Steuerberater-Tricks: So sparen Sie Geld

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München - 1000 Euro bekommen die Deutschen im Schnitt jedes Jahr vom Finanzamt zurückerstattet. Oft könnte es noch mehr sein - wenn man die Steuerberater-Tricks kennen würde. Die tz hat für Sie die Ratschläge der Topexperten zusammengetragen.

Frank Pöpsel – TOP Steuerberater verraten ihre Tricks 19,95 Euro, Redline- Verlag München

Derzeit flattern vielen Beschäftigten die letzten Gehaltsabrechnungen in die Briefkästen. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: einmal frühzeitig die Steuererklärung erledigen. Sie verspricht zwar nicht unbedingt einen besonders lustigen Abend, aber dafür winkt eine satte Rückzahlung. Durchschnittlich 1000 Euro bekommen die Deutschen im Jahr vom Finanzamt zurückerstattet. 200 Millionen Euro behält der Fiskus jährlich zu viel an Steuern, weil viele Bürger ihre Steuererklärung zu spät oder gar nicht abgeben. Das muss nicht sein.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Damit Ihnen die Steuererklärung in diesem Jahr etwas leichter fällt, verrät die tz in einer dreiteiligen Serie die besten Steuertipps der 20 Top-Steuerberater Deutschlands.

Formales:

Fristen:

Wer seine Steuererklärung abgeben will oder muss, sollte sich dringend an die geltenden Fristen halten. Bis zum 31. Mai 2012 muss die Steuererklärung im Briefkasten des Finanzamts liegen. Klappt’s bis dahin nicht, muss sich der Steuerzahler um eine Fristverlängerung bemühen – verpflichtet ist das Finanzamt zu dieser aber nicht. Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein zu Rate zieht, hat regulär bis Ende des Jahres Zeit.

Grundfreibetrag:

Der Grundfreibetrag stellt das Existenzminimum steuerlich frei. Für das Jahr 2011 liegt er bei 8004 Euro für Alleinstehende, für gemeinsam veranlagte Ehegatten bei 16 008 Euro.

Arbeitnehmerpauschbetrag:

Gute Nachrichten: Der Arbeitnehmerpauschbetrag, den Arbeitnehmer zusätzlich ohne Belege abziehen können, ist rückwirkend erhöht worden. Bisher lag er bei 920 Euro, ab 2011 sind es 1000 Euro. Leider ist dieser Sprung um nur 80 Euro relativ bescheiden. Zwar rechnen die Finanzämter damit, dass dadurch über eine halbe Million Menschen keine Belege mehr für ihre Werbungskosten vorlegen müssten. Das Problem: Sammeln müssen sie die Belege trotzdem, denn kaum ein Steuerzahler wird am Anfang des Jahres schon wissen, ob er mit seinen Werbungskosten unter der 1000 Euro-Grenze bleiben wird. Wirklich viel bringt die Erhöhung des Pauschbetrags ohnehin nicht: Die Ersparnis beträgt höchstens 40 Euro im Jahr.

Sonderausgabenpauschbetrag: 

Ledige können 36 Euro, Verheiratete 72 Euro für Sonderausgaben geltend machen. Auch hier gilt: Wer einen höheren Betrag nachweisen kann, kann diesen auch geltend machen! Zu den Sonderausgaben gehört etwa die gezahlte Kirchensteuer. Achtung: Sonderausgaben müssen in dem Jahr abgezogen werden, in dem sie geleistet worden sind. Der Abzug von Sonderausgaben ist nur im Rahmen von Höchstbeträgen möglich. Deshalb: Im Zweifel Zahlungen ins nächste Jahr verschieben, um die steuerliche Abzugsfähigkeit zu optimieren. Besonders wichtig ist das in Jahren mit Verlusten – denn die steuerliche Wirkung der Sonderausgaben verpufft, wenn aufgrund von Verlusten keine Steuern zu zahlen sind.

Steuerklassen:

Durch die geschickte Wahl der Steuerklassen können Verheiratete ihr monatliches Nettogehalt erhöhen! Eine Steuerersparnis bietet die richtige Wahl der Steuerklasse zwar nicht, da das Finanzamt ohnehin prüft, welche Kombination die günstigste ist. Trotzdem bietet die richtige Steuerklassenwahl einen monatlichen Liquiditätsvorteil. Als Faustformel gilt: Ab einem Einkommensverhältnis von 60:40 ist die günstigste Kombination die von Steuerklasse III und V. Wenn beide Ehepartner gleich viel verdienen, sollten sie beide die Steuerklasse IV wählen. Wer’s ganz genau wissen will, kann im Internet nachrechnen – zum Beispiel unter www.finanzamt.bayern.de/informationen/Steuerinfos.

Faktorverfahren:

Nachrechnen lohnt sich! Dieses Verfahren bietet die Möglichkeit, den Lohnsteuerabzug genau auf die individuellen Verhältnisse abzustimmen. Es soll die ungeliebte Steuerklasse V entschärfen, die oft als Beschäftigungshindernis für den geringer verdienenden Ehegatten gilt. Im Kern bekommen beide Ehegatten mit deutlich unterschiedlich hohem Einkommen auf Antrag Steuerklasse IV plus einen Faktor, der sich aus dem Verhältnis der Einkommensteuer für beide und der Einkommensteuer bei Steuerklasse IV errechnet. So werden die persönlichen Freibeträge bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Der Faktor wird auf Antrag durch das Finanzamt ermittelt und auf der Lohnsteuerkarte eingetragen.

Rentner:

Auch Rentner sind grundsätzlich steuerpflichtig. Ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen, hängt aber von der Höhe ihrer Einkünfte ab. Dazu zählen nicht nur die eigentliche Rente, sondern auch steuerpflichtige Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung oder auch Leistungen aus einer privaten Altersabsicherung. Übersteigt der Gesamtbetrag 8004 Euro im Jahr, muss der Rentner eine Steuererklärung abgeben. Auf der Seite www.finanzamt.bayern.de finden Rentner einen Alterseinkünfterechner, der die voraussichtliche Höhe der Steuerbelastung errechnet. Auch für Rentner gelten Werbungskosten, und zwar von 102 Euro. Weitere Abzüge sind der Grundfreibetrag von 8004 Euro für Alleinstehende, der Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro und der Versorgungsfreibetrag auf Betriebsrenten. Außerdem sind die Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung abzugsfähig, ebenso wie die Kosten für Ärzte und Medikamente, die über der Belastungsgrenze liegen. Wer nach dem 64. Lebensjahr noch Arbeitslohn bezieht, kann den Altersentlastungsbetrag geltend machen.

Mobilität:

Pendlerpauschale:

Es gibt sie wieder, die Entfernungspauschale. 30 Cent können Arbeitnehmer pro Entfernungs-kilometer zwischen Wohnung und Arbeit als Werbungskosten geltend machen. Es gilt immer nur die einfache Strecke. Grundsätzlich unterstellt der Fiskus eine Fünf-Tage-Woche, dann gelten 230 Arbeitstage im Jahr als üblich. Bei einer Entfernung von 15 Kilometern zwischen Wohnung und Arbeitsstätte kann der Pendler 1035 Euro von der Steuer absetzen. Dieser Wert liegt bereits über dem Pauschbetrag!

Reisekosten:

Kosten, die bei einer vorübergehenden beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit entstehen, kann der Arbeitgeber steuerfrei erstatten. Dazu gehören die Fahrtkosten, die Verpflegungsmehraufwendungen, die Kosten für Übernachtung und Reisenebenkosten. Für Reisen mit dem eigenen Pkw kann der Arbeitgeber 30 Cent pro Kilometer erstatten, für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelten die nachgewiesenen Fahrtkosten.

Marc Kniepkamp

Die Steuerklassen auf einen Blick

So finden Sie die passende Steuerklasse für sich – und Ihren Ehepartner

Steuerklasse geeignet für
Steuerklasse I (Besteuerung entspricht Steuerklasse IV) Arbeitnehmer, die ledig sind oder verheiratet, verwitwet oder geschieden und bei denen die Voraussetzungen für die Steuerklasse II oder IV nicht vorliegen.
Steuerklasse II (Besteuerung günstiger als Steuerklasse I) Arbeitnehmer, die sonst in der Steuerklasse I sind, wenn bei Ihnen die Voraussetzungen für einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende vorliegen. In der Haushaltsgemeinschaft dürfen neben den eigenen Kindern keine weiteren volljährigen Personen leben, also keine anderen Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in derselben Wohnung.
Steuerklasse III (günstigste Steuerklasse. Es besteht Erklärungspflicht und der andere Ehegatte ist zwingend in Steuerklasse V – ideal ab einem Einkommensverhältnis 60:40) Verheiratete, wenn beide unbeschränkt steuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben. Der andere Ehegatte muss dann in Steuerklasse V eingruppiert werden.

Bei aufgelöster Ehe für das Jahr der Auflösung – vorausgesetzt, dass beide

unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und bis dahin nicht dauernd getrennt

lebten. Der andere Ehegatte muss im selben Jahr wieder geheiratet haben und darf

dann ebenfallst nicht dauernd getrennt leben. Er und sein neuer Ehegatte müssen

unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sein.

Steuerklasse IV (Besteuerung entspricht Steuerklasse I – ideal für Ehegatten, wenn beide gleich viel verdienen. Es besteht keine Erklärungspflicht) Arbeitnehmer, die verheiratet sind, nicht getrennt leben und beide Arbeitslohn beziehen.
Steuerklasse IV-Faktor (günstiger als Steuerklasse IV, da der Faktor zwingend kleiner 1 ist. Es besteht keine Erklärungspflicht. Arbeitnehmer, die verheiratet sind, nicht getrennt leben und beide Arbeitslohn beziehen. Der Lohnsteuerabzug entspricht in etwa der Jahreseinkommensteuer, daher gibt es in der Regel weder eine Erstattung noch eine Nachzahlung, wenn sich die Verhältnisse nicht ändern.
Steuerklasse V (schlechter als Steuerklasse IV. Dafür ist der Ehegatte in der günstigeren Steuerklasse III) Arbeitnehmer, deren Ehegatte bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht in Steuerklasse III ist.
Steuerklasse VI (schlechteste Steuerklasse mit höchstem Lohnsteuerabzug) Arbeitnehmer, die von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen. Die Steuerklasse gilt für das zweite Dienstverhältnis und gegebenenfalls weitere Dienstverhältnisse.
Quelle: Top-Steuerberater verraten ihre Tricks

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