Fiskus langt zu

Steuer: Bald trifft es auch den Durchschnitts-Rentner

München - Immer mehr Rentner müssen Steuern bezahlen – und alle Senioren sind verunsichert, ob auch sie ins Visier des Fiskus geraten.

Denn die seit 2005 erhobene Rentensteuer ist kompliziert – und trifft eine jährlich wachsende Gruppe von Ruheständlern. Die tz erklärt, wer wirklich fürchten muss, vom Finanzamt belangt zu werden.

Wie viele Rentner müssten Steuern bezahlen? Von den knapp 21 Millionen Beziehern einer gesetzlichen Rente müssen 2016 voraussichtlich rund 3,9 Millionen Rentnerehepaare und Alleinstehende Steuern bezahlen (ein zusammen veranlagtes Paar zählt für den Fiskus als „ein Steuerpflichtiger“). Aber der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung betont, dass die Zahl der Steuerpflichtigen Jahr für Jahr höher wird: „Rentner, die ihr ganzes Arbeitsleben lang durchschnittliche Beträge gezahlt und keine nennenswerten Nebeneinkünfte haben, werden voraussichtlich in den kommenden Jahren erstmals – zunächst geringfügige – Steuern auf ihre Rente zahlen müssen.“ Im kommenden Jahr wächst die Zahl der steuerpflichtigen Ruheständler um weitere 70 000 an.

Ab welchem Monatseinkommen sind Steuern fällig? Laut Finanzministerium sind für 2015 ab einer monatlichen Rente in Höhe von 1207 Euro (gemeinsam veranlagte Ehepaare: 2414 Euro) Steuern fällig. Kompliziert wird es bei zusätzlichen Einnahmen wie Mieten oder Betriebsrenten, die je nach Einkunftsart unterschiedlich besteuert werden. Die Stiftung Warentest empfiehlt: „Vermieter sollten sich von einem Steuer­experten beraten lassen. Denn Abschreibungen, Zinsen und anderes senken die steuerpflichtigen Einnahmen – und alles korrekt anzusetzen, kann knifflig sein.“

Was ist der Rentenfreibetrag? Das ist der Teil der Rente, der nicht zu versteuern ist. Wer vor 2006 in Rente gegangen ist, bei dem sind prinzipiell 50 Prozent der Rente steuerfrei. Seither sinkt der steuerfreie Anteil jährlich um zwei Prozent. Bei Rentnern, die 2016 in den Ruhestand gehen, liegt der steuerfreie Teil nur noch bei 28 Prozent. Ab 2040 müssen Neu-Rentner dann ihre Rente voll versteuern.

Heißt das, dass Rentner, die jetzt keine Steuern zahlen müssen, auf Dauer vom Fiskus verschont sind? Nein, denn alle Rentenerhöhungen seit 2005 werden nur auf die steuerpflichtige Hälfte der Rente angerechnet. Wer jetzt schon knapp unter der 1207-Euro-Grenze liegt, muss also in den nächsten Jahren genau prüfen, ob er in die Steuerpflicht rutscht.

Ist die Rentenbesteuerung eine Steuererhöhung? Nein, denn im Gegenzug werden die Aufwendungen für die Altersvorsorge bis zu einem Jahreshöchstbetrag von 12 000 Euro Schritt für Schritt bis zum Jahr 2025 steuerfrei.

Wenn’s nicht um Mehreinnahmen geht: Warum wurde dann überhaupt diese komplizierte Rentenbesteuerung eingeführt? Grund dafür ist ein Verfassungs­gerichtsurteil, wonach Pensionen und Renten gleich behandelt werden müssen. Bis Ende 2004 wurden Renten – anders als Pensionen – nur mit einem fiktiven „Ertragsanteil“ von 27 Prozent der vollen Rentenhöhe besteuert.

Wie sieht es mit Betriebsrenten aus? Betriebsrenten aus Pensionskassen und -fonds, für die heute steuerfreie Beiträge gezahlt werden, müssen später voll versteuert werden. Wurden nur einige Jahre steuerfreie Beiträge eingezahlt, wird die Leistung in einen voll und einen nur mit dem Ertragsanteil steuerpflichtigen Teil aufgeteilt.

Wie steht es mit Mieteinnahmen? Wer 65 wird, erhält für Zusatz-Einkünfte wie beispielsweise Mieteinnahmen noch einen sogenannten Altersentlastungsbetrag, der 2015 bei maximal 1140 Euro im Jahr liegt. Auch dieser Altersentlastungsbetrag wird schrittweise bis 2040 abgeschmolzen. Für die, die im kommenden Jahr 65 Jahre alt werden, liegt der Höchstbeitrag für steuerfreie Zusatzeinkünfte bei 1064 Euro, 2017 nur noch bei 988 – und 2040 dann bei null.

Lässt sich die Rentenbesteuerung noch stoppen? Nein. Die Verfassungsklage eines selbstständigen Ex-Wirtschaftsprüfers und eines verbeamteten Chefarztes, der neben seiner Pension steuerpflichtige Altersbezüge erhält, wurde Anfang Dezember zurückgewiesen. Die höchsten Richter entschieden, dass die schrittweise ansteigende Besteuerung der Altersbezüge nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt.

Klaus Rimpel

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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