Höhere Bemessungsgrenze

Sozialbeiträge: Wer jetzt mehr zahlt

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Spitzenverdiener müssen mehr Abgaben zahlen

München - 2014 steigen die Sozialbeiträge! Hintergrund sind höhere Beitragsbemessungsgrenzen. Im schlimmsten Fall kann so die Belastung der Bürger um bis zu 251 Euro im Jahr steigen.

Jetzt ist es amtlich: Im kommenden Jahr steigen die Sozialbeiträge! Der Grund dafür sind höhere Beitragsbemessungsgrenzen, die das Bundeskabinett jetzt bei der letzten ordentlichen Sitzung billigte. Sie werden um bis zu 150 Euro angehoben, im schlimmsten Fall kann so die Belastung der Bürger um bis zu 251 Euro im Jahr steigen. Die tz erklärt, warum die Beitragsbemessungsgrenze erhöht wird und wer jetzt mehr zahlen muss:

Warum werden die Bemessungsgrenzen angehoben?

Das liegt an den steigenden Einkommen der Deutschen. Steigen Löhne und Gehälter, steigt auch die Beitragsbemessungsgrenze. Die Festlegung dieser Bemessungsgrenzen erfolgt Jahr für Jahr automatisch auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen. Die Regierung hat keinen Ermessens- oder Entscheidungsspielraum.

Im Westen 150 Euro mehr, im Osten 100 Euro mehr

Könnte man die Grenze nicht einfach auf demselben Wert belassen?

Nein. Der Grund: Bei fixen Bemessungsgrenzen würden immer mehr Besserverdiener mit ihrem Gehalt aus der Beitragspflicht fallen. Ihre Sozialbeiträge würden also trotz ihres steigenden Einkommens stagnieren. Denn für Einkommen, die über die Beitragsbemessungsgrenze hinausgehen, werden keine Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung fällig. Anteilig würden die Lasten also vermehrt auf den Schultern der Normalverdiener abgeladen.

Sind die Bemessungsgrenzen für alle Versicherungsarten einheitlich?

Nein. Mit dem Beschluss steigen die Bemessungsgrenzen für die Renten- und Arbeitslosenversicherung im Westen um 150 Euro monatlich auf 5950 Euro (bisher: 5800 Euro). In Ostdeutschland, wo Einkommen und Lohnanstieg geringer sind, wird die Grenze um 100 auf 5000 Euro (bisher 4900 Euro) des Bruttoeinkommens angehoben.. In der Kranken- und Pflegeversicherung steigt die Grenze um 112,50 Euro auf 4050 Euro vom Monatsbrutto nach oben verschoben. Der GKV-Beitragssatz liegt bei 15,5 Prozent, wovon die Arbeitnehmer 8,2 Prozentpunkte zahlen und die Arbeitgeber lediglich 7,3 Punkte.

Höhere Belastung erst ab 3937,50 Euro Bruttogehalt

Wer muss jetzt mehr zahlen?

Die meisten Arbeitnehmer werden die Erhöhung nicht bemerken. Sie trifft diejenigen, deren Gehälter über den bisherigen Grenzbeträgen liegen. Eine höhere Belastung entsteht also für Arbeitnehmer mit einem Bruttoverdienst von mehr als 3937,50 Euro – und deren Arbeitgeber, die fast die Hälfte der Sozialbeiträge übernehmen. Die „breite Masse der Normalverdiener“ bleibt davon nach Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums unberührt. Der Monatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten lag 2012 im Schnitt bei knapp 3400 Euro brutto.

Wieviel machen die gestiegenen Sozialabgaben im Einzelnen aus?

Ein Beschäftigter mit derzeit 6000 Euro brutto muss etwa 548 Euro monatlich in die Rentenversicherung einzahlen. Steigt die Bemessungsgrenze um die besagten 150 Euro im Monat und bleibt der Beitragssatz zur Rentenversicherung bei 18,9 Prozent, werden dem Betroffenen wie seinem Arbeitgeber für die Rente jeweils etwa 14 Euro im Monat mehr als bisher abgezogen. Allerdings hat die Bundesregierung in Aussicht gestellt, dass der Rentenbeitragssatz sinken soll. Als wahrscheinlich gilt eine Ermäßigung auf 18,4 Prozent. Dann würden alle Beitragszahler an dieser Stelle entlastet – auch diejenigen, die von der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze betroffen sind.

M. Kniepkamp

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