Um 25 Prozent

Siemens-Gewinn eingebrochen: Woran liegt's?

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Für Siemens-Konzernchef Joe Kaeser war die Hauptversammlung kein erfreulicher Termin.

München - Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ging der Siemens-Gewinn um happige 25 Prozent zurück! Die tz beleuchtet die Gründe für den Gewinneinbruch.

2015 beginnt für Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser nicht gerade angenehm. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das im Oktober 2014 begann, ging der Gewinn um happige 25 Prozent zurück! Obwohl der Umsatz um drei Prozent auf 17,4 Milliarden zulegte, ist das Ergebnis nach Steuern im Vorjahresvergleich auf rund 1,1 Milliarden Euro geschrumpft! Diese unerfreuliche Nachricht musste Kaeser gestern den aufgeschreckten Aktionären bei der Hauptversammlung in der Olympiahalle erläutern. Der 57-Jährige, seit August 2013 an der Konzernspitze, zeigte demonstrativ Zufriedenheit mit den ersten drei Monaten 2015. Und er bekräftigte die Ziele fürs Gesamtgeschäftsjahr – da soll der Gewinn um 15 Prozent gesteigert werden. Wie soll das gehen, Herr Kaeser? Die tz beleuchtet die Gründe für den Gewinneinbruch und skizziert die Pläne des ehrgeizigen Managers.

Wie erklärt Siemens die schlechten Zahlen?

Für die enttäuschenden Ergebnisse sind nach Auskunft des Konzerns auch die veränderte Zinslage und „Schwankungen bei den Finanzinstrumenten“ schuld. Diese Faktoren hätten in die hausinterne Vermögensverwaltung ein Loch von 123 Millionen Euro gerissen.

Wo liefen die Geschäfte schlecht?

Die meisten Geschäfte hätten sich im Rahmen der Erwartungen entwickelt, sagte Joe Kaeser gestern. In zwei Bereichen, die früher als zuverlässige Ertragsquellen galten, sind die Ergebnisse aber so ernüchternd, dass es personelle Konsequenzen gibt. Sowohl Medizintechnikchef Hermann Requardt als auch Power-&-Gas-Chef Roland Fischer räumen ihre Posten. „Es gibt kein anderes Geschäft im Hause mit einem vergleichbar großen Handlungsbedarf – auch deshalb, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreichend erkannt wurden, zum Beispiel wachsender Preisdruck und Überkapazitäten“, sagte Kaeser.

Welche Sparten florieren? 

Die Sparten Digitale Fabrik, Energiemanagement und Mobilität konnten massiv zulegen – aber die Rückgänge anderswo nicht ausgleichen.

Wie haben die Aktionäre auf die Konzernergebnisse reagiert?

Viele Anleger sind verstimmt. Vor allem wurde der Kauf des amerikanischen Öl- und Gasspezialisten Dresser-Rand für 5,8 Milliarden Euro im letzten Jahr harsch kritisiert. Mit dem Erwerb des Industriezulieferers wollte Siemens beim Fracking-Geschäft in den USA profitieren. Diese Erwartung geht wegen des niedrigen Ölpreises nicht auf. Schlechtes Timing, so monieren die Aktionäre, die überdies den hohen Kaufpreis für den Kompressorenhersteller bemängeln. Mit dieser Akquisition habe Kaeser viel Kredit verspielt, urteilt Henning Gebhardt von Deutsche Asset & Wealth Management. Kaeser hat bereits angekündigt, dass in diesem Bereich 1200 Jobs abgebaut werden.

Wie weit ist der angekündigte Umbau des Konzerns?

Wenn es nach den Anlegern geht, nicht weit genug. „Wie viele Übergangsjahre wollen Sie uns noch zumuten, Herr Kaeser?“ fragte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment ungeduldig. Siemens sei in den letzten Jahren hinter die Wettbewerber zurückgefallen und habe auch die Technologie- und Innovationsführerschaft in weiten Teilen verloren. „Ein „Weiter so“ darf es nicht geben, wenn man nicht noch mehr an Boden verlieren will.“

Wie will Kaeser in eine höhere Gewinnzone kommen?

Zum einen sieht er langfristig durchaus Potenziale im Ölgeschäft. Der Kauf von Dresser-Rand werde sich rechnen. Die Hoffnung auf 15 Prozent Gewinnzuwachs im Gesamtgeschäftsjahr 2015 begründet Kaeser auch mit dem beabsichtigten Verkauf der Sparten für Haushaltsgeräte und Hörgeräte, von dem er sich drei Milliarden Euro verspricht.

Wie steht es um die die Auftragslage?

Es gibt um 13 Prozent weniger Bestellungen. Allerdings enthielt der Vorjahresvergleichswert den Megaauftrag für eine Metro in Saudi-Arabien.

Was bedeuten die Zahlen für die Siemensianer?

Im Mai 2014 hatte Kaeser in seiner „Vision 2020“ auch einen Abbau bei den weltweit 360.000 Jobs angekündigt. Damals war die Rede von 11.000 Stellen, die wegfallen könnten. Der Siemens-Wirtschaftsausschuss wird am 4. und 5. Februar über das Thema beraten. Fürs Personal ist in Zukunft – überraschend – Janina Kugel zuständig. Die Vertraute von Boss Kaeser ersetzt Siegfried Russwurm als Arbeitsdirektorin. Der Ex-Chef der Medizintechnik Hermann Requardt scheidet aus dem siebenköpfigen Vorstand aus.

Was ändert sich im Aufsichtsrat?

Vorsitzender Gerhard Cromme (71), den vor allem die Stammbelegschaftsaktionäre gerne zum Abschied aus dem Gremium bewegt hätten, bleibt. Etwas besänftigt sind die Gegner des umstrittenen ehemaligen Topmanagers, da künftig der scheidende BMW-Mann Norbert Reithofer im Gremium sitzt.

BW

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