Standard & Poor's stuft Spanien herab

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Die Kreditwürdigkeit von Spanien ist um zwei Stufen herabgestuft worden

New York - Der wirtschaftliche Druck auf Spanien wächst: Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft - um gleich zwei Stufen.

In der Bewertung langfristiger Anleihen ordnete S & P die spanische Kreditwürdigkeit am Donnerstag zwei Stufen tiefer ein. Angesichts der schwachen Wirtschaftskraft sei es wahrscheinlich, dass sich die Haushaltsprobleme Spaniens weiter verschärften, hieß es zur Begründung in New York. Die Kreditwürdigkeit wurde von „A“ auf „BBB+“ gesenkt.

Die spanische Regierung müsse vermutlich insbesondere dem nationalen Bankensektor mehr Unterstützung zukommen lassen, erklärte die Agentur weiter. Madrid hatte in dieser Woche bestätigt, dass Spanien zum zweiten Mal in drei Jahren in die Rezession gerutscht ist.

Trotz der Abwertung bleibt Spanien noch klar im Investitionsrahmen, angesichts der höheren Risiken dürften die Investoren jedoch deutlich höhere Zinsen verlangen. Für Spanien könnte es somit spürbar teurer werden.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. © dpa
In ihr Urteil fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. © dapd
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch etwa mit der Bestnote AAA (Englisch: “Triple A“). Moody's nutzt dieselben Bezeichnungen, schreibt sie aber anders (Aaa). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. © dpa
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch “Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick “positiv“, “stabil“ und “negativ“ an. © dpa
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. © dpa
Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Zuletzt haben Staaten aber trotz einer Herabstufung günstiger Geld bekommen. © dpa
Die Agenturen sind umstritten. Weil sie vor der Finanzkrise Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben. © dapd
In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik: Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. © dpa

Auch die Bewertung kurzfristiger Staatsanleihen werde gesenkt, hieß es. Der Ausblick sei zudem negativ. Es werde ein Wirtschaftsrückgang um 1,5 Prozent in diesem Jahr und 0,5 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Eine frühere Prognose ging von einem Wachstum um 0,3 beziehungsweise 1,0 Prozent aus.

Damit könnte Spanien eine weitere Rückstufung in absehbarer Zeit drohen. Auch die Ratingagentur Moody's hatte Spanien im Februar nach unten gestuft.

Die Regierung in Madrid hat die US-Ratingagentur wegen der Abstufung der Bonität kritisiert. S&P berücksichtige die Sparmaßnahmen nicht, die Spanien ergreifen wolle, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Fernando Jiménez am Freitag vor der Presse.

Lobend führte Standard & Poor's die Arbeitsmarktreformen der Madrider Regierung an. Diese würden letztlich die Einstellungslage verbessern helfen. Unterm Strich würden allerdings in kurzer Zeit dennoch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.

Der europäische Umgang mit der Schuldenkrise handelte sich einen Tadel der Ratingagentur ein. Es „fehlt weiter an Effektivität“, hieß es. Die Lage Spaniens könne sich weiter verschärfen, wenn Europa das Vertrauen der Anleger nicht stärke und den Kapitalfluss nach außen stabilisiere.

dapd

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