Siemens: Drastischer Gewinneinbruch erwartet

München - Die Anbindung von Nordsee-Windparks und die Sanierung der Telefonnetz-Tochter NSN sorgen beim Elektrokonzern Siemens für eine drastische Senkung der Gewinnprognose.

Statt 6,0 Milliarden Euro erwartet Europas größter Elektrokonzern nur noch 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro Gewinn. Die Probleme bei der Anbindung von Nordsee-Windparks ans deutsche Stromnetz sowie die Sanierung der Telefonnetz-Tochter Nokia Siemens Networks (NSN) ließen den Gewinn aus den sogenannten fortgeführten Aktivitäten im zweiten Geschäftsquartal 2011/2012 trotz höherer Umsätze um zwei Drittel auf nur noch 1,1 Milliarden Euro einbrechen. Auch der Auftragseingang sank.

Was ist eigentlich noch "Made in Germany"?

Osram: LEDs und Halogenlampen werden in Deutschland hergestellt. Günstige Energiesparlampen werden zwar aus deutschen Bauteilen, aber in China gefertigt. Hochwertige Lampen stammen komplett aus Augsburg und Regensburg. © dpa
Kettler: Die Drahtesel der Firma haben mehrere Nationalitäten. Die Rahmen stammen aus China, die Bremsen aus Japan, die Reifen aus Indien oder Deutschland. Montiert werden die Räder im Saarland. © dpa
Playmobil: Die bunten Spielfiguren werden längst nicht mehr nur in Deutschland produziert. Bereits zwei Jahre nach Firmengründung 1969 wurde das Werk auf Malta eröffnet. 1983 kam Spanien dazu und 2006 Tschechien. © dpa
Audi: Audi Hungaria Motor Kft. entwickelt und produziert im ungarischen Györ Motoren für die Audi AG und weitere Gesellschaften des Volkswagen-Konzerns. Zusätzlich werden dort unter Anderem der Audi TT als Coupé und Roadster gebaut. © obs/Audi AG
Birkenstock: Sie sind nicht unbedingt die schönsten Sandalen, aber dafür bequem - und erfolgreich. Birkenstock gehört zu den wenigen Unternehmen, die ihre komplette Produktion noch in Deutschland haben. © dpa
Bosch: Die Hausgeräte werden weltweit in 41 Fabriken (davon sieben in Deutschland) erzeugt. Für "Made in Germany" wird deshalb nur allgemein, aber nicht mit einzelnen Geräten geworben. © dpa
Metz: Entwicklung und Gehäuse stammen aus Deutschland. Bauteile, wie Leiterplatten und Chips, die ebenfalls in Deutschland montiert werden, stammen aber aus Asien. Wie hoch der deutsche Wertschöpfungsanteil noch ist, kann auch Metz nicht sagen. Auf dem Bild: Helene Metz © dpa
Steiff-Teddys: Ende 2010 entdeckte Stiftung Warentest auch gefährliche Stoffe in einem von Steiffs flauschigen Teddybären. Der Konzern holte deshalb die Produktion Stück für Stück aus China zurück. Seitdem setzt das Kuscheltierunternehmen wieder voll auf "Made in Germany". © dpa
Porsche: Der Geländewagen Cayenne ist nur teilweise deutsch. Das Blech wird im slowakischen Bratislava gebogen und lackiert, die Sitze kommen aus Amerika und das Getriebe läuft in Japan vom Band. Dennoch: Das Label "Made in Germany" bleibt Porsche erhalten, da die Endmontage in Deutschland stattfindet. © dpa
Schildkröt: Die Firma Schildkröt produziert seine Puppen in Deutschland. Alle Materialien stammen ebenfalls aus der Bundesrepublik. © dpa
Siemens: Alle anspruchsvollen, innovativen Produkte etwa in der Medizintechnik werden ausschließlich in Deutschland produziert, sagt ein Siemenssprecher. Bauteile wie Speicherchips stammen allerdings aus Asien. © dpa
SimbaDickie: Der Spielzeughersteller gab 2010 bekannt, wieder verstärkt in Europa zu produzieren. Immer wieder waren zuvor verschimmelte Holzbauklötze aus China angekommen. © dpa
Trigema: Chef Wolfgang Grupp (Bild) setzt auch künftig voll und ganz auf den Produktionsstandort Deutschland. Die Baumwolle der Kleidungsstücke wird in Griechenland und in der Türkei gekauft. Seine Zulieferer erfüllen die strengen Trigema-Kriterien. Das Label "Made in Germany hält Grupp für bedeutsam. © dpa
Webasto: Klimaanlagen und Heizungen für Fahrzeuge werden zwar in Deutschland entwickelt und zusammengebaut, die Einzelteile werden aber weltweit eingekauft. © dpa
Miele: Miele ist 2007 dazu übergegangen, einen Teil seiner Wäschetrockner im tschechischen Werk Unicov zu produzieren. Ab 2013 sollen sie schließlich nur noch dort vom Band gehen. Im Stammwerk Gütersloh werden dann nur noch Waschmaschinen gefertigt. © obs/Miele und Cie. KG

Vorstandschef Peter Löscher sagte am Mittwoch in München: “Das zweite Quartal war wie erwartet nicht einfach.“ Der Umsatz legte zwar in allen Regionen und Sektoren kräftig zu, hier schaffte Siemens ein Plus von neun Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Aber “das Quartalsergebnis lag wegen erneuter Belastungen bei der Energieübertragungsprojekten in Deutschland unter unseren Erwartungen“, sagte Löscher.

Die Plattformen für die Windparks vor Helgoland und Borkum belasteten das Ergebnis im zweiten Quartal mit 278 Millionen Euro, nach 203 Millionen im ersten Quartal. Noch stärker schlug NSN ins Kontor: Der Umbau des angeschlagenen Gemeinschaftsunternehmens, das gerade weltweit 17 000 Stellen streicht, kostete Siemens 640 Millionen Euro. Unter dem Strich brach der Gewinn nach Steuern von 2,8 auf 1,0 Milliarden Euro ein.

Der Auftragseingang fiel um 13 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro. Trotzdem zeigte sich Löscher in diesem Punkt optimistisch: “Für das Gesamtjahr 2012 sind wir bei Auftragseingang und Umsatz auf Kurs, unsere Ziele zu erreichen“, sagte er - das heißt, den Umsatz moderat zu steigern und beim Auftragseingang den Umsatz zu übertreffen.

dpa

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