Siemens beendet Atomgeschäft mit Areva

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Siemens beendet das Joint-Venture mit Areva.

München - Ein Atomgeschäft ist Siemens los. Die Partnerschaft mit Areva ist Geschichte. Dennoch wird sich der Elektrokonzern angesichts der Katastrophenbilder aus Japan weiter mit der Kern-Frage befassen müssen.

Siemens hat die lange angestrebte Trennung vom gemeinsamen Atomgeschäft mit dem französischen Staatskonzern Areva über die Bühne gebracht. Auch wenn in einem Schiedsgerichtsverfahren noch die finanziellen Einzelheiten des Milliardendeals ausgehandelt werden müssen, die gemeinsame Firma Areva NP gehört den Franzosen wieder allein.

Bereits am 18. März habe Areva den von einem Gutachter festgelegten Kaufpreis von 1,62 Milliarden Euro für den 34-Prozent-Anteil überwiesen, sagte ein Siemens-Sprecher am Sonntag in München und bestätigte einen Bericht der Zeitung "Die Welt" (Montag). Dennoch dürfte die nukleare Frage den Elektroriesen weiter beschäftigen.

Vor allem die Atomkatastrophe in Japan zwingt die Münchner dazu, mögliche Geschäfte mit der Kernenergie auf den Prüfstand zu stellen. Fast genau 25 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl wächst angesichts der Tragödie im japanischen Fukushima wohl auch bei den Managern von Siemens die Skepsis. Dabei hat Konzernchef Peter Löscher vor nicht allzu langer Zeit noch große Hoffnungen auf die Atomkraft gesetzt - und angesichts des wachsenden Energiehungers in der ganzen Welt große Pläne mit dem Zuliefergeschäft für AKWs gehabt.

"Unser gemeinsames Ziel ist es, weltweit Marktführer im Kernenergiegeschäft zu werden", hatte Löscher vor zwei Jahren nach seiner Unterschrift unter eine Absichtserklärung mit dem russischen Atomkonzern Rosatom gesagt. Beide Seiten wollen mit einem gemeinsamen Unternehmen neue Kernkraftwerke bauen und alte Meiler modernisieren. Die Kernkraft, sagte Löscher damals, sei ein "unverzichtbarer Bestandteil in einem nachhaltigen Energiemix". Bisher stand dem Deal mit Rosatom aber der Ärger um die Atompartnerschaft mit Areva im Weg.

Doch dieses Hindernis ist aus dem Weg geräumt. Und so werden auch die Russen aufmerksam verfolgen, was ihnen Löscher bei seinem Besuch in diesen Tagen zu sagen haben wird - der Konzernlenker ist dort mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unterwegs und trifft am Montag auch Russlands Energieminister Sergej Schmatko. Bereits vor einigen Tagen gab es Spekulationen, Siemens erwäge einen Ausstieg aus dem geplanten Projekt mit Rosatom. "Wir diskutieren derzeit alle Optionen", zitiert die "Wirtschaftswoche" einen hochrangigen Manager.

Entschieden sei nichts. Auch nicht, ob Siemens die Pläne völlig aufgebe oder nur bevorzugter technischer Partner werde. Kommentieren wollte der Konzern nichts davon - auch mit Blick auf das Schiedsverfahren in der Causa Areva. Finanzvorstand Joe Kaeser wollte in einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel" (Montag) noch keine Antwort auf die "Kern-Frage" geben. Allerdings machte der Manager klar, dass sich mit Japan die Lage grundsätzlich geändert habe.

"Fukushima muss der Anlass für eine Bestandsaufnahme sein. Die Welt muss in sich gehen. Wie ist ein Restrisiko zu bewerten, das nach aller Wahrscheinlichkeit zwar nicht eintreten wird, aber wenn es doch eintritt, möglicherweise nicht beherrschbar ist", sagte Kaeser dem Blatt. Zugleich warnte er vor Hysterie.

Siemens hatte 2009 wenige Wochen vor der Vereinbarung mit Rosatom seinen Rückzug aus dem 2001 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen mit Areva angekündigt. Um sich über die Modalitäten zu einigen, wurde ein Schiedsverfahren eröffnet. Die Entscheidung erwartet Siemens in diesem Frühjahr. Vor allem geht es darum, ob und in welcher Höhe ein Ab- oder Aufschlag auf die 1,62 Milliarden Euro fällig wird. Erst dann lässt sich sagen, wie viel Geld bei Siemens in der Bilanz steht.

dpa

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