nicht 100 Euro weniger netto auf dem Konto zu haben. Der Staat beteiligt sich in vielen Fällen zu mehr als 50 Prozent an den Vorsorgeaufwendungen. Bis zu vier Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung können Beschäftigte in eine Pensionskasse, Pensionsfonds oder eine Direktversicherung überweisen. Im Jahr 2011 bleiben damit Einzahlungen von bis zu 2.640 Euro von Steuern und Sozialabgaben verschont.

Sünde 4: Risikoabsicherung vernachlässigen

Bei der Altersvorsorge vergessen viele Verbraucher die wichtigsten Risiken des Alltags und Berufslebens abzusichern. „Vor dem Sparen steht die Absicherung existenzieller Gefahren wie Berufsunfähigkeit, finanzielle Vorsorge für den Todesfall und die Privathaftpflicht“, sagt Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden Württemberg. Immerhin scheidet jeder fünfte Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Finanzielle Engpässe sind vielfach die Folge. Unter diesem Aspekt rät Nauhauser allen Vorsorgesparern, „bestehende Kreditverpflichtungen zügig zu minimieren und eine Finanzreserve für Notfälle anzulegen“.

Sünde 5: Mangelnde Flexibilität und Ziele

Vom Junggesellen zur Familie mit Kind und später vielleicht in die berufliche Selbstständigkeit – die Lebens- und Arbeitsmodelle eines jeden Einzelnen wandeln sich im Lauf der Jahre. „Die Anlage- und Vorsorgestrategie sollte daher flexibel, die abgeschlossenen Verträge entsprechend variabel sein“, rät Duben. Dazu zähle beispielsweise die Möglichkeit, die Versicherungssumme einer Lebens- oder Rentenversicherung bei Hochzeit oder Kindsgeburt erhöhen oder die Laufzeit an ein geändertes Renteneintrittsalter anpassen zu können. Je nach individuellem Ziel sollte auch die Geldanlage entsprechend strukturiert sein: Wer frühzeitig in Rente gehen und anschließend die Welt erkunden möchte, muss anders sparen als Verbraucher, die bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten und anschließend das Leben im Eigenheim und eigenen Garten genießen möchte.

Sünde 6: Alles auf eine Karte setzen

Eine breite Streuung der Vermögensanlagen reduziert Risiken und Wertschwankungen. Wer ausschließlich auf eine Geldanlage setzt, der riskiert entweder hohe Verluste (Aktien, Aktienfonds) oder verschenkt Renditechancen (Sparbuch, Festgeld, Sparbrief). Die Mischung von verzinsten Sparformen und Börsenpapieren stabilisiert den Ertrag. Wie hoch dabei der Anteil börsennotierter Papiere am Gesamtvermögen ist, liegt im individuellen Ermessen. „Das muss jeder für sich entscheiden“, findet Nauhauser. Als Leitlinie aber gilt: Je älter der Anleger und je kürzer der Anlagehorizont, desto weniger Aktien und Fonds sollten es sein. Hundert minus Lebensalter gilt als absolute Obergrenze.

Sünde 7: Wertpapiere ständig umschichten

Aktien und Aktienfonds bieten langfristig gesehen die höchsten Renditechancen – auch wenn zwischenzeitliche Kursrückgänge das Depot belasten können. Der Fondsbranchenverband BVI weist zum Beispiel für Aktienfonds-Sparpläne mit deutschen Aktien eine Zwanzigjahresrendite von knapp sechs Prozent aus, für 30 Jahre sind es 7,5 Prozent. Die Statistik zeigt: Ein langer Anlagehorizont minimiert Verlustrisiken und stabilisiert den Ertrag. Wichtig: Der Erwerb von Wertpapieren sollte stets losgelöst vom aktuellen Marktgeschehen erfolgen. Schließlich weiß niemand, wann der Markt seinen Tiefpunkt erreicht hat und wann es wieder bergauf geht. Häufig erwischen Sparer ungünstige Einstiegskurse. Auch das häufige Umschichten von Wertpapieren sollten Anleger vermeiden, denn die entstehenden Steuern und Gebühren schmälern den Ertrag. Insbesondere der Ausgabeaufschlag kann bei kurzem Anlagehorizont die Rendite belasten. Verbraucherschützer Nauhauser rät deshalb zu kostengünstigen Indexfonds: „Hier fallen keine Ausgabeaufschläge an, zudem sind die jährlichen Verwaltungsgebühren sehr gering.“

Max Geißler

Rubriklistenbild: © dpa

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