Höhere Gewinnmarge kostet 15000 Stellen

Siemens-Sparprogramm: Ist auch München betroffen?

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Eines der Siemens-Gebäude in MÜnchen.

München - Dem Siemens-Sparprogramm fallen weltweit 15000 Stellen zum Opfer, 500 davon in deutschland. Auch der Standort München ist betroffen. Alles über das Konzept und die Reaktionen darauf:

"Siemens 2014“ heißt die Rosskur, die der Ende Juli geschasste Vorstandsvorsitzende Peter Löscher (Abschiedsgeld 6,7 Millionen Euro plus 17,17 Millionen Pension) Deutschlands größtem Industriekonzern schon 2012 verordnete. Oberstes Ziel: Die Steigerung der Gewinnmarge. Sechs Milliarden Euro sollen eingespart werden. Offizielle Auskunft über Stellenkürzungen gab es bisher auch unter dem neuen Chef Joe Kaeser nicht. Seit Sonntag ist die Katze aus dem Sack: 15 000 Stellen werden bis Herbst 2014 gestrichen, laut Konzern „gut 5000“ davon in Deutschland. Alles über das Konzept und die Reaktionen darauf:

Welches Ziel verfolgt der Konzern?

Weil die Gewinnmarge nur 9,5 Prozent beträgt, geriet Siemens gegenüber seinen Wettbewerbern ABB (10,3 %) und General Electric (15 % laut Bloomberg) ins Hintertreffen. Löscher wollte Siemens auf 12 Prozent hochhieven. Im Juli 2013 wurde offenbar, dass das nicht gelingen würde.

Was sagen Betriebsräte und Gewerkschaft?

Abgesehen vom Ärger über das weitere Kommunikationsdesaster bei der ganzen Belegschaft sind Arbeitnehmervertreter über die hohe Zahl empört – die sei vorher nicht bekannt gewesen. Gesamtbetriebsrat Lothar Adler hat das Sparkonzept von Anfang an abgelehnt. Die Arbeitnehmer fordern ein alternatives Programm nach dem Motto „Mensch statt Marge“, eine langfristige und nachhaltige Strategie, „bei der der Mensch im Mittelpunkt steht“.

Wie reagiert der Markt?

Auch Analysten hatten offenbar nur mit einem Abbau von rund 10 000 Stellen gerechnet, und dem renommierten Bloomberg Report hatte vor einem Jahr ein Insider die Zahl 8000 genannt. Der Elektrokonzern verringere nun durch den Stellenabbau beim operativen Gewinn pro Mitarbeiter den Abstand zu den Wettbewerbern ABB und Schneider Electric, erklärte Analyst Hans-Joachim Heimbürger vom Kepler Cheuvreux. Der wahrscheinliche Grund für das bisher ungünstigere Verhältnis bei den Deutschen sei die geringere Anzahl von Mitarbeitern in den Schwellenländern. Analyst Jasko Terzic von der DZ Bank sagte: „Die Notwendigkeit, die Rendite zu trimmen, ist weiterhin hoch.“

Ist München von den Maßnahmen betroffen?

Das ist anzunehmen. „Die Zentrale will aber jetzt nicht für zusätzliche Unruhe sorgen, indem wir Einzelzahlen in den Raum stellen,“ so Konzernsprecher Alexander Becker. Auch für andere Regionen gibt es keine Details. „Das würde angesichts der vielen unterschiedlichen Einzelmaßnahmen und Laufzeiten auch keinen Sinn machen.“

In welchen Sparten wird reduziert?

Die Industrieproduktion ist mit 2000 Stellen dabei, die Bereiche Energie und Infrastruktur mit je 1400 und die Zentralen mit 200. Das Geschäftsfeld Health Care sei bereits mit der auf den Gesundheitsbereich zugeschnittenen „Agenda 2013“ durch, so Becker.

Müssen Mitarbeiter mit Kündigungen rechnen?

Zumindest im Inland nicht. Betriebsbedingte Kündigungen hat Siemens nach einer Vereinbarung mit IG Metall und Betriebsrat ausgeschlossen, die Arbeitsplätze werden mithilfe von Altersteilzeit, Abfindungen und Versetzungen eingespart. Der geschäftsführende IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner sagte: „IG Metall und Betriebsrat erwarten von Siemens ein Bekenntnis zum bisherigen Vorgehen. Das heißt, dass die Information von Mitarbeitern und Betriebsräten an erster Stelle steht, die Verhandlungen vor Ort entsprechend geführt werden.“ Die Hälfte der aktuellen Stellenreduzierung ist bereits über die Bühne.

Wie viele Menschen arbeiten bei Siemens?

Weltweit sind es 370 000 Mitarbeiter in über 190 Ländern, 119 000 davon in Deutschland. Insgesamt sind bei Siemens Deutschland laut Zeit Online in den letzten Jahren 25 000 Arbeitsplätze weggefallen.

BW

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