Steuerberater-Tricks: So sparen Familien

München - Die tz führt Sie durch den Dschungel der Steuersparmodelle für Familien und erklärt alle wichtigen Freibeträge, damit Ihnen bloß kein Cent durch die Lappen geht.

Teil 1 der Serie

Kinder sind teuer – der Fiskus weiß das und hat deshalb Familien zahlreiche Möglichkeiten zum Steuersparen eingeräumt. Wie immer ist es aber besonders wichtig, auf kleine Feinheiten und die richtige Höhe der Freibeträge zu achten. Schließlich haben Familien keinen Cent zu verschenken und brauchen das schöne Geld, das sie ans Finanzamt abgeführt haben, besonders dringend zurück. Die tz führt Sie durch den Dschungel der Steuersparmodelle für Familien und erklärt alle wichtigen Freibeträge, damit Ihnen bloß kein Cent durch die Lappen geht.

Kindergeld und Kinderfreibetrag:

Frank Pöpsel – TOP Steuerberater verraten ihre Tricks 19,95 Euro, Redline- Verlag München

Seit 2007 ist die Altersgrenze für die Zahlung des Kindergeldes vom 27. auf das 25. Lebensjahr gesenkt worden. Das Kindergeld für die ersten zwei Kinder beträgt derzeit 184 Euro, für das dritte Kind 190 Euro und für das vierte und alle weiteren Kinder 215 Euro. Es wird von der Familienkasse bezahlt. Der Kinderfreibetrag liegt bei 7008 Euro im Jahr. Darin ist neben dem normalen Kinderfreibetrag auch der Betrag für den Betreuungs- und Erziehungsbedarf (BEA-Freibetrag) von 2640 Euro enthalten. Die Werte gelten für verheiratete Eltern. Die Freibeträge werden gegen das Kindergeld abgewogen und dann gewährt, wenn sie für den Steuerzahler günstiger sind. Das rechnet das Finanzamt automatisch aus.

Kindergeld für volljährige Kinder:

Das Kindergeld wird für volljährige Kinder nur dann gewährt, wenn der Nachwuchs weniger als 8004 Euro im Jahr verdient. Weitere Voraussetzung: Das Kind befindet sich in der Berufsausbildung, besucht eine Allgemeinwissen vermittelnde Schule oder es befindet sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungs­abschnitten, etwa zwischen Abitur und Beginn des Studiums. Auch während eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres zahlt die Familienkasse weiter. Selbst wenn die Einkünfte des Kindes 8004 Euro überschreiten, ist noch nicht alles verloren. Folgende Aufwendungen können Sie abziehen: Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, Arbeits- und Lehrmittel, Studiengebühren und Reisekosten bei einem Auslandsstudium, eine Auslandskrankenversicherung beim Studium im Ausland, Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung und freiwillige und private Krankenversicherungsbeiträge. Außerdem ist davon auszugehen, dass sich per Entgeltumwandlung das Kindergeld retten lässt. Dazu müsste das Kind mit dem Ausbildungsbetrieb eine betriebliche Altersversorgung vereinbaren, die es im Rahmen einer Gehaltsumwandlung selbst zahlt und mit der es sein maßgebliches Einkommen reduziert. Die beste Nachricht zum Schluss: Im kommenden Jahr können sich Eltern dank Steuervereinfachungsgesetz das Gerechne sparen. Die Einkommensprüfung entfällt nämlich ab 2012, wenn sich die Kinder in der ersten Berufsausbildung bzw. im Erststudium befinden!

Kindergeld für Au-pair:

Befindet sich ein Kind als Au-Pair im Ausland, besteht eigentlich kein Anspruch auf Kindergeld mehr, zumal wenn das Kind außerhalb der EU wohnt. Durch einen Sprachunterricht, der mindestens 10 Stunden pro Woche dauert, bleibt der Anspruch auf Kindergeld bestehen. Der Grenzbetrag von 8004 Euro bleibt erhalten.

Der Patchwork-Effekt:

Eltern in einer Patchwork-Familie können den Kindergeldanspruch erhöhen. Bringt der Vater drei Kinder mit in die Ehe und die Mutter eins und überträgt die Frau den Kindergeldanspruch für ihr Kind auf ihren neuen Ehemann, hat dieser Kindergeldansprüche für vier Kinder. Damit erhalten die Eheleute für das Kind der Frau 215 Euro monatlich statt 184 Euro. n Einkünfte auf minderjährige Kinder übertragen: Ein Vorteil von Kindern unter 18 Jahren: Bei ihnen spielen die eigenen Einkünfte und Bezüge keine Rolle. Das können Eltern nutzen und ihren Kinder einkommensteuerpflichtige Gewinne oder Überschüsse, etwa aus Kapitalvermögen oder Vermietung und Verpachtung, übertragen. So können Kinder mindestens Beträge bis zum Grundfreibetrag von 8004 Euro kassieren – steuerfrei. Der Haken: Dafür ist eine Vorgehensweise wie unter fremden Dritten notwendig. Das bedeutet, dass ein Vertrag nötig ist und dass die Zahlungen wie vereinbart durchgeführt werden. Das Geld gehört dann dem Kind. Den Trick sollte man also nur anwenden, wenn die Kinder tatsächlich über dieses Geld verfügen sollen. Eine Rückübertragung wäre gar steuerschädlich! Außerdem sollten Eltern kontrollieren, ob ihre Kinder unter diesen Voraussetzungen weiter familien­versichert sind. n Kinderbetreuung: Seit 2006 können Eltern jüngerer Kinder einen Großteil der Kosten für die Kinderbetreuung absetzen. Die Regelungen sind jedoch kompliziert und mit einer Vielzahl von Sonderfällen gespickt. Bis zu 4000 Euro pro Jahr der Ausgaben für eine Tagesmutter oder eine Kindertagesstätte können dann als Werbungskosten (bei Arbeitnehmern) oder als Betriebskosten (bei Selbstständigen) abgesetzt werden, wenn das Kind das dritte, aber noch nicht das sechste Lebensjahr vollendet hat. Zwei Drittel der Kosten werden akzeptiert. Für die vollen 4000 Euro muss man Kosten von 6000 Euro nachweisen können. Doppelverdiener und Allein­erziehende können sogar bis zum 14. Lebensjahr des Kindes 4000 Euro im Jahr absetzen. Bei jüngeren und älteren Kindern können Eltern die Betreuungskosten immerhin noch als haushaltsnahe Dienstleistung abrechnen. Dafür müssen aber nicht nur Rechnungen, sondern auch Überweisungsbelege vorgelegt werden. Auch hier eine gute Nachricht dank Steuervereinfachungsgesetz: Ab 2012 werden Kinderbetreuungskosten für Kinder unter 14 Jahren nur noch als Sonderausgaben abgezogen. Damit entfallen die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen.

Ausbildungsfreibetrag:

Für volljährige Kinder, die nicht mehr im eigenen Haushalt leben und eine Ausbildung absolvieren, können Eltern den Ausbildungsfreibetrag geltend machen. Der beträgt jährlich 924 Euro – egal, ob das Kind an einer Universität studiert oder eine betriebliche Ausbildung durchläuft. Weitere Voraussetzung ist, dass die Eltern für das volljährige Kind noch Anspruch auf Kindergeld haben.

Schulgeld:

Bei staatlich anerkannten Privatschulen sind 30 Prozent des Schulgelds als Sonderausgaben abzugsfähig. Kosten für Beherbergung, Betreuung und Verpflegung müssen aber herausgerechnet werden.

Scheidungen:

Die Kosten einer Eheschließung können nicht von der Steuer abgesetzt werden, die einer Scheidung hingegen schon. Denn bei Scheidung führt kein Weg am Gericht vorbei. Deshalb stellen Anwalts- und Verfahrenskosten für den Scheidungsprozess außergewöhnliche Belastungen dar. n Unterhalt: Unterhaltsleistungen kann der Unterhaltsverpflichtete bis zu einer Höhe von derzeit 13 805 Euro als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen. Voraussetzung: Die Ex-Ehepartner sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und der Unterhaltsberechtigte versteuert die Zahlungen als sonstige Einnahmen.

Alleinerziehende:

Wer sein Kind allein erzieht, erhält eine gesonderte Unterstützung. Der Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende liegt bei jährlich 1308 Euro. Voraussetzung: Der Alleinerziehende hat Anspruch auf Kindergeld. Außerdem darf im Haushalt keine weitere erwachsene Person wohnen.

Großmutter als Tagesmutter:

Die Kinderbetreuung muss nicht zwingend durch fremde Menschen erfolgen, die Großeltern dürfen diesen Job auch übernehmen. Um die vollen 4000 Euro pro Kind absetzen zu können, müssen Oma oder Opa aber genau wie fremde Tagesmütter 6000 Euro im Jahr erhalten. Das Ganze muss im Vorfeld vertraglich vereinbart und dann auch tatsächlich durchgeführt werden.

M. Kniepkamp

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Rubriklistenbild: © dpa

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