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Gearrilla.com

Start-up aus München: Airbnb für Skiausrüstung und Rucksäcke

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Die Gründer des Start-ups Gearrilla Leonhard Weiß (li.) und Bjorn Beyersdorff (r.) haben eine Internet-Plattform aufgebaut, über die sich Sport- und Outdoor-Artikel vermieten lassen.

Auf rund 1700 Metern Meereshöhe entstand die Idee zur Gründung eines Start-ups: Vor rund zweieinhalb Jahren saßen Leonhard Weiß und Bjorn Beyersdorff auf dem Wallberg im Landkreis Miesbach.

München – Die beiden hatten sich mit ihren Gleitschirmen aufgemacht, um von dort ins Tegernseer Tal zu gleiten. Während sich die beiden auf ihren Flug vorbereiteten, beobachteten sie Wanderer, die auf dem Weg zum Gipfel waren. Eines brachte sie ins Grübeln: Warum besitzt jeder Wanderer eigentlich einen eigenen Rucksack? Wäre es nicht sinnvoller, die teure Outdoor-Ware zu teilen?

In anderen Märkten funktioniert das Teilen schließlich gut: Daimler und BMW vermieten über ihre inzwischen fusionierten Carsharing-Dienste Car2Go und Drive Now erfolgreich Autos zum Minutenpreis; die US-Plattform Airbnb vermittelt Wohnungen und Gästezimmer an Urlauber – der Umsatz geht in die Milliarden. Unter dem Begriff Sharing Economy (englisch to share: teilen) ist ein Wirtschaftszweig entstanden, in dem es nicht mehr darum geht, Eigentum nur zu besitzen, sondern es zu teilen – gegen Geld.

Verleiher und Mieter sollen profitieren

Was in anderen Branchen funktioniert, muss auch mit Sportgeräten klappen, dachten sich die Gleitschirmflieger Weiß und Beyersdorff. Ihre Lösung: Die Internet-Plattform Gearrilla.com, über die Alpinisten und Freizeitsportler Skier, Schneeschuhe, Rucksäcke, Zelte, oder Kajaks für ein paar Tage verleihen oder mieten können.

Sowohl für die Verleiher als auch die Mieter soll sich das rechnen: „Ein neues Stand-Up-Paddle kostet 1500 Euro, obwohl es am Ende oft nur ein oder zwei Mal im Jahr genutzt wird“, sagt Weiß. Jetzt könnten die Besitzer zumindest einen Teil der Kosten wieder reinholen. Das Inserieren auf der Plattform sei kostenlos. Erst bei einer Transaktion will Gearrilla eine Gebühr in Höhe von 20 Prozent der Miete kassieren.

In München hat das Gründerduo ein kleines Büro bezogen, um von hier aus die kommerzielle Idee des Teilens populär zu machen. Dass ausgerechnet Bayern die Heimat des Start-ups geworden ist, ist kein Zufall: „Wir haben hier Seen und wir haben hier Berge“, schwärmt Weiß, der aus dem Landkreis Erding stammt.

Kampf gegen Verschwendung von Ressourcen

Der Name Gearrilla ist aber alles andere bairisch, sondern eine Wortkreation aus dem englischen gear für Ausrüstung und dem spanischen guerrilla für einen aufständischen Kämpfer. „Als kleine Gruppe wollen wir der Verschwendung von Ressourcen den Kampf ansagen“, sagt Weiß. Bei Outdoor-Produkten sieht der Gründer ein enormes Potenzial: Tausende Zelte, Rucksäcke und Surfbretter aus Kunststoff lagern seiner Beobachtung nach in Deutschland weitgehend ungenutzt auf Dachböden und in Kellern. „Es wird unglaublich viel Ausrüstung produziert, obwohl sie sich sehr leicht teilen lässt“, sagt Weiß.

Überraschend ist, dass die Idee der Firmengründer offenbar auf das Wohlwollen der Sportindustrie stößt: „Wir stehen in Kontakt mit einigen großen Outdoor-Herstellern, die sich durchaus vorstellen können, ihre Produkte über unsere Plattform zu vermieten“, sagt Weiß.

So einleuchtend die Idee klingt, einen Haken hat die Sache: Obwohl die Plattform seit Herbst online ist, hält sich die Zahl der verfügbaren Produkte bislang in Grenzen. „Das ist das Henne-Ei-Problem“, sagt Weiß. Solange niemand seine Skiausrüstung ins Netz stelle, gebe es auch keine Nutzer. Und solange es keine potenziellen Nutzer gebe, würde auch niemand seine Winterausrüstung zum Verleih anbieten.

Outdoor-Industrie will kooperieren

Hilfe hat sich das Gründer-Duo von den Stars der Branche geholt: Man habe Gelegenheit gehabt, mit Experten von Airbnb aus den USA zu sprechen, sagt Weiß. Wichtigste Botschaft der Kalifornier: Durchhalten – und immer einen engen Kontakt zu den Nutzern halten.

Letzteres machen Weiß und Beyersdorff ohnehin: „Neulich wollte jemand sein Snowboard online stellen, hat es aber nicht geschafft“, sagt Weiß. „Wir sind zu ihm nach Hause gefahren, haben das Snowboard fotografiert und das Bild hochgeladen.“

Auch hoffen die Firmengründer inzwischen auf eine Kooperation mit Sportgeschäften – also Profis, die seit Jahrzehnten Skier oder Mountainbikes verleihen. Dort sähe man Gearrilla nicht als Konkurrenz, sagt Weiß, viele Händler signalisierten Interesse, ihre Produkte über Gearrilla zu vermieten. Bestimmte Produkte, wie Kletter- oder Gleitschirmausrüstung, dürfte ohnehin nur von professionellen Anbietern verliehen werden.

Ob es dem Start-up gelingen wird, den Outdoor-Markt mit seinem neuen Konzept aufzuwirbeln, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Den Gründern ist bewusst: Erst ab einer Zahl von 95 Ausleihen am Tag würde sich das Geschäft betriebswirtschaftlich rechnen. Noch ist der Branchenneuling von solchen Zahlen weit entfernt.

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