Über Gebühr abgezockt

So erkennen Sie versteckte oder unzulässige Bankkosten!

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Kontogebühren, die von Banken in Rechnung gestellt werden, sollte man unter die Lupe nehmen.

München - Die Stiftung Warentest gibt Tipps, wie man sich vor unzulässigen Bank-Gebühren schützen kann und wie man Tricks erkennt, mit denen die Kunden zu teuren Entscheidungen bringen wollen. Die tz fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Wer ärgert sich nicht über Bankkosten – ganz besonders über versteckte oder solche, mit denen nicht direkt zu rechnen war? Die Stiftung Warentest gibt auf ihrer Webseite test.de Tipps, wie man sich vor unzulässigen Gebühren schützen kann und wie man Tricks erkennt, mit denen Banken und Sparkassen ihre Kunden zu teuren Entscheidungen bringen wollen. Die tz fasst die wichtigsten Informationen zusammen:

Die Bank kassiert bei Kreditvergaben Bearbeitungs­gebühren.

Zu Unrecht! Der Bundes­gerichts­hof (BGH) erklärte die Gebühren bei Raten­krediten im Mai und Oktober 2014 für rechts­widrig.

Was Sie tun können: Sie haben ein Recht auf die Erstattung dieser Bearbeitungsgebühren. Haben Sie sie aber schon vor 2012 gezahlt und bislang nichts unternommen, ist die Forderung verjährt. 

Die Post­bank führt eine Gebühr für Über­weisungs­formulare aus Papier ein.

Sie will 99 Cent für jeden schriftlichen Auftrag ihrer Kunden. Auch andere Kredit­institute verlangen mehr Geld für Aufträge in Papierform als für Aufträge, die online aufgegeben wurden.

Was Sie tun können: Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden hält diese Post­bank-gebühr für unzulässig, ist aber mit ihrem ersten Abwehr­versuch gescheitert. Sie will jetzt gegen ähnliche Gebühren anderer Banken und Sparkassen klagen. Hat sie damit Erfolg, könnte indirekt auch die Post­bankgebühr kippen. Sie sollten also zunächst zahlen, sich aber die Erstattung der Gebühren für den Fall vorbehalten, dass die Gebühr für rechts­widrig erklärt wird. 

Banken und Sparkassen haben bei Giro­konten einen „Preis pro Buchungs­posten“ vereinbart.

Unwirk­sam! Das geht aus einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs vom 27. Januar 2015 hervor (Az. XI ZR 174/13). Vor allem Volks­banken und Sparkassen haben diese Klausel verwendet. Die Richter hielten sie für rechts­widrig, weil nicht nur übliche Konto­bewegungen zu „Buchungs­posten“ zählen, sondern zum Beispiel auch Korrekturen von Fehlern, die das Kredit­institut zu verantworten hat. Zur Fehler­korrektur sind Banken gesetzlich verpflichtet. Es könne nicht sein, dass Kunden die Kosten tragen.

Was Sie tun können: Noch bis Ende 2015 können Sie das, was Ihnen seit Januar 2012 abge­knöpft wurde, zurückfordern. Wichtig: In den Geschäfts­bedingungen muss wörtlich „Preis pro Buchungs­posten“ stehen. Gesondert vereinbarte Gebühren sind ausgenommen.

Eine Bank fordert einen hohen Betrag als Verzugs­schaden, wenn die Kreditrate nicht pünkt­lich eingeht.

Gerichte haben immer wieder geur­teilt, dass sich Gläubiger bei dieser grundsätzlich rechtmäßigen Forderung an den Kosten orientieren müssen, die wegen des Zahlungs­verzugs entstehen. Bei einer ersten Mahnung seien drei bis maximal fünf Euro angemessen.

Was Sie tun können: Sprechen Sie mit Ihrer Bank. Wenn sie sich stur zeigt, können Sie sich an die für die Banken und Sparkassen zuständigen Beschwer­de­stellen wenden. Rat gibt’s bei Verbraucherzentralen.

Die Deutsche Bank kassiert eine Pauschal­gebühr für das Über­ziehen des Dispolimits.

Rechtswidrig! Am 4. Dezember 2014 hat die Verbraucherzentrale vor dem Ober­landes­gericht Frank­furt/Main gesiegt (Az. 1 U 170/13). Allerdings hat die Deutsche Bank Revision beim BGH einge­legt (Az. XI ZR 9/15).

Was Sie tun können: Müssen Sie die Gebühr zahlen, stellen Sie das unter Vorbehalt.

Die Bank fordert Gebühren für Ein- und Auszahlungen und das Zählen von Kleingeld.

Neuerdings ist das erlaubt. Früher durften Ein- und Auszahlungen aufs eigene Konto nichts kosten. Nach neuer Lesart ist eine Ein- oder Auszahlung ein „Zahlungs­dienst“, für den die Banken Geld nehmen dürfen. Kinder dürfen den Inhalt ihres Spar­schweins gebührenfrei einzahlen.

Was Sie tun können: Erkundigen Sie sich vorher, ob die Bank etwas verlangt, und wenn ja, wie viel.

Das Kredit­institut will Geld, wenn es Kunden über eine geplatzte Last­schrift informiert.

Korrekt. Bei den neuen Sepa-Last­schriften (seit 2014) dürfen die Banken dafür etwas verlangen, z. B. drei Euro.

Was Sie tun können: Wenig, solang sich die Banken an den Kosten orientieren, die ihnen bei der Information wirklich entstehen.

Die DKB wirbt mit kostenlosem Abheben welt­weit. Das gilt aber nicht für ihre Girokarte.

Vorsicht: Im Ausland kostet die Abhebung sogar ein Prozent der gewünschten Summe, mindestens zehn Euro.

Was Sie tun können: Nutzen Sie die DKB-Visa-Card und wählen Sie einen Geld­automaten mit Visa-Symbol. Wenn Geld­automaten­betreiber im Ausland die Kreditkarte mit Entgelten belasten, erstattet die DKB diese auf Antrag – außer bei sofortiger Währungs­umrechnung.

Die Geld­automaten­betreiber im Ausland verführen dazu, ungüns­tige Wechsel­kurse zu wählen.

Außer­halb der Eurozone ist Vorsicht angebracht, wenn beim Abheben am Geld­automaten oder beim Bezahlen in Hotels und Läden angeboten wird, die Landes­währung sofort in Euro umzu­rechnen. Denn es besteht die Gefahr, dass Kunden mit extrem schlechten Wechsel­kursen abge­speist werden.

Was Sie tun können: Wählen Sie nicht die „Sofortum­rechnung in Euro“ – egal wie verführerisch sie angepriesen wird.

Kein Limit für Dispo-Zinsen

Bankkunden zahlen bis zu 16,75 Prozent Zinsen, wenn ihr Konto in die Miesen rutscht. Im Landtag scheiterte jetzt ein Antrag des SPD-Finanzexperten Herbert Kränzlein, der die Staatsregierung aufgefordert hatte, über den Bundesrat auf eine Begrenzung dieser Dispo-Zinsen hinzuwirken. Kränzlein ist enttäuscht vom Nein der CSU. Sie wende sich damit auch gegen Marcel Huber (CSU), der vor einem Jahr, noch als Verbraucherschutzminister, gesetzliche Maßnahmen gegen überhöhte Dispo-Zinsen gefordert habe. Die SPD wollte das Limit für den Dispo-Zinssatz auf maximal sieben Prozentpunkte über dem aktuellen Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) festsetzen, in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase wären das 7,05 Prozent. Die EZB verbinde ihre Politik des billigen Geldes mit dem Wunsch, die Nachfrage anzukurbeln und sowohl Verbraucher als auch Firmen zu entlasten, so Kränzlein.

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