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Solarmarkt: Angst vor Pleitewelle in Deutschland

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Über der deutschen Solarindustrie braut sich ein heftiges Gewitter zusammen.

Frankfurt/Main - Über der deutschen Solarindustrie braut sich ein heftiges Gewitter zusammen: Die hoch subventionierte Branche steckt in ihrer ersten tiefen Krise.

Nach Jahren des Booms haben ein beispielloser Preisverfall und ein weltweit heftiger Nachfrageeinbruch viele Unternehmen im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen stürzen lassen. Die Angst vor einer Pleitewelle geht um. Verschärft wird das Problem durch die wachsende Konkurrenz vor allem aus China. Die Produktion dort ist nach Berechnungen von UBS-Analysten 30 Prozent günstiger als hierzulande. Einige Beobachter befürchten daher bereits die Abwanderung der Branche aus Deutschland.

Einen Vorgeschmack gibt der bislang weltgrößte Solarzellenhersteller Q- Cells. Das erfolgsverwöhnte Unternehmen hat im ersten Halbjahr einen Verlust von fast 700 Millionen Euro eingefahren und Marktanteile verloren. Nun streicht das Management 500 Stellen an seinem Standort in Bitterfeld-Wolfen. Zugleich fährt das Unternehmen, zwar langsamer als geplant, ein Werk in Malaysia hoch. Von der neuen Fabrik erwartet Vorstandschef Anton Milner nach eigenen Angaben deutliche Kostenvorteile.

Wichtigstes Argument gegen die Konkurrenz aus China war für die deutschen Hersteller lange die Qualität. Sie sprachen ihren Rivalen die Fähigkeit ab, gute Module herstellen zu können. “Das gilt nicht mehr“, sagt der Solarexperte Bernd Schüßler von der Fachzeitschrift “Photon“, die zahlreiche Produkttests unternimmt. “Das Ergebnis ist klar: Markenhersteller wie Trina, Suntech und Yingli können mit ihren Produkten längst mit Unternehmen aus Europa und den USA mithalten.“ Daher würden vom in der zweiten Jahreshälfte erwarteten Nachfrageboom in Deutschland nach Ansicht des Experten vor allem chinesische Hersteller profitieren.

Dem Preisdruck aus Asien kann sich selbst das deutsche Vorzeigeunternehmen Solarworld, das im ersten Halbjahr nur einen leichten Umsatzrückgang verbuchte, nicht mehr entziehen. Fünf Prozent der Endmontage überlässt das Unternehmen dort Suntech. Solarworld- Chef Frank Asbeck betont aber, dass diese Anlagen nur für den asiatischen Markt bestimmt sind. Es gehe nicht um eine Verlagerung. Sollte die Branche massenhaft Arbeitsplätze hierzulande abbauen, würde ihr das wichtigste Argument für die weitere Förderung abhanden kommen.

Rund 50 000 Menschen sind in Deutschland nach Angaben des Solarverbandes BSW in der Solarbranche beschäftigt, knapp die Hälfte davon in der Herstellung. 2008 machte Sonnenstrom sechs Prozent des deutschen Ökostroms aus, erhielt aber ein Viertel der Förderung. Bezahlt wird diese vom Stromverbraucher. Mit 43 Cent wird jede von einer in diesem Jahr installierten Dachanlage erzeugte Kilowattstunde Sonnenstrom vergütet, 20 Jahre lang. Je mehr Anlagen gebaut werden, desto höher werden die auf alle Stromverbraucher umgelegten Kosten. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet bis 2013 mit Kosten von rund 77 Milliarden Euro.

Insbesondere CDU und FDP dringen trotz ihrer grundsätzlichen Zustimmung zur Einspeisevergütung auf stärkere Kürzungen. Der Solarverband BSW warnt hingegen vor voreiligen Schlüssen. “Wir befinden uns in einer schweren Phase, die aber vorübergehend wird“, sagte BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig. Er rechne schon im kommenden Jahr wieder mit Wachstum - etwa in Südeuropa und den USA. Davon werde auch der Standort Deutschland profitieren. Als entscheidende und langfristige Vorteile nennt er etwa die dichte Forschungslandschaft und die zahlreichen Fachkräfte. Auch der BHF- Bank-Analyst Götz Fischbeck sieht keinen Exodus. Viele Unternehmen hätten erst zuletzt in neue Einrichtungen und Fabriken in Deutschland investiert. “Das waren wohlüberlegte Entscheidungen.“

Zudem verweist er darauf, dass die chinesischen Unternehmen zu einem Großteil auf Maschinen aus Deutschland produzierten. Anlagenbauer wie Centrotherm aus Baden-Württemberg und Roth & Rau aus Sachsen machten auch in diesem Jahr gute Geschäfte dank der Aufträge aus Asien. Im Kampf um Marktanteile in Deutschland haben die Unternehmen einen weiteren Weg gefunden. Sie bauen ihr Marketing aus. Seit einigen Wochen flimmern Werbespots von Q-Cells und Solarworld über die Bildschirme. “Wir investieren in die Marke“, sagt Solarworld-Chef Asbeck. Gesicht seiner Kampagne ist Fußball- Nationalspieler Lukas Podolski. Er soll das Geschäft ankurbeln und so neben dem 1.FC Köln nebenbei auch der Solarbranche helfen.

dpa

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