Die besten Anlagen-Tipps von fünf Experten

So geht mit Ihrem Geld nichts schief

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Wie Sie die gefährlichsten Fallen beim Vermögensaufbau umgehen können...

München - Wer etwas auf der hohen Kante hat, möchte gerne ein paar Euro mehr aus seinen Ersparnissen machen. Aber wie lässt man sein Geld am besten arbeiten? Die tz hat fünf Experten dazu befragt.

Was, wenn am Ende statt einer schönen Rendite ein satter Verlust herausspringt? Die große Verunsicherung hat ihre Ursache in der europäischen Schuldenkrise. An diesem Wochenende suchen die Regierungschefs der 17 Eurostaaten erneut nach Auswegen - aber eine Lösung, die die Kleinanleger beruhigt, ist nicht zu erwarten. In der tz erklären fünf Experten, wie sie 20 000 bis 50 000 Euro anlegen würden. Für alle, die auf Bank- oder Finanzberater setzen, gibt es wertvolle Tipps. Anhand einer Checkliste können Sie überprüfen, ob Sie bei Ihrem Geschäftspartner gut aufgehoben sind.

Das Mischmodell in Prozenten

Die Experten der Zeitung Euro am Sonntag messen regelmäßig den Puls der Finanzmärkte. In der tz verrät Vize-Chefredakteur Joachim Spiering, wie er  20 000 Euro anlegen würde: Zehn Prozent Gold und Silber: „Kaufen Sie keine Papiere, sondern Münzen oder Barren, die Sie ins Bankschließfach legen können. Dieser Teil der Anlage ist ein reines Sicherheitsinvestment - also nichts, was man heute kauftund in drei Jahren wieder verkauft.“ 40 Prozent Aktien: „Aktien sind Sachinvestitionen. Damit investiert man in Gebäude, in Maschinen und in Geschäftsmodelle. Wir empfehlen Wertpapiere von Unternehmen, die krisensichere Produkte herstellen -  etwa in den Bereichen Pharma oder Ernährung. Da kommt Nestlé in Frage - gegessen wird immer. Wer sich für ein Dax-Unternehmen interessiert, kann in Bayer oder Siemens investieren. Die K+S AG profitiert vom weltweiten Bevölkerungswachstum. BMW ist eine attraktive Anlage, aber momentan nichts für schwache Nerven. Auch Amazon als weltweit größter Onlinehändler ist interessant.“ 30 Prozent Anleihen: „Wir empfehlen, die Anleihen zu mischen: den einen Teil in sichere Bundesanleihen oder in die norwegische Krone investieren, den anderen Teil etwas spekulativer. Zum Beispiel in südafrikanische Rand. Das Land ist sehr rohstoffreich, hat gute Wirtschaftsaussichten. Außerdem bieten sich Rentenmischfonds an. So ist beispielsweise der Fonds Renten Global von Dr. Jens Ehrhardt sehr gut. Euro am Sonntag bewertet ihn seit zehn Jahren mit den Eurofonds-Noten 1 und 2.“ 20 Prozent Cash: „Man braucht etwas in der Hinterhand. Daher zehn Prozent auf einem Tagesgeldkonto liegen lassen!“

Mehr Sicherheit, weniger Rendite

Alfons Kiermeyer ist Leiter der Privatkundenbetreuung Stadtmitte bei der Stadtsparkasse München. In der tz erklärt er, wie er das Geld seiner Kunden am sichersten anlegen würde: „Sicherheit und kurzfristige Verfügbarkeit sind mit einer hohen Rendite nicht vereinbar. Für den sicherheitsorientierten Anleger kommen daher nur Anlagen in Frage, die dem Kunden einen hundertprozentigen Anlageschutz bieten. Für 20 000 Euro empfehle ich daher den Abschluss eines Kapitalsparers. Dabei sind 2000 Euro monatlich verfügbar, mit einer vierteljährlichen Kündigungsfrist. Der Zins liegt derzeit bei 0,7 Prozent. Wer täglich auf das Geld zugreifen können möchte, sollte das Cashkonto wählen - mit 0,5 Prozent Zinsen. Für 50 000 Euro würde ich das Ganze etwas aufsplitten. Die ersten 20 000 Euro sollten analog zur oben genannten Alternative angelegt werden. Die restlichen 30 000 Euro können sicherheitsorientierte Kunden als S-Extrazinssparer mit steigendem Zinssatz anlegen. Zum Ende des jeweiligen Laufzeitjahres liegt die Kündigungsfrist bei drei Monaten. Der Zinssatz steigt je Laufzeitjahr, beginnend bei 1,0 Prozent über 1,2 Prozent, 1,5 Prozent und 2,2 Prozent bis 3,1 Prozent. Falls der Anleger bereit ist, einen kleinen Betrag - höchstens jedoch 20 Prozent - risikobewusst anzulegen, empfehle ich dafür Aktien, Aktienfonds oder Immobilienfonds. Die Vorteile: Diese Anlage kann die Inflation besser ausgleichen. Allerdings ist Grundvoraussetzung, dass sich der Anleger über seine Risikobereitschaft bewusst ist und die gewählte Anlage in ein ganzheitliches Anlagekonzept zu seinen persönlichen Bedürfnissen passt. Dazu dient das Gespräch mit dem Bankberater.

Langfristig auf Aktien

Er war das Gesicht der ARD-Börse. In der tz verrät Frank Lehmann seine Anlagestrategie: „Wer ein wenig Mut hat und längerfristig orientiert ist, der sollte in deutsche Qualitätsaktien einsteigen. Die sind momentan runtergeprügelt ohne Ende - Banken und Versorger würde ich allerdings außen vor lassen. Die Versorger leiden unter dem Aus der Kernkraft, die Banken unter der Gängelei der Politik. Anleger sollten in die erste Bundesliga einsteigen, bei Unternehmen, die ein gescheites Geschäftsmodell haben, wirklich Geld in der Kasse haben und die eine ordentliche Dividende zahlen. Das sind die Grundvoraussetzungen. Wem das zu riskant ist, der sollte sein Geld auf einem Tagesgeldkonto parken. Einzelne Banken geben da mittlerweile schon wieder drei Prozent, damit kann man zumindest die Inflation mehr als ausgleichen. Wie man das Geld unter diesen zwei Alternativen aufteilt, hängt von der Risikobereitschaft ab. Wer auf Nummer sicher gehen will, sagt ‚Cash ist King‘ und setzt stark aufs Tagesgeld. Aktien sind natürlich riskanter und vor allem längerfristig orientiert. Kurzfristig sind hier keine Kurssprünge zu erwarten, langfristig kann man hier aber einiges gewinnen. Bei den Aktien sollte man auch klug mischen. Konjunkturunabhängige Pharmawerte wie Fresenius gehören da genauso dazu wie die konjunkturabhängigen Autowerte.“

In dieser Krise nur in reale Werte investieren

Dirk Müller war als Börsenhändler das Gesicht der Finanzkrise 2008, jetzt gibt er in seinem neuen Buch Cashkurs Tipps zum Vermögensaufbau. „Momentan sollte man auf reale Werte setzten - Aktien und Edelmetalle. Ich würde zehn Prozent in Edelmetalle investieren - aber bitte nur anfassbare. Bei Silber beispielsweise die Münzen der Wiener Philharmoniker. Bei Gold ebenfalls Münzen - den Maple Leaf oder den Krügerrand. Den Rest in starke Dividendentitel - bei 20 000 Euro am besten in einen Fonds. Da würde sich ein ETF anbieten, aber nur einer, der wirklich Aktien kauft und keine Wetten abschließt. Sonst lieber ein klassischer Fonds, der Dax-Aktien oder dividendenstarke Titel kauft - von Unternehmen, die jede Krise überstehen und auch in 50 Jahren noch Geld verdienen, egal in welcher Währung. Beispiele sind die Telekom, Eon und RWE - oder im medizinischen Bereich Fresenius Medical Care. Mit 50 000 Euro könnte man dann noch starke US-Aktien hinzunehmen, etwa Coca Cola. Aber Vorsicht: Die Märkte sind turbulent, es kann jederzeit stark nach unten gehen. Mit meiner Strategie sind Sie gut vorbereitet - mit einem geringen Restrisiko von wenigen Prozent ihres Vermögens. Die gekauften Aktien versichere ich gegen Kurseinbrüche - mit ganz klassischen Optionsscheinen. Das klingt nach wilder Zockerei, ist es aber nicht. Wenn der Markt einbricht, gewinnt die Option genau das an Wert, was die Aktie auf dem Weg nach unten verliert. Ich kann dann verkaufen und kaufe für das Geld sofort neue Aktien, nur wesentlich billiger und mehr. Auf dem Weg nach unten bleibt das Kapital erhalten, die Menge der Aktien steigt. Wenn die Krise vorbei ist, steigt der Wert meiner Aktien. Kommt es nicht zum Kurseinbruch, habe ich meine Versicherung unnötigerweise abgeschlossen. Sie hat mich etwa neun Prozent meines Vermögens gekostet, aber die Aktien haben sich erholt und machen den Verlust im besten Fall wett. Im schlimmsten Fall passiert gar nichts, dann habe ich vielleicht fünf Prozent Verlust gemacht. Trotzdem kann mir nichts passieren, egal, ob die Währung vor die Hunde geht oder das Geld wertlos wird.“

Die passende Strategie für jede Persönlichkeit

Stefan Jungbauer, Abteilungsleiter des Münchner Bank-Anlageteams, rät: „Bevor man sich für eine Anlageform entscheidet, sollte der Kunde den Kontakt zu seinem Betreuer suchen. Gemeinsam wird dann die passende Anlagestrategie besprochen. Das heißt, es wird analysiert, ob die Vermögensstruktur konservativ, risikoscheu, risikobereit oder spekulativ zusammengesetzt sein soll.Generell raten wir dazu, auf eine Mischung der Anlageformen zu achten. Denn eine gute Anlagestrategie wird sich nie nur auf eine Anlageform konzentrieren. Möchte der Kunde sein Vermögen mit Schwerpunkt auf die Sicherheit seiner Werte anlegen, würden wir zu einer Investition mit dem Schwerpunkt Termingelder raten. Bei einer Anlagesumme von 20 000 Euro könnte das wie folgt aussehen: 10 000 Euro in festverzinsliche Geldwerte aus dem genossenschaftlichen Verbund. Bei dieser Investition stehen Verfügbarkeit und Sicherheit im Vordergrund. Damit auch die Rendite nicht zu kurz kommt, könnten die übrigen 10 000 Euro in Sparbriefe angelegt werden. Bei einer Investitionssumme von 50 000 Euro macht ebenfalls die Mischung den Erfolg aus. Unser Tipp: 20 000 Euro in Inhaberschuldverschreibungen zu investieren, 20 000 Euro in Laufzeitrentenfonds sowie 10 000 Euro in sogenannte Substanzwerte wie beispielsweise Aktien oder in Sachwerte wie Immobilienfonds. Unser Ratschlag: Aus Sicherheitsgründen ist der Kauf von Fonds für den Durchschnittsanleger dem Kauf von Einzelaktien vorzuziehen."

Die große Checkliste: Wie Sie einen guten Berater erkennen

Wie kann ich einen guten von  einem schlechten Finanzberater unterscheiden? Das Verbraucherportal WhoFinance.de hat eine Checkliste entwickelt. Mit deren Hilfe kann jeder Kunde überprüfen, ob sein Geschäftspartner die wichtigsten Kriterien für eine gute Beratung erfüllt. In die Checkliste sind die Erfahrungen aus rund 20 000 Kundenbewertungen über Berater bei Banken, Versicherungen und anderen Anbietern eingeflossen. WhoFinance-Geschäftsführer Mustafa Behan zur tz : „Kunden, die auf mehrere Fragen der Checkliste mit Nein antworten, sollten unbedingt darüber nachdenken, den Berater zu wechseln, oder zumindest eine zweite Meinung bei einem seriösen Finanzberater einholen.“

Erreichbarkeit/Verfügbarkeit:

Ist Ihr Berater für ein persönliches Gespräch ohne Weiteres erreichbar? Die Erreichbarkeit des Beraters ist ein klarer Qualitätsfaktor. Gerade in turbulenten Börsenzeiten kann es Geld kosten, wenn Ihr Berater nicht schnell auf Ihre Anfragen reagiert.

Kundenverständnis:

Fragt Sie der Berater ausführlich nach Ihrer Ausgangssituation, Ihren Vorkenntnissen und Ihrer Risikobereitschaft? Berater, die diese Infos nicht erfragen, haben meist ein Produkt in der Schublade, das sie Ihnen verkaufen wollen. Seien Sie umgekehrt offen, wenn der Berater Sie fragt, wo sie stehen und was Sie bereits wissen.

Qualifikation/Vorkenntnisse:

Legt Ihnen Ihr Berater offen, welche Erfahrungen er in dem Bereich hat, in dem Sie sich beraten lassen wollen? Fragen Sie Ihren Berater, wie oft er bereits Probleme wie das Ihre gelöst hat, wie er vorgegangen ist und welche Ergebnisse er erzielte. Ein guter Berater wird Ihnen das spontan und plausibel berichten können. Ebenso wird ein guter Berater an Stellen, an denen er nicht weiter weiß, kompetente Kollegen hinzuziehen. Üblicherweise ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.

Transparente Empfehlungen:

Gibt Ihnen Ihr Berater eine Übersicht über die möglichen Lösungsstrategien und zeigt er Vor- und Nachteile auf? Schlechte Berater verschweigen Risiken ganz oder spielen diese herunter. Ein guter Berater begründet, warum die vorgeschlagene Lösung zu Ihrer persönlichen Situation passt.  Gute Berater schwatzen Ihnen nichts auf. Am Ende ist es nur wichtig, dass die Anlage Ihren Zielen entspricht und das Ihre Erwartungen erfüllt werden.

Kommunikation:

Kann der Berater Ihnen Sachverhalte, Begriffe und Produkte einfach erklären? Gute Berater können gut erklären. Falls der Berater Sachverhalte nicht ohne Fachkauderwelsch erläutern kann, versteht er diese oft selbst nicht. Fragen Sie so lange nach, bis Sie wirklich alles verstanden haben. Gute Berater übersetzen auch die oft komplizierten Broschüren- und Vertragstexte in eine klare und verständliche Sprache - und wimmeln Fragen nicht ab. Gute Berater klären Sie ebenso über potenzielle Risiken umfassend auf.

Entscheidungsfreiheit:

Lässt Ihnen der Berater Bedenkzeit? Versteht Ihr Berater, wenn Sie auch einmal Nein sagen? Gute Berater drängen Kunden nicht zur Unterschrift, sondern überlassen dem Kunden die abschließende Entscheidung.

Dokumentation:

Wird ein Gesprächsprotokoll/Beratungsprotokoll ausgefüllt? Die Dokumentation ist ein wichtiges Mittel, wenn es später dann doch einmal zu Streit kommen sollte. Ein Beratungsprotokoll ist gesetzlich vorgeschrieben und muss vom Berater unterschrieben werden. Gute Berater setzen die Dokumentation aktiv ein, um dem Kunden Hilfestellung bei der Entscheidung zu geben. Achtung: Das Gesetz verlangt nicht, dass Sie als Kunde das Protokoll unterschreiben.

Faire Kundenbeziehung:

Sind die Anlageempfehlungen des Beraters nachvollziehbar fair in Bezug auf Preis/Leistung? Faire Berater empfehlen auch faire Produkte oder raten ab, wenn ein Produkt für den Kunden unfair erscheint, z. B. weil das Risiko einer Anlage für den Kunden zu hoch oder die Rendite zu niedrig ist. Lassen Sie sich Vergleichstests für die empfohlenen Produkte zeigen. Zu allen Produkten gehört eine klare Offenlegung von Kosten und Provisionen.

Interesse/Kontaktpflege:

Ihr Berater meldet sich auch noch bei Ihnen, nachdem Sie seinen Empfehlungen gefolgt sind? Ihr Berater hält Sie auf dem Laufenden hinsichtlich Ihrer Anlage/Finanzierung. Sie bekommen aktiv weitere Empfehlungen oder werden regelmäßig über den Sachstand aufgeklärt, z. B. darüber wie sich Ihre Anlage entwickelt.

Bewertung:

Lässt Ihr Berater sich auf Bewertungsplattformen bewerten?  Transparenz in der Beraterqualität ist wesentlich für die Beraterauswahl. Lassen Sie Ihren Berater wissen, dass Sie ihn bewerten.

Weitere Infos: www.WhoFinance.de

Marc Kniepkamp, Andreas Beez

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