Hier gibt's noch was fürs Geld!

So wehren Sie sich gegen die Minuszinsen

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Gold gilt als krisensicher.

München - Inzwischen verlangen einige Banken in Deutschland schon Negativ-Zinsen? Also was machen mit dem Ersparten? In Gold, Aktien, Immobilien oder Fonds investieren? In der tz geben Experten ihre Anlage-Strategien preis.

Das Tabu ist gebrochen! Drei Banken in Deutschland verlangen inzwischen Negativ-Zinsen: die Commerzbank, die genossenschaftliche WGZ sowie die Skatbank. Und bei Minus- und Niedrigst-Zinsen wird es in nächster Zeit auch bleiben: Die Europäische Zentralbank hat erst am Donnerstag entschieden, den Leitzins auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent zu belassen. Doch daraus jetzt einfach den Schluss zu ziehen, Sparen lohne sich nicht mehr, wäre auch zu einfach: Angesichts des sinkenden Rentenniveaus ist es eigentlich wichtiger denn je, Geld zurückzulegen. Was also tun? Die tz hat bei renommierten Experten nachgefragt, wie sie in Zeiten von Negativ-Zinsen, sinkendem Goldpreis und Börsen-Höhenflug 20 000 Euro anlegen würden.

Aktien

Mit einer Aktie kauft man sich den Anteil an einem Unternehmen – einen Sachwert also. Prof. Max Otte, der Wirtschaftswissenschaftler, der schon 2006 die Finanzkrise voraussagte, gibt zu bedenken: „Für Sachwerte brauchen Sie Sachverstand.“ Trotzdem sind Aktien die einzige Geldanlage, die eine ordentliche Rendite abwirft. Das Problem dabei: „Aktien schwanken im Wert. Man sollte wirklich drei bis fünf Jahre mindestens Zeit haben, bevor man das Geld wieder braucht“, so Otte. Bei Aktien sollte man nur auf solide Unternehmen setzen, die eine Dividende – also eine Überschussbeteiligung – auszahlen. „Tatsächlich ist die Dividende der neue Zins“, meint „Mr. Dax“ Dirk Müller. Billige Aktien sieht er derzeit nicht am Horizont. „Aber es gibt Aktien die fair bewertet sind. Das sind zum Beispiel Cisco, IBM, Pfizer, Apple und SAP.“ Ganz wichtig: Nicht auf das schnelle Geld spekulieren. „Die Geschichte zeigt, dass sie selbst bei Höchstkursen nach sechs Jahren den Einstieg per Saldo wieder im Gewinn hatten. Einen Anlagehorizont von fünf bis zehn Jahren sollte man haben – vor allem wenn man zu einem so hohen Stand wie jetzt einsteigt“, so Aktien-Experte Müller. Otte hält den Dax derzeit nicht für überbewertet: „Die Aktie ist der Sachwert und der Kurs ist das Preisschild. Nun sind die Dax-Kurse heute zwar höher als vor 14 Jahren, aber der Korb den Sie mit dem Dax kaufen ist auch mehr als doppelt so viel wert wie vor 14 Jahren.“ Sparkassen-Berater Schmid ist trotz der aktuellen Höchststände optimistisch: „Wir sehen die Entwicklung am Aktienmarkt positiv – im kommenden Jahr würden wir dem Dax zutrauen die 10500 Punkte zu erreichen.“

Fonds

Wer nur eine geringe Summe anlegen kann, für den sind Einzelaktien nichts. „Bei Einzelaktien sollte man mindestens fünf bis zehn unterschiedliche kaufen“, rät Dirk Müller, um nicht auf Gedeih und Verderb auf die Entwicklung eines einzelnen Werts abhängig zu sein. Wenn das nicht geht, bieten sich Fonds an, um von der Entwicklung der Wirtschaft zu profitieren. Müller empfiehlt Indexfonds. Diese auch als ETF bekannten Angebote bilden einen kompletten Aktienindex ab, man kann sich mit ihnen also beispielsweise an allen Dax-Werten beteiligen. Der Effekt: Die Streuung ist groß, die laufenden Kosten gering. „Dabei muss man aber unbedingt darauf achten, dass der Fonds auch wirklich die Aktien kauft und nicht nur auf Aktien wettet“, erklärt Müller. Wer weltweit investieren will, kann dies ebenfalls per Fonds tun. Otte erinnert beispielsweise an die Möglichkeit, den Europäischen Index EuroStoxx abbilden zu lassen. Darüber hinaus gibt es weltweit agierende Fonds, Otte: „Lassen Sie die Finger von Themenfonds, wie neue Energien oder Biotech. Das sind Säue, die von der Finanzwirtschaft durchs Dorf getrieben werden, wenn die Stimmung gerade gut ist.“ Sparkassen-Experte Schmidt rät: „Wer sich beim jetzigen Stand nicht traut, groß einzusteigen, der kann mit einem Sparplan mit kleine Beträge einsteigen und regelmäßig Anteile nachkaufen.“ Der Vorteil: Bei sinkenden Kursen kann der Kunde vom niedrigeren Preis profitieren und bekommt mehr Anteile als bei Höchst-Kursen.

Tagesgeld

Ein entschiedenes „Ja, aber“. Sie kommen um Tagesgeld nicht herum. Dirk Müller empfiehlt: „Auf das Tagesgeldkonto gehören Beträge, die man in der Reserve haben will.“ Sparkassen-Berater Schmidt: „Es bringt mir schließlich nichts, wenn mein Auto heute kaputt geht und mein Banker sagt zu mir, dass ich in vier Wochen mein Geld bekomme.“ Bei der Höhe sind sich die Experten recht einig: Mindestens 5000 Euro sollte man zur Hand haben, wenn etwa die Waschmaschine streikt. Oder, individueller: „Als Richtschnur würde ich empfehlen, zwei bis drei Nettogehälter dort zu lagern. Mehr sollte es dann aber auch nicht sein“, meint Dirk Müller. Vergleichen lohnt sich: Die tz hat sich von der Frankfurter Finanzberatung FMH eine Liste der Banken mit den derzeit günstigsten Konditionen geben lassen. Einen Rechner für Ihre persönliche Situation finden Sie im Internet unter www.fmh.de.

Tagesgeld, das bessere Sparbuch

Die derzeit besten Zinsen bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro über sechs Monate für einen Neukunden (laut FMH-Finanzberatung)

Anbieter Rendite Zinssatz pro Jahr Zinsen in Euro
Sberbank Direct 1,30 % 1,30 % 65,11
Ikano Bank 1,25 % 1,25 % 62,50
Cortal Consors 1,20 % 1,20 % 60,09
Renault Bank Direkt 1,10 % 1,10 % 55,13
DenizBank 1,10 % 1,10 % 55,00
ING-DiBa 1,10 % 1,25 % 55,00
1822direkt 1,09 % 1,30 % 54,50
MoneYou 1,05 % 1,05 % 52,57
Merkur Bank 1,05 % 1,05 % 52,51
NBC Direct 1,05 % 1,05 % 52,50
Advanzia Bank 1,01 % 1,01 % 50,61
RaboDirect 1,01 % 1,01 % 50,61
VTB Direktbank 1,00 % 1,00 % 50,06
DAB bank 1,00 % 1,00 % 50,06
akf bank 0,95 % 0,95 % 47,59
DKB Deutsche Kreditbank 0,90 % 0,90 % 45,08
Santander Direkt Bank 0,90 % 0,90 % 45,08
Volkswagen Bank 0,90 % 1,10 % 45,08
Audi Bank 0,90 % 1,10 % 45,08
Wüstenrot 0,85 % 1,30 % 42,53
GarantBank 0,85 % 0,85 % 42,50
GE Capital Direkt 0,80 % 0,80 % 40,04
pbdirekt 0,80 % 0,80 % 40,04
Bank of Scotland 0,80 % 0,80 % 40,00
Akbank AG 0,80 % 0,80 % 40,00
Quelle: www.fmh.de, Angaben ohne Gewähr

Gold

Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen, war zum Höhepunkt der Finanzkrise besonders beliebt. Seitdem sind die Preise gepurzelt. „Der Wert von Gold kann schwanken, wirft keinen Zins ab und kostet auch noch Geld in der Verwahrung“, fasst Schmidt die Nachteile zusammen. Trotzdem meint Müller: „Gold gehört in jeden Haushalt.“ Etwa zehn bis 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens würde er in Gold investieren. Ganz wichtig: „Was zum Anfassen. Münzen, nichts Abenteuerliches.“ Müller erklärt, warum: „Gold ist nichts anderes als eine Währung. Bei unserer Papier-Währungi handelt es sich um wertloses Papier, das nur deshalb einen Wert hat, weil wir das Vertrauen haben, dass uns jemand auch morgen noch für diesen Papierschein eine Dienstleistung erbringt.“

Einen wichtigen Vorteil des Goldes führt Wirtschaftswissenschaftler Prof. Otte an: „Es ist relativ sicher vor dem Zugriff des Staates. Der holt sich das Geld über die Entwertung der Spar­vermögen oder über Steuern bei Immo­bilienbesitzern.“

Immobilien

Das billige Geld der Zentralbanken fließt an den Aktienmarkt – und in Immobilien! Die Folge sind exorbitant hohe Preise in guten Lagen. Trotzdem gibt Schmidt zu bedenken: „Immobilien in München werden immer ihren Wert haben, die derzeitigen Preise sind aber stark zinsgetrieben. Durch den niedrigen Zins kann man einen höheren Kaufpreis finanzieren.“ Wirtschaftswissenschaftler Otte sieht die Lage etwas dramatischer: „Die Märkte spielen völlig verrückt und gerade München ist schon mittendrin in der Blase! Sie können zwar Glück haben und kaufen heute eine Immobilie, die Ihnen in drei Jahren jemand zu einem noch höheren Preis abkauft. Aber jeder sollte wissen, dass Immobilien bei einem Kaufpreis von der 30-fachen Jahresnettomiete viel zu teuer sind.“

Festgeld

Immer noch eine beliebte Anlageform, doch fehlt dem Festgeld derzeit eigentlich die Berechtigung. Das Geld liegt zwar dank Einlagensicherung bei Vermögen bis zu 100 000 Euro sicher auf der Bank. Nur liegt es dort – wie der Name schon sagt – fest. Früher konnten die Banken noch einen gehörigen Zinsvorteil versprechen, heute ist dieser Vorteil minimal. „Festgeld sollte für Anleger heutzutage kein Thema mehr sein“, findet Dirk Müller. „An das Geld komme ich ja spontan gar nicht ran. Statt dessen liegt es auf Jahre fest, zu einem minimalen Zinsvorteil. Das kann man momentan komplett vergessen.“ Wer trotzdem auf Festgeld setzt: Die Finanzberatung FMH (www.fmh.de) hat die Angebote mit den günstigsten Konditionen zusammengefasst.

Sparbriefe im Vergleich

Die derzeit besten Zinsen für einen Neukunden bei einer Anlage von 10 000 Euro für fünf Jahre (laut FMH-Finanzberatung)

Anbieter Rendite pro Jahr Zinssatz pro Jahr Zinsen pro Jahr in Euro Anlagebetrag & Zinsertrag in Euro
Fibank 3,45 % 3,70 % 370,00 11 850,00
Banca Sistema 2,38 % 2,50 % 250,00 112 250,00
Crédit Agricole 2,12 % 2,12 % 212,00 11 060,00
VTB Direktbank 2,10 % 2,10 % 210,00 11 050,00
DenizBank 2,10 % 2,10 % 210,00 11 050,00
NBC Direct 2,10 % 2,10 % 219,01 11 095,03
Vakifbank 2,01 % 2,01 % 201,00 11 005,00
pbbdirekt 2,00 % 2,00 % 208,16 11 040,81
Bigbank AS 2,00 % 2,00 % 200,00 11 000,00
von Essen Bank 2,00 % 2,00 % 200,00 11 000,00
Credit Europe Bank 1,95 % 1,95 % 195,00 10 975,00
Ziraat Bank 1,90 % 1,90 % 190,00 10 950,00
Renault Bank direkt 1,85 % 1,85 % 191,97 10 959,86
akf bank 1,85 % 1,85 % 191,97 10 959,86
Akbank AG 1,80 % 1,80 % 180,00 10 900,00
NIBC Direct Kombigeld 1,80 % 1,80 % 186,60 10 932,99
Santander Direkt Bank 1,75 % 1,75 % 181,23 10 906,17
ISBANK 1,75 % 1,75 % 175,00 10 875,00
Santander Consumer Bank 1,75 % 1,75 % 181,23 10 908,17
CreditPlus Bank 1,70 % 1,70 % 170,00 10 850,00

Quelle: FMH-Finanzberatung, ohne Gewähr

Drei Experten verraten, was sie mit 20.000 Euro machen würden

Dirk Müller alias "Mister Dax": Anleihen? Nie!

"Als Grundstock empfehle ich, trotz des schlechten Zinses, Tagesgeld. Jeder Mensch braucht einfach Geld für Unvorhersehbares. Zwei bisdrei Monatsnettogehälter sollten es schon sein, mehr aber bitte auf keinen Fall. Zehn bis 20 Prozent des liquiden Vermögens sollten Sie in Gold investieren. Zwar schwankt der Wert, doch als Ur-Währung hat Gold weltweit Gültigkeit. Ein anderer, wichtiger Sachwert: Aktien. Während Sie auf dem Tagesgeldkonto keine Zinsen mehr bekommen, ist die Dividende zum neuen Zins geworden. Man sollte sich auf große Unternehmen konzentrieren. Bei kleinen Anlagebeträge bieten sich Indexfonds an, um die Investition besser zu streuen. Eine Warnung noch: Von Anleihen – egal ob Staats- oder Unternehmensanleihen – sollten Sie die Finger lassen."

Rolf Schmidt, Stadtsparkasse München: 5000 Euro für Notfall

"Wir müssen zuerst mal den Kunden kennenlernen: Wie sind die Einkommensverhältnisse, wie sind die Anlageziele definiert, besteht schon eine Geldanlage? Pauschale Empfehlungen für 20 000 Euro sind deshalb unmöglich. Jeder Kunde sollte zunächst mal 5000 Euro Minimum als Notfall-Liquidität auf der Seite haben – für Reparaturen oder unvorhersehbare Anschaffungen. Ob in Form eines Sparbuchs oder als Tagesgeld, ist erstmal unerheblich. Im nächsten Schritt schauen wir die Risikobereitschaft an. Wenn der Kunde fünf Jahre oder länger anlegen kann, empfehle ich, die Hälfte in Renten-, Kapitalschutz- oder Spareinlagen anzulegen. Und ich rate dazu, auch Aktien einzubeziehen. Bei der Summe wären 8000 Euro möglich, besser in Fonds als in Einzelaktien. Stark präferiert sind die Dividendenfonds. Und dann empfehlen wir noch 10 Prozent – in dem Fall ca. 2000 Euro – in offene Immobilienfonds zu investieren."

Prof. Max Otte, Wirtschaftswissenschaftler: Halbe, Halbe

"Auf dem Konto sollten Sie Ihr Geld schon mal nicht liegen lassen, auch bei einer Lebensversicherung verlieren Sie Geld. Wir müssen beider Anlage also neue Wege gehen und das Geld in Sachwerten anlegen: Immobilien, Aktien und Edelmetalle. Bei 20 000 Euro sollten Sie 5000 auf dem Konto liegen lassen für unvorhergesehene Ausgaben. 5000 sollten Sie in Gold investieren. Damit haben sie zwei sichere Anlagen, der Rest muss also die Rendite bringen. Da sollten Sie auf global agierende Aktienfonds setzen – ohne Derivate. DWS Vermögensbildungsfonds ist so einer oder Templeton oder Fidelity – da gibt es viele. Achten Sie aber darauf, dass diese Fonds schon lange am Markt sind und nehmen Sie bloß nichts Neues."

Marc Kniekamp

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